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Bild: epd-bild/Detlef Heese

Thema: Inklusion

Tagesthema 21. März 2012

Jetzt heißt es umlernen

Inklusion – Warum Integration der falsche Weg war

Einmal im Monat, am Freitagabend trifft sich in der reformierten Gemeinde Emden der „I-Punkt“. In dieser illustren Runde begegnen sich junge und junggebliebene Menschen mit und ohne Behinderung. Aber was heißt schon „Behinderung “? Ist die junge Down-Syndrom-Frau behindert mit ihren strahlenden Augen, die keine Maske braucht und Gefühle offen zeigen kann? Oder ist der Mensch behindert, der, wenn auch ohne körperliche Beeinträchtigungen, die Fähigkeit zu lachen oder zu weinen verloren hat? Ist der Autist behindert, der, obwohl in seiner eigenen Welt lebend, dennoch spürt, wenn mit mir etwas nicht stimmt oder die, die vor lauter Geschäftsterminen und Sorgen kein Auge für die Not der Nachbarin mehr hat? Natürlich sind wir verschieden. Aber trennen tun diese Unterschiede nicht. Im „I-Punkt“ kann jeder erfahren, dass diese Unterschiede einfach verschiedene Fähigkeiten und Gaben beherbergen, die zu einer echten Bereicherung führen, wenn man sie vereint. Hier wird gelebt, dass es normal ist, verschieden zu sein.

„Inklusion in der Kirche zu leben und Inklusion in der Bildung auf den Weg zu bringen, ist ein ureigenes theologisches Interesse“

Als wir vor 20 Jahren diesen Kreis ins Leben gerufen haben, haben wir das I für Integration gewählt, weil wir damals dem Irrtum aufgesessen sind, wir müssten in unserer Gemeinde etwas „für“ die Menschen mit Behinderungen tun. Wir müssten sie in die Gemeinde integrieren. Was aber sagt das über eine Kirchengemeinde aus, in der Menschen mit Behinderungen erst eine besondere Einladung benötigen, in der sie nicht selbstverständlich leben? Längst ist uns deutlich geworden, dass eine Gemeinde, will sie Gemeinde Jesu Christi sein, steht und fällt mit der Frage, ob sie Inklusion lebt und feiert als Schwestern und Brüder mit leeren Händen, die alle Gaben, die sie haben, aus Gnade empfangen haben.
Inklusion in der Kirche zu leben und Inklusion in der Bildung auf den Weg zu bringen, ist ein ureigenes theologisches Interesse, weil wir Menschen nur in der Verschiedenheit zum Menschen nach Gottes Bilde geschaffen sind, weil Gott selbst Mensch geworden ist und weil durch das Kreuz Christi alle Trennung ein Ende hat. Darum sind in der Gemeinde Jesu Christi nicht alle gleich, dürfen es auch gar nicht sein, sondern gerade die Verschiedenheit macht die Lebendigkeit aus. Ein Leib, der nur Kopf ist, kann kein Leib sein. So wird auch offenbar, dass der ganze Körper leidet, wenn ein Glied verletzt wird oder aus dem Blick gerät. (1. Kor.12,16).
Der „I-Punkt“ bleibt bei seinem Namen, denn hier wird nunmehr Inklusion als barrierefreie gleichberechtigte Begegnung gelebt und somit Gemeinde Jesu Christi erfahrbar. Darum beginnt jeder „I-Punkt“ mit einem Lied, in dem wir anstimmen, was in der Kirche gesagt werden muss: „Niemand muss anders sein als er ist, alles andere ist Mist!“

Von Reinhild Gedenk (aus: Evangelische Zeitung) - Reinhild Gedenk ist Seelsorgerin für Hörgeschädigte in der Reformierten Kirche und Pastorin im Ehrenamt in Emden.

