Wahl ausgefallen

Bild: sör alex / photocase.com

Rückblick Kirchenvorstandswahl

Tagesthema 22. März 2012

Kreativer Start für sechs Jahre

11-24-Gebet
Bild: Jens Schulze

Ein unterschiedliches Bild zeigen die Kirchenvorstands- oder Gemeindekirchenratswahlen in Niedersachsen. Während sich die hannoversche Landeskirche über eine gestiegene Prozentzahl freut, gab es in den anderen Landeskirchen eine leicht rückläufige Beteiligungsquote.

Landesweit gaben 570 000 Menschen ihre Stimme ab, teilte Pressesprecher Johannes Neukirch als vorläufiges Ergnis mit. Das entspricht einer Gesamtbeteiligung von 18,3 Prozent. Sie lag damit um etwa 1,3 Prozent höher als vor sechs Jahren. Gestiegen war auch der Anteil der Briefwahl von 14,6 auf etwa 16,1 Prozent. Am Sonntag waren rund 3,1 Millionen Glieder der lutherischen Landeskirchen Hannover, Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe aufgerufen. Sie mussten mindestens 16 Jahre alt sein.
In der hannoverschen Landeskirche, die drei Viertel des Landes umfasst, stieg die Wahlbeteiligung gegenüber 2006 um 1,3 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. In Braunschweig lag die Wahlbeteiligung mit 22,4 Prozent zwar höher als bei der größeren Nachbarkirche, fiel aber gegenüber den Wahlen vor sechs Jahren um 1,8 Prozentpunkte. In Oldenburg lag die Wahlbeteiligung ebenfalls niedriger als 2006; sie sank um 0,9 Prozent auf 14,1 Prozent. Der Rückgang betrug in Schaumburg-Lippe 0,6 Prozentpunkte auf 20,3 Prozent.

Insgesamt wurden in Niedersachsen rund 5800 Frauen und 4300 Männer gewählt. Damit ist der Frauenanteil noch einmal gestiegen. Landesweit sind sechs von zehn Kirchenvorständen und Gemeindekirchenräten weiblich. Etwa genauso viele bringen auch schon Erfahrung in die Arbeit mit.

5000 weitere Mitglieder der kirchenleitenden Organe werden noch berufen, wenn sich die Vorstände konstituiert haben. Die landesweit höchste Beteiligung meldete Wartjenstedt in Salzgitter mit 89,8 Prozent – die kleine Gemeinde konnte 222 von 247 möglichen Wählern mobilisieren. Doch nicht in allen Gemeinden konnte gewählt werden, weil sich mancherorts nicht genügend Kandidaten fanden. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister dankte allen Kandidaten und Wählern. „Lassen Sie uns gemeinsam mit der Vielfalt unserer Gaben an Gottes Haus bauen“, sagte er. Der oldenburgische Bischof Jan Janssen wertete die Wahlen als Zeichen des aktiven Interesses in den Gemeinden. Die stabile Wahlbeteiligung in seiner Kirche stärke auch diejenigen, die in Zukunft maßgeblich an der Gestaltung des Gemeindelebens beteiligt seien.
Für den Sonntagabend hatten viele Gemeinden zu „Wahlpartys“ eingeladen, bei denen die lokalen Ergebnisse verkündet wurden. Überregionale Zahlen wurden von den Landeskirchen aber erst am Montag bekanntgegeben. Überhaupt gab es zahlreiche kreative Ideen rund um die Wahlen. In Vilsen war ein „mobiles Wahllokal“ unterwegs, um die Stimmabgabe zu erleichtern. Die Gemeinde Bokeloh (bei Neustadt) servierte den Wählern Aufläufe unter dem Motto „Wir laufen auf – zur Kirchenvorstandswahl“.

