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 Bild: designritter / photocase.com

Osterjubel - Osterlachen

Tagesthema 08. April 2012

Über das Osterlachen

Das Osterlachen bezeichnet ursprünglich den Brauch, in der Predigt an Ostern die Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen war dies vom 14. bis 19. Jahrhundert fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Der Grundgedanke des Osterlachens war, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig symbolisiert das Osterlachen die Überlegenheit und den Sieg über den Tod, der sich an Christus "verschluckt" hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist.

Mareike Bohrenkämper ist dem Lachen auf der Spur.

Der Osterruf: Christ ist erstanden

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Die Auferstehung ist eine Erfindung des Euripides. „Der letzte Tragiker erschreibt den Urchristen ihr Drehbuch, von der Semantik bis zum Plot. Der Apostel Paulos hat Euripides gelesen oder (noch viel schlimmer) in seiner Griechenschule aufgeschnappt“.

Lässt man die verwegene These Friedrich Kittlers einmal zu, eröffnet sich hinter dem Schleier christlicher Gewissheiten der schöpferische Abgrund des Christentums. Bis hin zum Kreuz war die Geschichte Jesu Christi schon skandalös genug, aber noch vorstellbar. Auch andere Menschen konnte solch ein Schicksal ereilen. Aber die Auferstehung geht darüber hinaus, sie ist eine Erfindung: creatio.

Mit der Auferstehung wird die Ordnung des Faktischen, des Nachvollziehbaren, des Beweisbaren, ja des Wissens überschritten. Sie ist „reines Ereignis“; von ihr weiß man eigentlich nichts; sie ist eine „unerhörte Möglichkeit, die selbst von einer ereignishaften Gnade abhängt“ . Innerhalb der Ordnung des Faktischen kann von der Auferstehung nicht gesprochen werden, weil die Worte nicht passen. Es braucht also etwas jenseits der Rede, etwas, „das den Sprechern ins Wort fällt“: die Stimme. „Was man nicht sagen kann, kann man vielleicht schon singen“, sagt Heiner Müller und beschreibt damit lakonisch einen möglichen Einbruch der Stimme ins Wort, den Gesang.

Das Osterlied „Christ ist erstanden“ ist mit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1160 vermutlich der älteste liturgische Gesang in deutscher Sprache und stammt aus dem süddeutsch-österreichischen Raum. Die Melodie dieses Liedes basiert auf der noch älteren Ostersequenz Victimae Paschali Laudes des Wipo von Burgund. In dieser streng in Stanzen ausgeführten Sequenz finden sich Spuren unterschiedlicher lyrischer und dramatischer Entfaltungen des Ostergeschehens aus einer tausendjährigen Überlieferung; (in Martin Luthers Nachdichtung der Ostersequenz, dem Choral „Christ lag in Todesbanden“ finden wir sogar eine Referenz für das risus pascalis, das von Luther in der Praxis seiner Zeit vehement kritisierte Osterlachen, einer Verspottung des Todes). Die Ostersequenz endet mit dem altkirchlichen Osterbekenntnis: „Wir wissen, Christus ist wahrhaft auferstanden“ und belegt damit das hohe Alter seiner Herkunft. Seit dem 14. Jahrhundert ist belegt, dass in der liturgischen Praxis „Christ ist erstanden“ im Wechsel mit der Ostersequenz gesungen wurde. Die überlieferte Melodie des Liedes folgt in Intervall-Struktur und Kirchentonart (dorisch) der Sequenz und vermeidet wie diese den Halbtonschritt zwischen der sechsten und der siebenten Stufe; dieser Ausdruck des Leidens hat im Osterjubel keinen Platz mehr. Die erste Strophe wird im 15. Jahrhundert um eine zweite Strophe und ein Halleluja erweitert. In dieser Form übernimmt Martin Luther das Lied in das Wittenberger Gesangbuch und schreibt, dass man dies Lied alle Jahre wieder singen müsse.

Seinen liturgischen Ort hat das Lied „Christ ist erstanden“ ebenso wie die Ostersequenz in der Osternacht. In jüngerer Zeit übernahm das Lob des Osterlichtes „Exsultet“ die Bedeutung der Sequenz. „Christ ist erstanden“ übernimmt den Platz des Wochenliedes. Nicht nur in diesem Kontext gehört „Christ ist erstanden“ zum liturgischen Urgestein des westlichen Christentums. Mit seiner Übernahme in das Wittenberger Gesangbuch vernetzt Luther die Reformation deutlich mit altkirchlicher Tradition und hält bis in die heutige Zeit an theologisch zentraler Stelle Wege der ökumenischen Praxis offen.
Johann Sebastian Bach lässt das Halleluja und den zweiten Teil des Liedes in seiner Osterkantate „Erfreut euch, ihr Herzen“ (BWV 660) als Schlusschoral erklingen. Er erweist dem Lied insofern eine besondere Referenz, als dass es die einzige Verwendung eines alten Hymnus in seinem Vokalwerk darstellt.

Praktisch-liturgisch könnte das Lied „Christ ist erstanden“ in der Osternacht als Antwortgesang der Gemeinde auf die österlichen Lesungen und das Credo (aus festlichem Anlass das von Nizäa – Konstantinopel) gesungen werden, die Aufteilung entspräche seiner Entstehung: Epistel – Strophen 1 und 3; Evangelium – Strophen 2 und 3; Credo – Strophe 3. Nach der Predigt könnte das Lied als Hymnus nochmals ganz gesungen werden. Eine solche Einbettung der Predigt würde es ihr wiederum gestatten, zeitbezogen und politisch zu sein, bewusst einen Abstand herzustellen.

