2012_03_03

Bild: stalker88 / photocase.com

Aus den Regionen

Tagesthema 02. März 2012

Zwischen Weser und Elbe: Als „Brummer“ aus Chor geflogen

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„Ich singe Dir mit Herz und Mund“ stimmte der Chor aus Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kirchenmusiker-Konvents Lüchow-Dannenberg an. Landessuperintendent Dieter Rathing, links hinter Kreiskantor Axel Fischer an der Truhenorgel, vervollständigte den Chor. Bild: Hartmut Merten.

Über ein „mittelprächtiges“ Akkordeon-Spiel ist Landessuperintendent Dieter Rathing nach eigenem Bekunden musikalisch nicht hinausgekommen. In der vierten Schulklasse sei er gar aus dem Chor geflogen wegen „Brummens“.

Für den Lüneburger Regionalbischof ein prägendes Erlebnis. So habe er bis zum Vikariat „keinen Ton mehr gesungen“, erst nach einigen Nachhilfestunden durch professionelle Kirchenmusiker wieder Vertrauen in die eigene Stimme gewonnen. „ Jetzt singe ich leidlich.“ Dennoch oder gerade deshalb lobt Rathing die Kunst in den höchsten Tönen. „Ich glaube, nichts Menschengemachtes kann Gott besser die Ehre geben“, sagt Rathing über die Bedeutung der Kirchenmusik.

Wohl dienten auch die Worte einer Predigt oder etwa die Kirchenarchitektur diesem Zweck, so der leidenschaftliche Kanzelredner bescheiden. „Aber bei der Musik kommt noch hinzu, dass sie uns in ihrem Vollzug mit hineinnehmen kann in das Gotteslob, ohne dass wir dabei reflektieren müssen.“ Musik sei ein natürlicher Herzschlag des Glaubens und eine unverzichtbare Sprache für die Sache mit Gott, hat Rathing erfahren. Dabei gehe der Liedgesang über das rational Verstehbare hinaus: „Wir singen mehr, als wir glauben.“ Für das „Jahr der Kirchenmusik“ hat sich der Landessuperintendent vorgenommen, in den nächsten Monaten mit möglichst vielen Kirchenmusikern ins Gespräch kommen und die Arbeit der Chöre in den zwölf Kirchenkreisen seines Sprengels näher kennenlernen, vor allem den Dienst der Musikanten würdigen.

Den Auftakt der „Sprengelbereisung“ bildete jetzt ein Treffen mit rund 20 Kirchenmusikern des Kirchenkreises Lüchow-Dannenberg. „Der Kirchenkreis soll in seiner Gesamtheit zum Singen und Klingen gebracht werden“, heißt eine Vision des Konzepts, das der Ausschuss für Kirchenmusik kürzlich vorgelegt hat.

Dazu gehörten das Orgelspiel zu Gottesdiensten und in Konzerten ebenso wie die Musik der Kantoreien und Posaunenchöre. Für jede Kirchengemeinde soll es neben dem Organistendienst
mindestens eine kirchenmusikalische Gruppe geben, skizziert das Papier die Grundausstattung.

Um die Chorarbeit zu fördern, will der Kirchenkreis möglichst einen aus Fördermitteln der Landeskirche finanzierten „Singwart“ anstellen. Auch ein Kreisposaunenwart für die Generationen übergreifende Bläserarbeit sowie ein Kulturmanager sind Teil der kirchenmusikalischen Vision im Wendland. Der nebenamtliche Kirchenmusiker einer kleinen Gemeinde nahm die Notiz zum Anlass, um nach Mitteln zur Finanzierung einer Chorleiterstelle zu fragen. „Überzeugen Sie den Kirchenvorstand von Ihrer Idee und suchen Sie Verbündete“, machte Kreiskantor Axel Fischer dem Fragesteller Mut. Kirchenmusikdirektor Joachim Vogelsänger verwies auf die Verbindlichkeit des Konzepts. Im Kirchenkreis sei deutlich geworden, was die Gemeinden an ihrer Kirchenmusik haben.

