2012_03_15

Bild: flobox / photocase.com

Das Klima schützen - vor Ort

Tagesthema 14. März 2012

Stolz auf den „Grünen Hahn“

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Der Grüne Hahn

Den Mitgliedern des Umweltteams der Friedenskirche Breloh schwoll nicht der Kamm, wie bei einem Hahn, sondern die Brust vor Stolz. Stolz waren sie auf ihren „Grünen Hahn“, den sie gerade ausgehändigt bekommen haben, Umwelt-Managerin Vera Flecken setzte nach fast dreistündiger letzter Prüfung ihre Unterschrift unter das Zertifikat. Und Michael Bruns-Kempf aus dem Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche händigte die Auszeichnung in Form einer Plakette aus. Angespornt waren die Breloher durch die St.-Martin-Kirchengemeinde, die das Zertifikat schon vor geraumer Zeit errungen hatte. Dem wollten die Breloher nicht nachstehen – geht es doch darum, die Schöpfung zu achten und zu bewahren, die noch vorhandenen Schätze der Natur zu schonen und so verantwortlich wie nur möglich mit ihnen umzugehen. Nicht zuletzt geht es aber auch darum, Geld zu sparen.

11-17-Thema der Woche-Grüner Hahn
Michael Bruns-Kempf überreicht dem Umweltteam der Friedenskirche Breloh den „Grünen Hahn“. Zuvor hatte Umwelt-Managerin Vera Flecken (3.v.r.) nach gründlicher Prüfung die Umweltfreundlichkeit der Gemeinde bescheinigt. Bild: Dietrich Breuer / Evangelische Zeitung

Ein ganzes Jahr hatte das Umweltteam mit Hans Hoffmann, Helmut Inselmann, Harald Lange, Manfred Ossig, Jürgen Sasse, Heinz Wagner und dem Vorsitzender Wolfgang Herterich das Kirchengrundstück und die Gebäude, aber auch die Gemeinde selbst unter die Lupe genommen und festgestellt, was ist, was sein sollte und was zu tun wäre. Es galt, alle mitzunehmen, von der Pastorin über den Kirchenvorstand bis zu den kleinsten Gemeindemitgliedern.

Dass das zu einem guten Stück schon gelungen ist, geht aus dem vorgelegten Umweltbericht hervor. Das Team erhielt dafür viel Lob von den beiden Experten, denn vieles, was da inzwischen bewegt wurde und in diesem Bericht dokumentiert werden konnte, sei beispielhaft. Das bekomme man nicht alle Tage vorgesetzt, lobte Vera Flecken immer wieder die Arbeit des Teams.
Selbstverständlich gibt es da und dort noch was zu tun und zu verbessern, sagte die Umweltbeauftragte, aber der „Grüne Hahn“ sei ja auch nichts Abschließendes, sondern Anerkennung für ein erstes erreichtes Ziel, von dem aus weiter nach neuen Gipfeln Ausschau gehalten werden müsse. An umweltbewusstes Verhalten sollte ohnehin ständig erinnert werden. Es müsse immerfort in Bildung und Erziehung, sogar in Katechese und Predigt zum Ausdruck kommen.

„Ihr Konzept ist schlüssig, vernünftig und zielgerichtet“, attestierten Flecken und Bruns-Kempf übereinstimmend dem Umweltteam der Kirchengemeinde, „und wenn Sie so engagiert weitermachen wie bisher, dann können Sie nicht nur stolz sein, sondern dann wird auch der finanzielle Nutzen für Ihre Kirchengemeinde nicht ausbleiben.“

Tatsächlich können sich die positiven Erfahrungen auch im privaten Bereich auswirken. Zunächst aber profitiert die Gemeinde. Die Kirchenvorsteher Jan Spieker und Monika Steffens freuten sich und zeigten sich beeindruckt, was ihr Umweltteam auf die Beine gestellt hat. Vielleicht ließe sich ja auch noch die eine oder andere Kirchengemeinde anstecken, hieß es aus der Runde. Auch katholische Gemeinden machen inzwischen beim „Grünen Hahn“ mit, verriet Bruns-Kempf.

