2012_03_10

Bild: suze / photocase.com

Post an den Osterhasen

Tagesthema 09. März 2012

Kinder schreiben seit 30 Jahren an den Osterhasen

Osterpostamt 1
Hans Hermann Dunker (73) leitet seit zwölf Jahren das Osterpostamt in Ostereistedt bei Bremen Bild: Kay Michalak/fotoetage/epd-Bild

Kinder aus aller Welt schreiben seit 30 Jahren Briefe an den Osterhasen, der „Hanni Hase“ heißt und im niedersächsischen Ostereistedt bei Bremen lebt. Mit dieser Adresse hat die Deutsche Post 1982 im Zuge ihrer Werbeaktion „Schreib' mal wieder“ Deutschlands einziges Osterpostamt eingerichtet. „Anfangs kamen 70 bis 80 Briefe, vergangenes Jahre waren es knapp 36.000“, bilanzierte am Donnerstag zum Auftakt der Jubiläumssaison der pensionierte Postbeamte Herbert Fitschen (81), der von Anbeginn dabei ist.

Neben Briefen von kleinen und großen Kindern aus Deutschland erreichten Ostereistedt Sendungen aus dem europäischen Ausland genauso wie aus den USA, aus Japan, China und Australien. Geleitet wird das Osterpostamt seit zwölf Jahren von Hans-Hermann Dunker (73), der mit einem Team von Helfern alle eintreffenden Briefe öffnet und verziert mit einem Sonderstempel per Vordruck beantwortet. „Wir haben schon 1.000 Briefe bekommen“, freute sich Dunker. Darunter ist auch ein bunt bemaltes Schreiben der sechsjährigen Lena, die den Osterhasen neugierig fragt: „Wohnst Du weit weg vom Christkind?“

Osterpostamt 2
Kinder aus aller Welt schreiben seit 30 Jahren Briefe an den Osterhasen, der "Hanni Hase" heißt und im niedersächsischen Ostereistedt bei Bremen lebt Bild: Kay Michalak/fotoetage/epd-Bild

Damit rechtzeitig zum Osterfest geantwortet werden kann, sollten die Briefe an Hanni Hase spätestens Ende März im Postkasten sein. „Und bitte den Absender nicht vergessen“, sagte Dunker, der selbst dem Osterfest entgegenfiebert. „Jetzt im Frühling, wenn die Natur wieder erwacht, beginnt für mich das Jahr erst so richtig.“

Oft liegen den Briefen an Meister Lampe Wunschzettel bei. „Wünsche gab es schon immer“, erinnerte sich der „Mann der ersten Stunde“, Herbert Fitschen. „Aber mit der Zeit wurden sie immer größer.“ Heute seien die Wünsche ähnlich umfangreich wie zu Weihnachten, registrierte Dunker. Darunter seien Fahrräder, Spielkonsolen und sogar lebende Pferde. Gar nicht selten wird der Osterhase aber auch selbst beschenkt - mit bunten Bildern, Schokolade und kleinen Gedichten, die in Briefen und Päckchen stecken.

Con Dieter Sell (epd)

Die Internetseite von Hanni Hase

Kinder aus aller Welt senden Hanni Hase seit 30 Jahren bunt geschmückte Wunschzettel

Osterpostamt 5
Mit der Adresse von "hanni Hase" hat die Deutsche Post 1982 im Zuge ihrer Werbeaktion "Schreib' mal wieder" Deutschlands einziges Osterpostamt eingerichtet. Bild: Kay Michalak/fotoetage/epd-Bild

Der Osterhase lebt wirklich - und er hat eine Adresse. Im niedersächsischen Ostereistedt bei Bremen wohnt er, heißt Hanni Hase und wartet seit 30 Jahren in den Wochen vor Ostern auf Post von Kindern aus aller Welt. In Deutschlands einzigem Osterpostamt beantworten seine Helfer um den pensionierten Postbeamten Hans-Hermann Dunker die Briefe und Karten, die waschkörbeweise eintreffen. Am Donnerstag haben sie ihre Arbeit im Jubiläumsjahr aufgenommen.