Die oldenburgische Gemeinde Osternburg filmte eigene Werbespots und veröffentlichte sie im Internet. Nach einer Luftballon-Aktion in Oldenburg flog ein Ballon bis auf die dänische Ostsee-Insel Fünen. Die Finderin meldete sich am Wahlsonntag per E-Mail und wünschte eine gute Wahl. In Neuenkirchen bei Osnabrück waren in der Sparkasse Papp-Kirchenvorsteher aufgestellt, denen Wünsche für die kirchliche Arbeit zugesteckt werden konnten. In Erichshagen bei Nienburg enthüllte Pastor Andreas Iber den originalgetreuen Nachbau seiner Dorfkirche aus Legosteinen. Gemeindeglieder hatten das Modell der 250 Jahre alten Corvinuskirche in mehr als 100 Stunden aus 14 500 Steinen zusammengesetzt.

Das amtliche und endgültige Ergebnis aller Zahlen liegt in der kommenden Woche vor und wird dann auf dieser Seite, aber insbesondere bei gemeinde-stark-machen.de veröffentlicht.

Evangelische Zeitung / epd / Red.

Ergebnisse und Informationen auf gemeinde-stark-machen.de

Unbenutzte Wahlurne

12-13-Ausgefallene Wahl
Pastor Karl-Martin Voget informiert am Nachmittag über die Situation nach der ausgefallenen KV-Wahl. Bild: Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

Einen gut besuchten Gottesdienst, ein Extra-Programm mit Kirchenerkundungen am Nachmittag und Kaffee und Kuchen im Gemeindesaal – das erlebte die Gnadenkirchengemeinde zum Heiligen Kreuz in Hannover-Mittelfeld so wie viele Gemeinden am 18. März, dem Tag der Kirchenvorstandswahl. Doch die Wahlurne blieb unbenutzt.

„Wir hatten bis zum Ende der Fristen nur zwei Kandidaten gefunden. Selbst nach Reduzierung der zur wählenden KV-Mitglieder war dies zu wenig für eine Wahl“, erklärt Pastor Karl-Martin Voget den anwesenden Gästen im Saal. Und so entschied der Stadtkirchenvorstand für eine Übergangszeit von einem Jahr ein sechsköpfiges Gremium zu bevollmächtigen. In ihm arbeiten die beiden Kandidaten, außerdem zwei Interessierte, die aber vor allem vor der sechsjährigen Amtszeit zurückschreckten, eine extern Berufene und der Gemeindepastor. „Wir sollen jetzt weitersuchen und eine Wahl in einem Jahr ermöglichen“, zeigte sich Voget optimistisch.

Bereits am Sonntag hätte er positive Rückmeldungen erhalten, berichtet der Pastor. Ausdrücklich lobt er den bisherigen Vorstand. Keinem, der sich jetzt zurückziehe, könne ein Vorwurf gemacht werden. „Sie waren für sechs Jahre gewählt und sollen jetzt kein schlechtes Gewissen haben“, sagt Voget. Für ihn werde bei der KV-Wahl insgesamt die „Spitze des Eisbergs“ sichtbar. Für etliche Gemeinden im Stadtkirchenverband seien die zu wählenden KV-Mitglieder im Vorfeld reduziert worden, um überhaupt eine Wahl durchführen zu können. Auf Nachfrage habe Superintendent Thomas Höflich von rund einem Viertel aller Gemeinden gesprochen.

Außerdem sei es auch kein typisch binnenkirchliches Problem, auch Vereine hätten ihre Last damit, weiß Voget. „Die beruflichen und privaten Anforderungen in unserer Gesellschaft sind generell oft über das verträgliche Maß hinaus gewachsen. Hohe Einsparungen und Kürzungen an Geld und Personal erhöhen die Motivation für ein Engagement nicht gerade“, meint er.

Seiner Gemeinde attestiert Voget ein hohes Engagement. Vor allem die lange Amtszeit von sechs Jahre schrecke eben ab. Hinzu komme die Struktur der Gemeinde, die vor 61 Jahren gegründet wurde. Nur noch rund ein Drittel der Bevölkerung im Stadtteil gehöre einer der christlichen Kirchen an, seine Gemeinde zählt rund 2000 Köpfe. Davon sind etwa 600 über 70 Jahre, rund 270 sind noch keine 21 Jahre alt.