Von Alexandra Wolf (Evangelische Zeitung)

Der Grüne Hahn. Umweltmanagement für eine Kirche mit Zukunft.

Kirche und Klimaschutz – verantwortliche Haushalterschaft?

Seit Jahrzehnten wird von vielen Menschen in der Gesellschaft gefragt, wie wir mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen verantwortungsvoll umgehen können. Christen können in diese Debatte einbringen, dass ihr Glaube die natürliche Umwelt als Schöpfung begreift, die wir nicht beliebig ausbeuten und nutzen können.

Nach biblischer Überlieferung bekommt der Mensch von Gott eine mitschöpferische Verantwortung zugewiesen: die Erde zu bebauen und zu bewahren. Aber: Sich die Erde „untertan machen“ bedeutet in dieser Sichtweise nicht weniger als eine an ethischen Kriterien ausgerichtete Haushalterschaft, die nachhaltige Entwicklung in den Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit dieser Erde zum Ziel hat – und deswegen sowohl Ökonomie als auch Ökologie umfasst.
Das Klimaproblem ist eine zentrale Frage des 21. Jahrhunderts. Es steht außer Zweifel, dass ein deutlicher Anstieg der Durchschnittstemperatur viele Gefahren für die Menschen und für die Natur hervorrufen würde, und dass die von Menschen verursachten Emissionen von Treibhausgasen hier eine maßgebliche Rolle spielen. Wenn diese beiden Erkenntnisse stimmen, dann bedeutet verantwortliche Haushalterschaft, das wir darauf hinzuwirken müssen, dass diese Emissionen schnell und sehr deutlich reduziert werden – und wenn Kirche glaubwürdig sein will, dann darf diese Leitline nicht nur verkündet sondern muss in die eigene alltägliche Praxis übersetzt werden.

Was kann getan werden? In den letzten Jahren ist in den Evangelischen Kirchen hier eine zunehmende Dynamik entstanden: Der Beschluss der Synode der EKD im Jahre 2008, den Landeskirchen zu empfehlen, ihre Emissionen bis zum Jahre 2015 um 25 Prozent zu senken, hat neue Aktivitäten ausgelöst. Die EKD hat ein „Projektbüro Klimaschutz“ eingerichtet, das an der FEST in Heidelberg angesiedelt ist und Landeskirche bei Klimaschutzprojekten berät. Zahlreiche Landeskirchen haben begonnen, Gesamtkonzepte für Klimaschutz im Bereich Gebäudemanagement, Mobilität und Beschaffung zu entwickeln. Über 600 Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen haben sich mittlerweile dem Umweltmanagementsystem „Grüner Hahn“/„Grüner Gockel“ angeschlossen. Die landeskirchlichen Umweltbeauftragten beraten und vermitteln Fachexpertise in die Gemeinden. Es wird schon viel getan – aber es könnte deutlich mehr sein, noch sind viel zu wenig Menschen in den Kirchen beteiligt.

Die Aufgabe, die Alltagspraxis in den Kirchen auf Klimaverträglichkeit umzustellen, geht nicht von heute auf morgen. Es bedarf eines kontinuierlichen Einsatzes. Deswegen ist es erforderlich, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die hoch gesteckten Ziele wirklich erreicht werden – und gegebenenfalls sich neue Schritte zu überlegen. Vieles deutet darauf hin, dass die diese Ziele mit einer rein technischen Optimierung alleine nicht erreicht werden können. Jeder und jede Einzelne kann seinen Lebensstil überprüfen und versuchen, zu dieser Absenkung der Treibhausgas-Emissionen beizutragen. Und wenn sich Emissionen gar nicht vermeiden lassen: Jeder und jede kann seine Emissionen in einem kirchlichen Projekt durch Energieprojekte ausgleichen. Die „Klima-Kollekte“ bietet hier sinnvolle Möglichkeiten.

Klimaschutz ist – noch – zu schaffen, auch und eigentlich: gerade in den Kirchen. Nur: Sie müssen diese Aufgabe gemeinsam in die Hand nehmen.

Dr. Hans Diefenbacher, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg und stellv. Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, ist Beauftragter des Rates der EKD für Umweltfragen. (Aus der Evangelischen Zeitung)

Es geht um Leben und Tod

11-01-Thema der Woche-CO2
Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Genf.  