Vergangenes Jahr waren es knapp 36.000 Briefe von Kindern, die sich eine Antwort aus der Pfote des Osterhasen wünschen. „Anfangs kamen 70 bis 80 Briefe“, erinnert sich Dunkers Kollege Herbert Fitschen (81), der von Anbeginn dabei ist. Dieses Jahr sind in Ostereistedt bereits 1.000 Sendungen eingetroffen. Dunker fühlt sich überaus wohl im Dienst von Meister Langohr: „Als Chef ist er friedlich und nett, nur kann er nicht selbst schreiben. Das haben wir für ihn übernommen.“ Der Pensionär ist aber nicht nur ein Fan seines Vorgesetzten, er liebt auch das nahende Fest von kleinauf. „Früher hab' ich dem Osterhasen ein Nest mit Dach gebaut“, erinnert sich der heute 73-Jährige. Sein Glück war perfekt, wenn er dann am Ostermorgen bunte Dragée-Eier und süße Schokolade fand.

Osterpostamt 7
Anfangs kamen 70 bis 80 Briefe in Deutschlands einziges Osterpostamt, 2011 waren es knapp 36.000. Bild: Kay Michalak/fotoetage/epd-Bild

Oft sind es ganze Schulklassen und Kindergartengruppen, die Hanni Hase schreiben. Ihre Briefe und Postkarten sind meist fantasievoll geschmückt, bunte Hasen und fröhlich-leuchtende Ostereier hoppeln und kullern munter über das Papier. Schon jetzt ist auch Post aus China eingetroffen, das 2012 das «Jahr des Hasen» feiert.

Manchmal steckt sogar Süßes in Päckchen, die den Sekretär des Osterhasen erreichen - eine Anfechtung für Schokoliebhaber Dunker. „Da muss ich mich kräftig zurückhalten - ich werde schon vom Angucken dick“, bedauert er.
 

Von Dieter Sell (epd)

Die Adresse des Osterpostamtes

Osterpostamt ohne

Hanni Hase
Am Waldrand 12

27404 Ostereistedt

Der Osterhase

Der Osterhase ist ein Element des Brauchtums im Volk und insbesondere im familiären Leben. Vorgestellt wird ein Hase, der zu Ostern Eier bemalt und im Garten versteckt. Die Ostereier werden am Morgen des Ostersonntags von den Kindern gesucht.

Schon früh hat sich insbesondere in der Kunst eine enge Verbindung mit dem christlichen Osterfest, dem fest der Auferstehung, heraus gebildet. Der Kirchenvater Ambrosius deutet den Hasen als Auferstehungssymbol.  Die sich in der volkstuümlichen Überlieferung ausbreitende christliche Hasensymbolik fand ab dem Mittelalter in vielen Bildwerken ihren eigenen kulturellen Ausdruck. Unklar bleibt jedosch die Verbindung des Hasen mit dem österlichen Eierbrauch, auch wenn die sprichwörtliche Fruchtbarkeit der Hasen für sich allein eine enge Verbindung zum Frühling hat.

Das Motiv des Osterhasen hat sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in der populären Kultur um Ostern herum auch durch die kommerzielle Verwendung ausgebreitet und frühere Überbringer des Ostereies weithin verdrängt.

Bis Ostern ist es noch hin

7wo_logo
Logo 7 Wochen ohne

Der OSterzeit voraus geht die Passionszeit, die in der Karwoche ihren Abschluss findet. In der Passionszeit und insbesondere in der Karwoche erinnern sich die Christen an den Leidensweg Jesu. Die sieben Wochen zwischen dem Aschermittwoch und der Karfreitag werden von vielen Christen als Fastenzeit begangen. Besonders die Aktion "Sieben-Wochen-Ohne" hat in der evangelischen Kirche viele Anhänger gefunden, die sich in der Fastenzeit einem besonderen Thema zuwenden.

Zur Fastenaktion "7-Wochen-Ohne"