„Trotzdem sind wir eine lebendige Gemeinde, in der die Gottesdienste als Evangelische Messe gefeiert werden. Es gibt zum Beispiel ein Familienzentrum mit 115 Plätzen für Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort sowie das Projekt TanzKunstKirche. Drei afrikanische Gemeinden feiern hier ihre Gottesdienste. Und Küster, Pfarrsekretärin, Sozialpädagogin und Hausmeister – alles 400-Euro-Stellen – werden komplett aus Spenden finanziert. Dies zeigt auch das Interesse im Stadtteil und der Gemeinde für unsere Arbeit“, sagte der 55-jährige Pastor.

Von Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

Landesbischof Ralf Meister zu dem Wahlergebnis

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Landesbischof Ralf Meister

„Ich freue mich, dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist und danke allen, die zur Wahl gegangen sind! Ebenso danke ich allen, die sich für die Kirchenvorstandswahlen eingesetzt und sie organisiert haben. Den Gewählten wünsche ich viel Mut, Gemeinschaftssinn und Gottes Segen in ihrem Amt als Kirchenvorsteherin oder Kirchenvorsteher! Den Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht gewählt wurden, danke ich für Ihr Engagement in der Hoffnung, dass Sie an anderer Stelle in ihrer Gemeinde wirken können. Für alle Christinnen und Christen in unseren niedersächsischen Kirchen gilt jetzt: Lasst uns gemeinsam mit der Vielfalt unserer Gaben an Gottes Haus bauen in dem Vertrauen darauf, dass Gottes Geist uns beflügelt und trägt!“

Das vorläufige Wahlergebnis im Einzelnen

„Meine Meinung“: Stark gemacht

In der Evangelischen Zeitung kommentiert der oldenburgische Bischof Jan Janssen im Blick auf alle lutherischen Kirchen Niedersachsens die Wahl:

Rund 570 000 Christinnen und Christen haben am vergangenen Sonntag in nahezu 2000 evangelischen Kirchengemeinden in Niedersachsen ihre Stimme abgegeben. Sie haben die Zusammensetzung der Gemeindekirchenräte und Kirchenvorstände neu bestimmt. Es ist beachtlich: Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen konnten zur Wahl mehr Menschen mobilisieren, als in die Fußballstadien des Landes passen. Das ist ein großartiges Zeichen.
Weit mehr als 15 000 Menschen haben kandidiert, gewählt wurden über
10 000 Frauen und Männer. Das sind beeindruckende Zahlen. Sie sind ein Beleg, dass die Besetzung des wichtigsten Leitungsamtes in den Kirchengemeinden vielen wirklich am Herzen liegt.
Mit der weitestgehend stabilen Wahlbeteiligung wurde ein kräftiges und deutliches Signal in die Gemeinden gegeben. Dies stärkt diejenigen, die in Zukunft maßgeblich an der Gestaltung der Kirchengemeinden beteiligt sein werden.
Die Gemeinden sind stark geworden: Die unglaublich kreativen und vielfältigen Aktionen im Vorfeld der Wahlen und am Wahltag selbst haben ihre Spuren hinterlassen, die noch lange nachwirken werden. Gemeinden haben Profil gezeigt. Das ist wichtig für unsere Kirche und nicht in Zahlen zu beziffern.
Der herzliche Dank gilt allen, die sich für die Wahl der Gemeindekirchenräte und Kirchenvorstände so engagiert und kreativ eingesetzt haben, beim Finden der Kandidatinnen und Kandidaten, bei der Vorbereitung und Durchführung des Wahltages, beim Auszählen der Stimmen.
Gratulieren möchte ich allen, die gewählt wurden, ich wünsche ihnen Freude und Gottes Segen beim Gestalten, beim Weichenstellen und im Miteinander in ihren Kirchengemeinden.

Bischof Jan Janssen, Evangelisch Lutherische Kirche in Oldenburg (aus: Evangelische Zeitung)

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