LWB-Generalsekretär: Klimaschutz ist „eine Frage des Überlebens“

Die Diskussion um den Klimawandel zeigt die Grenzen von Politik auf. Politik bleibt auf den Nationalstaat ausgerichtet und versucht dessen Interessen zu sichern. Was passiert aber, wenn die Menschheit vor Herausforderungen steht, die nicht an den Grenzen des Nationalstaates haltmachen?
Kirchen können eine ganz bestimmte Perspektive einbringen. Christinnen und
Christen wissen sich verbunden, weit über Staatsgrenzen hinaus. Wir haben Schwestern und Brüder auf der ganzen Welt. Durch diese Verbundenheit wird klar: klimagerechtes Handeln ist nicht nur eine Zukunftsfrage für nachfolgende Generationen. In vielen Kontexten ist es bereits heute eine existenzielle Frage des Überlebens.Wir erlebten das im vergangenen Jahr, als hunderttausende Menschen am Horn von Afrika ihre Dörfer wegen einer ungewöhnlich langen Dürreperiode verlassen mussten. Das Flüchtlingslager in Dadaab, das vom Lutherischen Weltbund verwaltet wird, steht für die Auswirkungen des Klimawandels, der – gepaart mit Krieg und Gewalt und abwesenden staatlichen Strukturen – zu einem massiven Flüchtlingsdrama geführt hat. Aber auch Menschen in Ländern wie Bangladesch und Nicaragua sind immer häufiger von Überflutungen und schlimmen Stürmen betroffen.
Kirchen fragen, was den Menschen wesentlich ausmacht. Der Klimawandel ist eine Konsequenz menschlichen Freiheitsstrebens. Seit der Industrialisierung konnten einige Länder ihre Möglichkeiten erweitern und ihren Lebensstandard erhöhen. Dazu brauchte es aber einen so gewaltigen Ausstoß von Kohlendioxid, dass sich das Klima veränderte. Als Lösung reicht nicht, das Heizungthermostat etwas niedriger zu drehen. Die Frage lautet: Sind wir bereit unsere Freiheit anders zu verstehen? Sind wir frei, auch wenn Wirtschaftswachstum nicht
erste Priorität ist?
Wir brauchen eine Idee von Freiheit, die Solidarität immer schon mitdenkt. Das ist Martin Luthers Freiheitsverständnis: Christen sind frei, indem sie sich solidarisch mit anderen zeigen. Freiheit ist damit in ihrem Bezug auf den Nächsten und wie immer deutlicher wird: auf Gottes Schöpfung zu verstehen und zu verantworten.
Diese Freiheitsidee müssen wir in Zeiten des Klimawandels neu buchstabieren. Wir sind frei, um solidarische Beziehungen mit den Menschen auszudrücken, die unter dem Klimawandel leiden, obwohl sie fernab von Industrialisierung nichts dazu beigetragen haben. Und wir können Freiheit neu entdecken, um solidarisch zu sein mit dem Planeten, den wir als Gottes Schöpfung bekennen.

Martin Junge ist seit 2010 Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Genf.

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Die Frage nach dem Klimaschutz ist eine Herausforderung, die sich in jedem Bereich des Lebens stellt: persönlich, bei der Arbeit, in der Freizeit - und eben auch in der Kirchengemeinde. Das Beispiel auf dieser Seite - eines von vielen in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers - zeigt, wie zukunftsorientiert das Engagement einer Kirchengemeinde sein kann. Am Sonntag werden Kirchenvorstände in Niedersachsen gewählt - auch dies kann eine Frage sein: Wie haltet Ihr es mit dem Klmaschutz: Wer am Sonntag wählen geht, kann auch auf diese Frage an seinem Wohnort Einfluss nehmen.

Alles Wissenswerte zur Wahl

Praktische Hilfe und Beratung

in allen Fragen des Klimaschutzes gibt es bei den Fachleuten im Haus kirchlicher Dienste in Hannover. Dort finden Interessierte die Information zur Aktion „Grüner Hahn“ und über das „Klimaschutzkonzept der Landeskirche“.

Mehr über diese Themen: Wir für Sie - Die Welt um uns