Begriffserklärung: Inklusion und Integration

Integration (vom lateinischen Verb „integrare“, das am besten mit „eingliedern“ wiedergegeben werden kann) bezeichnet den Prozess des Zusammenwachsens von Gruppierungen unterschiedlicher Werthaltungen oder den Prozess des Eingliederns von Menschen in eine Gruppierung, die von dieser ausgeschlossen und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren.
Inklusion (vom lateinischen Verb „includere“, das mit „beinhalten“, „miteinbeziehen“ übersetzt werden kann) bedeutet die Minimierung von Diskriminierung und Benachteiligung aufgrund von Verschiedenheit. In Bezug auf die Schule soll dieses Ziel durch die gemeinsame Beschulung möglichst aller Kinder und Jugendlicher erreicht werden. Das gegliederte Schulsystem wird damit überflüssig.

Evangelische Zeitung

Inklusion überfordert die Schulen

Gibt es trotz mangelnder Bildungsgerechtigkeit zum gegenwärtigen Schulsystem keine Alternative? Ein Pro und Contra

Pro: Für inklusive Schulen fehlen die Ressourcen

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Dr. Horst Günther Klitzing ist stellv. Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes

Das Inklusionsgebot ist durch die Un-Konvention und das entsprechende Bundesgesetz von 2009 eine rechtsgültige Tatsache. Dies wertet der Deutsche Philologenverband grundsätzlich und aus christlich-humanitären Gründen als Fortschritt. Inklusion ist ein Programm für den gesamten Lebenslauf eines Menschen und ist damit gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie ist nicht primär oder gar ausschließlich Aufgabe der Schule, und würde man sie daran allein festmachen wollen, wäre sie zum Scheitern verurteilt.
Für eine Inklusion in den allgemeinen Schulen müssen die notwendigen zusätzlichen finanziellen, materiellen und baulichen Ressourcen bereitgestellt werden. Bürdete man ohne weitere Unterstützung den Lehrkräften die neuen Inklusionsaufgaben noch zusätzlich auf, bedeutete dies eine für sie nicht hinnehmbare Überforderung und den absehbaren Misserfolg für alle Inklusionsbemühungen.
Die sachgerechte Förderung von Schülerinnen und Schülern mit schweren Behinderungen ist eine schwierige Aufgabe. Sie sollte durch dafür qualifiziertes Lehrpersonal geleistet werden und kein Spielplatz für fachfremdes Dilettieren in Folge von Überforderung sein. Die Förderschullehrkräfte sind im Gegensatz zu ihren Kolleginnen und -kollegen an den allgemeinen Schulen sonderpädagogisch besonders ausgebildet und damit dafür bestens geeignet.
Es spricht alles dafür, Kinder mit Behinderungen in deren eigenem Interesse und, um auch sie nicht zu überfordern, dort zu fördern, wo dies mit den besten Erfolgsaussichten geschehen kann. Dafür kann im Einzelfall, das heißt je nach Art und Grad der Behinderung, die allgemein bildende Schule oder aber auch die Förderschule die beste Lösung sein.
Mehr Bildungsgerechtigkeit durch inklusive Beschulung erreicht man nur, wenn weder die Schulen, noch die Lehrkräfte und insbesondere nicht die Schüler überfordert sind.

Dr. Horst Günther Klitzing, stellv. Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes (aus: Evangelische Zeitung)

Contra: Das neue Ziel würde Spielraum schaffen

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Prof. Dr. Rolf Werning lehrt am Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover

Ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen ist eine Herausforderung. Deutsche Schulen bauen bis heute auf der Idee der Homogenisierung von Lerngruppen auf. Schülerinnen und Schüler mit angenommenen unterschiedlichen Lern- und Leistungspotentialen werden in einem strukturell selektiven Schulsystem separiert. Die einen gehen aufs Gymnasium, die anderen auf die Förderschule für Kinder mit Lernbeeinträchtigungen. Im OECD Vergleich gibt es kaum ein anderes Land, das so homogene Lerngruppen im Sekundarstufe I Bereich hat wie Deutschland.
Wir wissen auch seit den großen internationalen Vergleichsstudien, dass das deutsche Schulsystem sozial ungerecht ist und gerade Kinder aus sozial benachteiligten Milieus mit und ohne Migrationsgeschichte systematisch benachteiligt werden. Eine Vielzahl von Forschungsergebnissen macht gleichzeitig deutlich, dass gerade leistungsheterogenen Lerngruppen für schwächere Schüler lernförderlich sind. Leistungsstarke Kinder werden nicht benachteiligt, wenn auf eine gute Mischung geachtet wird.
Wie kann Inklusion nun gelingen, ohne dass Lehrkräfte völlig überfordert werden? Zum einen braucht es klare bildungspolitische Orientierungen und die verlässliche Zuweisung von Ressourcen. Zum anderen ist die Entwicklung einer gemeinsamen Vision an den allgemeinen Schulen notwendig. Nur wenn die Kollegen zusammen überlegen, was es bedeuten könnte, inklusiver zu werden, das heißt die möglichst gute Lernentwicklung aller Kinder im Auge zu haben, können die Grundsteine für eine inklusive Schulkultur gelegt werden. Dabei ist es unerlässlich, dass Lehrkräfte in Teams unter Einbeziehung von Sonderpädagogen kooperieren. Sie planen gemeinsam Unterricht, entwickeln individuelle Förderpläne und reflektieren die Lernentwicklung ihrer Schüler.
Das Schöne daran ist – und auch dies zeigen konkrete Erfahrungen – so kann Schule für alle Beteiligten angenehmer und effektiver werden.

Prof. Dr. Rolf Werning, Institut für Sonderpädagogik an der Leibniz Universität Hannover (aus: Evangelische zeitung)

Förderschule bereitet Kinder mit Handicap auf Konfirmation vor

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Pascal, Daniel, Jonas, die pädagogische Mitarbeiterin Irmtraud Bernstorf, Daniela und Diakonin Anja Schawohl (von links) beginnen jede Konfirmandenunterrichtsstunde mit einer Andacht. Bild: Stefan Heinze / Evangelische Zeitung

Die Konfirmation ist zwar für alle Kinder ein besonderes Ereignis. Doch für acht Jugendliche der Förderschule Geistige Entwicklung am Wasserwerksweg in Burgdorf (Region Hannover) trifft das wohl noch mehr zu. Die Schüler lernen die Grundlagen christlichen Glaubens trotz teils mehrfacher, gesundheitlicher Handicaps.

Die Geschichte von Noah kennt Philipp gut. 40 Tage gab es „übelst viel Regen“, sagt der Junge beim wöchentlichen Konfirmandenunterricht. Die Diakonin Anja Schawohl hat eine Spielzeugarche mitgebracht. Mit Figuren von Tieren und Menschen können die acht 12- bis 14-Jährigen aus verschiedenen Klassen die Geschichte aus der hebräischen Bibel für die Gruppe veranschaulichen. Schawohl erklärt, was es mit dem Regenbogen auf sich hat. Gott werde immer da sein für seine Schöpfung. Die pädagogische Mitarbeiterin Irmtraud Bernstorf hat einen Regenbogen aus Pappe angefertigt. Jetzt sortieren die Schüler die Segmente nach Farben und kleben sie an eine Pinnwand.

Wer genau hinschaut, kann beobachten, wie Schawohl, Bernstorf und die Förderschullehrerin Carola Falkenhagen den ein oder anderen wiederholt ansprechen und so „bei der Sache“ halten. Ein Schüler lässt sich aber nicht zum Mitmachen motivieren. „Jedes Kind hat eine speziellen Förderbedarf“, sagt die Diakonin. Das ist nicht verwunderlich. Vom Downsyndrom leichter Ausprägung über schwere Sprachentwicklungsverzögerungen bis zu frühkindlichem Autismus oder mehrfachen Schwerstbehinderungen reichen die Handicaps der Schüler.
Der zweistündige Unterricht, den der Kirchenkreis inzwischen mit einer Viertelstelle fest in seinem Stellenrahmenplan verankert hat, läuft stark ritualisiert ab. Er beginnt stets mit dem gleichen Mitmachlied, immer steht ein Vaterunser mit Gesten am Schluss. „Das gibt ihnen die Sicherheit, sich zu orientieren und neue Sachen aufzunehmen“, sagt Schawohl.