Dazu gehört vor allem die Musik im Gottesdienst, waren sich die Teilnehmer mit dem Landessuperintendenten einig. Um Fragen beispielsweise zu Spieltechniken und Registrierungsmöglichkeiten zu bearbeiten, bot Kreiskantor Axel Fischer den Kirchenmusikern eine Art „Organisten-Check“ an – eine Stunde kostenlosen Orgelunterricht.

Der Gewinnung von Nachwuchs dient ein für den 8. Juni geplanter „Schnuppertag an der Orgel“. Zur Unterstützung der Ausbildung vergebe der Sprengel auf Antrag ein Orgelstipendium.
Dieter Rathing ermutigte die Kirchenmusiker angesichts der in manchen Chören zu beklagenden Überalterung zur Zusammenarbeit mit Schulen. Die Ganztagsschule eröffne Möglichkeiten der Einbeziehung von Schülern in die kirchenmusikalische Arbeit der Gemeinden.

Der Landessuperintendent warb zudem für Kirchenlieder als Thema des Gottesdienstes, auch eine Liedpredigt könne dazu gehören. „Fordern Sie Ihren Pastor oder Ihre Pastorin“, sagte Dieter Rathing.

Zu den weiteren insgesamt rund 20 Stationen der Besuchsreise des Landessuperintendenten im Jahr der Kirchenmusik gehören Kirchenkreis-Chortreffen, Posaunenfeste und zunächst am 22. April in St. Marien Uelzen ein Gottesdienst im Rahmen des Projekts „GospelTalk“.

Von Hartmut Merten (Evangelische Zeitung)

An der Weser: Laser-Show und Ritter

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Die Lasershow zum Abschluss des Abends zauberte spektakuläre Bilder in das 1200 Jahre alte Münster. Die Begeisterung dürfte über den Abendsegen hinaus gegangen sein. Bild: privat

Mit ihrem Familienabend düftten die 40 Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Münster- und Marktkirchenjugend in die Geschichte ihrer Kirche eingehen. Ihre Jugendfirma „Dinner & More“ hatte im Rahmen der 1200-Jahr-Feierlichkeiten zu einem Erlebnisabend für Jung und Alt eingeladen.

Zunächst ging es mit dem Nachtwächter Klaus-Dieter Lorenz und Diakon Carsten Overdick ins Gründungsjahr 812. Die Stifter, Graf Bernhard und Gräfin Christina, erzählten von ihrem Glauben und der Hoffnung, dass ihre Kirche Heil und Segen den Menschen am Weserufer bringen sollte. Der Zeichentrickfilm „Vielleicht“ einer Projektgruppe des Viktoria-Luise-Gymnasiums nahm diesen Gedanken auf und zeigte eindrücklich die ersten Skizzen der Kirche im Wesersand.

Für den Wiederaufbau legen die Besucher selbst Hand an
„Feuer, die Kirche brennt!“ schrie plötzlich der Diakon und erinnerte so an den Kirchenbrand um 1209. Dazu tanzten die Jugendlichen einen Feuertanz.

Die Kirche musste wieder aufgebaut werden. Nun konnten die Besucher selbst aktiv werden und ihre handwerklichen Fähigkeiten im Südschiff zeigen. Beim Drechsler in der Holzwerkstatt, beim Sattler und Lederer, beim Töpfer, beim Kerzenzieher sowie in der Spinnstube sollten die Besucher in die Lehre gehen und mitmachen.

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Die jungen Gemeindeglieder von Münster und Marktkirche haben sich mit ihrem Familienabend in die Geschichte ihrer Kirchen gespielt. Bild: privat

Zu einer abenteuerlichen Kirchenerkundung luden die Glöckner, der Nachtwächter und der Abt des alten Klosters ein. Die Kinder bestaunten in der Sakristei das historische goldene Abendmahlsgeschirr des Münsters. Und im Südportal legten auch die Eltern ihre Ritterprüfung ab. Nach getaner Arbeit luden die jugendlichen Laienspieler die Besucher zur großen und sehr appetitlichen Abendbrotstafel im Nordschiff ein.