Nimmt man das Osterlied „Christ ist erstanden“ als Stimme, die dem Prediger ins Wort fällt für einen Moment ernst, müsste man das Lied die Osterpredigt tatsächlich unterbrechen lassen. Demnach könnte die Predigt sich in drei dem Ostergeschehen entsprechend unerhört verschiedene Predigtstücke gliedern, die jeweils durch eine Strophe des Liedes unterbrochen werden bzw. deren Zusammenhang sich erst durch den Gesang der Strophen herstellt.

Wem diese Möglichkeit zu riskant erscheint, könnte immerhin dem außergewöhnlichen Anlass entsprechend das Osterlied anstelle des Credo direkt an die Predigt anschließen und damit der Gemeinde die Möglichkeit geben, direkt auf die Predigt zu antworten mit dem alten Osterbekenntnis, mit dem man sich noch heute zu Ostern in Griechenland begrüßt: Christos anésti – Alithos anésti! Grüßend würde ständig wiederholt und in die Alltagsvollzüge eingebettet, was von alters her auf Prozessionen und Wallfahrten praktiziert wurde und die Gattung von Liedern schuf, die man Leisen nennt: Kyrieleis.

Dietrich Sagert, Zentrum für Predigtkultur der EKD, Wittenberg (aus ggg19: Kirche klingt - 77 Lieder für das Kirchenjahr, hrsg. v. Jochen Arnold)

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Kirchenmusik - außerhalb der Mauern der Kirche

Die Kirchenmusik verlässt 2012 ihre gewohnten Räume und erkundet Neuland: Raus aus den Kirchenmauern, mitten hinein in den pulsierenden Alltag der Städte. Kinder-, Gospel- und Kirchenchöre, Bläserensembles und sogar ein Organist tauchen unvermittelt an Plätzen auf, wo man sie am wenigsten erwartet -- in der Fußgängerzone, am Spielplatz, im Freibad, auf dem Flughafen oder auf einer Inselfähre. Bläserskulpturen, experimentelle Glockenmusik und barocke Linien schaffen Freiräume für einen neuen Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft.

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Gottesklang 2012

Musik fasziniert, berührt und bewegt. Zu allen Zeiten. Musik war der Herzschlag der Reformation, denn Martin Luther setzte als Erster theologische Erkenntnisse in Choräle um, die alle Menschen singen konnten. Der Gemeindegesang und die Kirchenmusik sind bis heute unverzichtbare Elemente des evangelischen Lebens.

Diese Tradition wird 2012 bundesweit mit dem Themenjahr Reformation und Musik gefeiert – eine Wegmarke der Lutherdekade, die zum Reformationsjubiläum 2017 hinführt. In den evangelischen Kirchen Hannovers, in Westfalen und Lippe steht das kommende Jahr unter dem Motto Gottesklang. „Es wird eine wunderbare große geistliche Symphonie durch unsere Landeskirchen klingen“, kündigten Landesbischof Ralf Meister, Präses Alfred Buß und Landessuperintendent Martin Dutzmann voller Vorfreude an.

Altes und Neues, Liebgewordenes und Überraschendes wird 2012 zu hören sein. Kirchenmusik wird nicht nur an ihren angestammten Orten, sondern auch in Arenen, Einkaufszentren oder vor Bahnhöfen erklingen. Als A-cappella-Gesang, im Vielklang der Bläser, klassisch-ernst oder im Sound der Gegenwart swingend. Gleich, in welches Gewand die Kirchenmusik sich kleidet: Es geschieht einzig zum Lobe Gottes, soli deo gloria.

Über alle Aktivitäten, Projekte, Fortbildungen, Konzerte, Materialien, Medien und aktuelle Änderungen informiert diese Internetseite.

Gottesklang im Internet

Preisgekrönte Oster- und Pfingstlieder veröffentlicht

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Der Liederwettbewerb „Neues geistliches Lied – Ostern und Pfingsten“ der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers zum Jahr der Kirchenmusik ist jetzt abgeschlossen: Die Jury hat 27 Preisträgerinnen und Preisträger ermittelt. Ihre preisgekrönten Texte und Melodien sind in dem Liedheft „Befreit von Ängsten leben“ im Strube Verlag München erschienen.

„Die Resonanz auf unseren Liederwettbewerb war überwältigend“, sagt Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt, zuständig für Gottesdienst und Kirchenmusik im Landeskirchenamt. 77 Autorinnen und Autoren haben im ersten Teil des Wettbewerbs mit 151 Liedtexten die Vorlagen für die Kompositionen geliefert. In der zweiten Wettbewerbsphase haben mehr als 100 Komponistinnen und Komponisten über 220 Melodien dazu eingereicht. Das Liedheft mit den Texten und Melodien der Preisträger ist jetzt in die Kirchenkreise der Landeskirche verschickt worden und soll zum Jahreswechsel um Notensätze für Chöre und Posaunenchöre ergänzt werden.

„Die preisgekrönten Lieder erschließen die Botschaft von Ostern und Pfingsten in zeitgemäßer Sprache und Musik“, sagt Grünwaldt. „Damit sind sie ein kreativer Beitrag zum Jahr der Kirchenmusik in der Landeskirche und zum Themenjahr „Reformation und Musik“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Allen Teilnehmenden des Wettbewerbs und der Jury danke ich für ihr Engagement und wünsche den Liedern guten Erfolg: dass sie gerne und fröhlich gesungen werden.“ Das Liedheft enthält 23 Stücke.

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