Die wichtigste Botschaft, die die Diakonin den Jugendlichen bis zur Konfirmation in der St.-Pankratius-Kirche im Juni mit auf den Weg geben will, lautet: „Ich bin ein geliebter Mensch. So, wie ich bin, bin ich akzeptiert“.

Von Stefan Heinze (Evangelische Zeitung)

Ein besonderer Moment der Inklusion

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Daniel Themann gehört zu den 1239 Menschen, die am vergangenen Sonntag den neuen Bundespräsidenten wählen konnten. Der junge Mann aus Langförden ließ sich auch von Joachim Gauck ein Autogramm geben. Bild: privat  

Daniel Themann strahlt noch immer vor Stolz über das ganze Gesicht: „Ich habe Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt. Er brauchte meine Hilfe.“ Was den 39-Jährigen aus dem niedersächsischen Langförden bei Vechta von vermutlich allen 1239 weiteren Mitgliedern der Bundesversammlung unterschieden hat, ist eine Genmutation. Daniel Themann hat seit seiner Geburt das Down-Syndrom.

epd

Mehr über Daniel Themann und warum er bei der Wahl des Bundespräsidenten dabei war

Gehandicapt ist jeder irgendwann mal: Ein Mehr an Höflichkeit hilft

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Mit dem Fechten feierte Esther Weber jahrelang internationale Erfolge. Inzwischen wirbt die 44-Jährige vor allem an Schulen ganz lebensnah dafür, dass der Umgang mit Menschen mit Handicap normal wird. Foto: privat / Evangelische Zeitung

Esther Weber war ein sportbegeisterter Teenager, als ein Autounfall 1983 ihr Leben entscheidend verändern sollte. Die 15-Jährige war fortan querschnittgelähmt. Sportlich ehrgeizig blieb Weber dennoch und holte 1992 bei den Paralympischen Spielen Gold im Fechten. Inzwischen hat sie ihren Schwerpunkt auf das ehrenamtliche Engagement für ein Mehr an Verständnis zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten verlagert, unter anderem im Arbeitskreis Kirche und Sport der Evangelischen Kirche in Deutschland. Mit der Evangelischen Zeitung sprach sie darüber, warum sie sich von der Gesellschaft Manieren statt Mitleid wünscht.

Evangelische Zeitung: Mit dem Begriff „Menschen mit Handicap“ tun sich viele Menschen schwer. Worin liegen für Sie die Gründe dafür?
Esther Weber: Ich glaube, für viele drückt der Begriff „Menschen mit Handicap“ zu wenig die Schwere der Einschränkung aus, die Bandbreite ist ja groß. Ich selber bin querschnittgelähmt, was auch bedeutet, dass ich in der rechten Hand keine Fingerfunktion habe. Aber natürlich gibt es weitaus schwerere, große Behinderungen, das weiß ich. Doch das Wort „behindert“ kennen nur die Deutschen, im Englischen heißt es „handicaped people“. Ich für mich kann nur sagen, ich bin nicht behindert, ich werde behindert.

Evangelische Zeitung:  Wie drückt sich das aus?
Esther Weber: Das fängt damit an, dass das Vorurteil in den Köpfen da ist, dass behinderte Menschen keinen Job und keine Aufgabe haben und somit viel Zeit, um zum Beispiel lange Wege zurückzulegen. Weil die Rampe, die Rolltreppe oder der Aufzug fehlen. Da sind die baulichen Barrieren immer noch extrem in Deutschland. Das schränkt mich in meiner Eigenständigkeit ein und ärgert mich sehr.