Das kostspielige Schauspiel im ehrwürdigen Münster, das die Sparkasse Weserbergland finanziert hatte, wurde mit einer spektakulären Licht- und Lasershow fortgesetzt, bevor sich die 250 Besucher in der Krypta zum Abendsegen versammelten.
Eine 90-jährige Besucherin sprach den Jugendlichen das größte Lob aus: „Ihr habt vom Bildungsbürger bis hin zum Kindergartenkind alle begeistert und verzaubert und so gezeigt, dass Kirche Spaß macht.“
 

Evangelische Zeitung

Aus dem Harz

Eine Karte des Glaubens

Eine neue Internetpräsenz zeigt erstmals alle verlässlich geöffneten Kirchen im Harz. Mit dem Projekt werde der Harz als kirchlicher Kulturraum grenz- und konfessionsübergreifend in den Blick genommen, sagten Vertreter der beteiligten evangelischen und katholischen Kirchen in Goslar. Bereits in den vergangenen drei Jahren seien Karten sowie ein Buch über die Harzkirchen erschienen. Die Internetpräsenz sei der nächste Schritt einer engen Zusammenarbeit.
Auf einer interaktiven Karte werden 120 Kirchen durch Kreuze dargestellt. Durch Anklicken eines Kreuzes erfahre ein Nutzer Näheres zu Konfessions-, Propstei- oder Bistumszugehörigkeit sowie Öffnungszeiten der Kirche. Die Internetpräsenz sei kein Kunst- oder Kulturführer, betonte der Superintendent des Kirchenkreises Herzberg, Volkmar Keil. Sie soll für Interessierte aber Informationen über weiterführende Links einfacher zugänglich machen.
In einem nächsten Schritt könnte die Karte noch weiter verbessert werden, und weitere Möglichkeiten zur Information der Gäste könnten folgen. „Dazu müssen wir allerdings erst Rückmeldungen erhalten und uns dann intern auf Veränderungen und Verbesserungen verständigen“, sagt Keil. „Zunächst sind wir froh, den Service der Karte anbieten zu können.“
Zur Arbeitsgemeinschaft der Harzkirchen gehören die evangelischen Kirchenkreise Ballenstedt, Clausthal-Zellerfeld, Eisleben-Sömmeroda, Halberstadt, Herzberg, Osterode und Südharz. Dazu kommen die drei Propsteien der braunschweigischen Landeskirche Goslar, Bad Harzburg und Seesen sowie die katholischen Bistümer Erfurt, Hildesheim und Magdeburg. Sie verbinden die drei Bundesländer Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie neben den drei Bistümern die vier evangelischen Landeskirchen von Anhalt, Braunschweig, Hannover und Mitteldeutschland.

Von Björn Schlüter (Evangelische Zeitung)

Kirchen im Harz

1200 Jahre Münster zu Hameln

Das Münster in der Rattenfängerstadt an der Weser feiert im Jahr 2012 sein 1200jähriges Bestehen. Viele Aktionen und Termine stehen deshalb an, um die Kirche, die zu den ältesten Kirchen Niedersachsens gehört, zu feiern.

Zur Eröffnung des Jubiläumsjahres „Licht am Fluss“

Gute Nachrichten für den Norden

evangelische Zeitung

Die Evangelische Zeitung ist das wöchentliche Sonntagsblatt für die Landeskirchen Braunschweig, Hannover und Oldenburg. Ihr Schwerpunkt ist die regionale Berichterstattung. Die Evangelische Zeitung hält ihre Leserinnen und Leser auf dem Laufenden, wenn es um Fragen des Glaubens, der Gemeindearbeit oder um die Entwicklung der Kirche geht. Sie bietet das Forum für offene und faire Auseinandersetzung bei kontroversen Themen. Jede Ausgabe erscheint 52 mal im Jahr – pünktlich zu jedem Wochenende.

Jede Woche bietet die Evangelische Zeitung je eine Doppelseite aus den Regionen Niedersachsens: „Zwischen Weser und Ems“, „Zwischen Elbe und Weser“ und „Zwischen Weser und Harz“. Dazu je nach Ausgabe eine Seite aus den Landeskirchen Hannovers, Braunschweigs oder Oldenburgs und eine Doppelseite mit größeren Reportagen aus den Landeskirchen in Niedersachsen.

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