Evangelische Zeitung: Was sind für Menschen mit Handicap im sprachlichen Umgang die schlimmsten Sünden?
Esther Weber: „An den Rollstuhl gefesselt“ ist so ein absolutes No-Go. Da gibt es bei Rollstuhlfahrern diesen Witz: ,Wenn Sie einen an den Rollstuhl gefesselten Menschen sehen, alarmieren Sie bitte die Polizei!’ Es passiert mir auch, dass ich im Rollstuhl nicht direkt angesprochen werde, sondern stattdessen meine Begleitperson gefragt wird „Was will sie denn essen?“ Selbst im Gottesdienst in der Kirche werden in die Fürbitten für „die Kranken“ direkt auch Rollstuhlfahrer mit eingeschlossen. Aber ich bin nicht krank, ich bin nur Rollstuhlfahrerin. „Normale Menschen“ versuchen sich somit abzugrenzen, denke ich.

Evangelische Zeitung: Hat sich also im Umgang mit Menschen mit Behinderungen nicht so viel zum Positiven verändert, wie viele glauben?
Esther Weber: Vieles wurde per Gesetz, per DIN-Norm verordnet. Das ist oft so lieblos gemacht, nur eine Pflichterfüllung, die Betroffenen werden gar nicht einbezogen. Man merkt, ob jemand sich wirklich Gedanken gemacht hat.

Evangelische Zeitung: Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft für ein besseres Miteinander?
Esther Weber: Ich möchte ernst genommen werden. Das bedeutet für mich ein Mehr an Höflichkeit und Aufmerksamkeit. Ich will nicht von vornherein in eine Schublade gesteckt werden. Oft fehlt mir nur eine Hand. „Reich mir deine Hand!“ statt „Ich helfe dir, weil du behindert bist“. Das gilt aber auch für Mütter mit Kinderwagen, einen voll bepackten Schüler, eine Seniorin am Rollator. Wir haben vergessen, nach rechts und links zu schauen. Wie Richard von Weizsäcker sagte: Es ist normal, verschieden zu sein’. Mensch bleibt Mensch, auch mit Handicap. Wir denken, lieben, handeln nicht anders, nur das Umfeld ändert sich.

Von Maren Warnecke (Evangelische Zeitung

Die Homepage von Esther Weber

Inklusion: Der Kontakt zur Kirche ist wichtig

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Der Konfirmandenunterricht bietet auch Gelegenheit zum Gespräch. Hier unterhalten sich Kevin und die Diakonin Anja Schawohl während des Frühstücks. Bild: Stefan Heinze / Evangelische Zeitung

Schon 20 Jahre gehört der Konfirmandenunterricht zum Angebot der Schule am Wasserwerksweg. Für deren Leiter Gerd Schierstaedt ist das selbstverständlich. „Religion ist etwas, das für alle Menschen wichtig ist“, sagt der Pädagoge. Die Teilnahme am Konfirmandenunterricht der eigenen Gemeinde hat aber Vorrang. Wenn die Schüler dort „sozial integriert sind, kann ihnen nichts Besseres passieren“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Monika Böhlecke. Die Teilnahme am Wohnort hat auch einen positiven Effekt auf die Konfirmandengruppe der Gemeinde. Die jungen Leute „lernen damit, besser zu akzeptieren, dass jeder andere anders ist“, sagt die Diakonin Anja Schawohl. Doch dafür müssen die Kinder mit Handicap „gut integrierbar“ und „über Sprache erreichbar“ sein, weiß Böhlecke. Viele Jugendliche seien jedoch in großen Gruppen „völlig überfordert“ und die Lehrer ebenso. Zwei der derzeitigen Konfirmanden haben sich für einen besonderen Weg entschlossen. Sie nehmen sowohl am Unterricht in der Gemeinde als auch in der Schule teil. „Die Beziehung zur Kirche bleibt im Leben wichtig“, weiß Böhlecke von den Ehemaligen.

Evangelische Zeitung

Informationen zur inklusiven Konfirmandenarbeit