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Akademiedirektor Dr. Stefan Schaede Bild: Jens Schulze

Themenvielfalt in der Akademie

Tagesthema 03. Februar 2012

Akademie Loccum beleuchtet Jugendarbeit und Umweltschutz

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Im großen Hörsaal der Akademie. Bild: Jens Schulze

Die traditionsreiche Evangelische Akademie Loccum bei Nienburg beschäftigt sich im ersten Halbjahr 2012 vor allem mit den Themen Umwelt und Jugend. Eine Tagung Anfang Juni widmet sich laut Programmheft der europaweiten Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle. Mitte Juni geht es um den Klima- und Umweltschutz aus der Perspektive der Muslime und um den Konflikt zwischen Tierschutz und Massentierhaltung. Das Programm beginnt an diesem Wochenende mit einer Tagung über Denken, Lernen und Fühlen aus Sicht der Neurowissenschaften.

Anfang Mai geht eine Tagung der Frage nach, wie benachteiligte Jugendliche besser gefördert werden können. Mitte Juni steht der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht behinderter Schüler im Mittelpunkt, der in Niedersachsen in Zukunft gesetzlich garantiert ist. Anfang März beleuchtet die Akademie die Ziele der Jugendarbeit von Staat und Verbänden angesichts knapper Kassen. Mitte März werden neue Wege im deutsch-polnischen Jugendaustausch diskutiert.

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Akademiedirektor Stefan Schaede Bild: Jens Schulze

Insgesamt veranstaltet die Akademie bis Mitte Juli 35 Tagungen. Geplant sind wieder mehrere Veranstaltungen für Schüler, Kinder und Jugendliche. Mitte März nimmt die Akademie auch die aktuellen Bleiberechtsregelungen für Flüchtlinge unter die Lupe.

Die Loccumer Akademie ist eine Einrichtung der hannoverschen Landeskirche Hannovers. Sie wurde 1946 unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Mitverantwortung der evangelischen Kirche in Hermannsburg bei Celle ins Leben gerufen. 1952 zog sie nach Loccum zwischen Weser und Steinhuder Meer um.

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Evangelische Akademie Loccum: Vielfältig, anregend, gründlich

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Bild: Jens Schulze

Zum Frühjahrsprogramm 2012 schreibt die Akademie:

Wohin entwickelt sich Europa? Welche Jugendarbeit brauchen Kinder und Jugendliche? Welche Regelungen brauchen wir für eine artgerechte, ökologische und ökonomisch vertretbare Tierhaltung? Wie können Ehren- und Hauptamtliche in den kirchlichen Gemeinden ihren Dienst mit Kompetenz gestalten, statt in Konkurrenz zu erstarren?

Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Evangelische Akademie Loccum in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Mit ihren Tagungen greift die Akademie aktuelle Fragestellungen auf, behandelt sie aber grundlegend und weist damit über die Tagespolitik hinaus. Bildungs- und Jugendpolitik, Sozial- und Umweltpolitik, Theologie sowie interkulturelle, kulturpolitische und internationale Themen haben ihren festen Platz im Programm.

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Landesbischof Hanns Lilje, 1958, Bild: Landeskirchliches Archiv

Eine Tagung Anfang Juni widmet sich der europaweiten Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle. Mitte Juni geht es um den Klima- und Umweltschutz aus der Perspektive der Muslime und um den Konflikt zwischen Tierschutz und Massentierhaltung. Anfang Mai geht eine Tagung der Frage nach, wie benachteiligte Jugendliche besser gefördert werden können. Mitte Juni steht der gemeinsame Unterricht behinderter und nicht behinderter Schüler im Mittelpunkt, der in Niedersachsen in Zukunft gesetzlich garantiert ist. Anfang März beleuchtet die Akademie die Ziele der Jugendarbeit von Staat und Verbänden angesichts knapper Kassen. Mitte März werden neue Wege im deutsch-polnischen Jugendaustausch diskutiert. Mitte März nimmt die Akademie auch die aktuellen Bleiberechtsregelungen für Flüchtlinge unter die Lupe. Tagungen für Schüler, Kinder und Jugendliche ergänzen das Programm.

Insgesamt bietet die Akademie im ersten Halbjahr 2012 35 Tagungen an, zu denen jeder und jede willkommen ist. Über das Programm kann man sich unter www.loccum.de stets aktuell informieren.

Die Evangelische Akademie Loccum ist eine Einrichtung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und der Mitschuld der Evangelischen Kirche an der Katastrophe wurde sie 1946 in Hermannsburg vom damaligen Landesbischof Hanns Lilje ins Leben gerufen.

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Bild: Jens Schulze

Seit 1952 wirkt die Akademie in Loccum. In Vis-à-vis zum 850 Jahre alten Zisterzienserkloaters verbindet die Akademie das Geistliche mit dem Weltlichen. Sie lädt Menschen zu ihren Veranstaltungen nach Loccum ein, um in der Gesellschaft zur verantwortlichen Planung zukünftiger Entwicklungen mit beizutragen. Sie bietet Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche die Möglichkeit am Leben, Denken und Handeln der Kirche teilzunehmen. Die Architektur ist Programm. Im Akademiegesetz heißt es dazu: „Die Akademie hat die Aufgabe, der Verkündigung der Kirche in der Konfrontation moderner Weltprobleme mit dem Evangelium zu dienen, in der Gesellschaft zur verantwortlichen Planung zukünftiger Entwicklungen beizutragen, den Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche Möglichkeiten zur Beteiligung am Leben, Denken und Handeln der Kirche zu bieten, der Kirche in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit zu helfen, neue Ordnungen und Wirkungsweisen zu finden.“

Diesen Auftrag erfüllt die Akademie durch öffentliche Tagungen, Kolloquien, Symposien und Seminare, zu denen sie offen einlädt. Ihre Veranstaltungen richten sich auf die Bearbeitung grundsätzlicher, aktueller und zukünftiger Fragestellungen und Konflikte aus Politik und Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt, Religion und Ethik im nationalen wie globalen Kontext.

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Bild: Jens Schulze

Ein Kollegium aus zwölf Studienleiterinnen und Studienleitern, die jeweils Experten ihres Faches sind, verantwortet die inhaltliche und organisatorische Tagungsarbeit. In Kooperation mit den Akteuren der entsprechenden Handlungsfelder gestalten die Studienleiter ihre Tagungsgprogramme interdisziplinär. Ein ehrenamtlicher Konvent aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens steht der Studienleitung beratend zur Seite und setzt sich für die Belange der Akademie ein.

Die Evangelische Akademie Loccum führt etwa 80 Veranstaltungen im Jahr durch. Das thematische Spektrum ihrer Tagungen entwickelt sie in den Arbeitsbereichen der Studienleitung aus der Reflexion dessen, was im öffentlichen Diskurs Geltung beansprucht oder gewinnt. Das thematische Spektrum umfasst:

  • Kirche und Gesellschaft, Religion und Theologie, interkultureller und interreligiöser Dialog, Spiritualität und Meditation,
  • Staat und Gesellschaft, Friedenssicherung und zivile Konfliktbearbeitung, Internationale Beziehungen, Rechtspolitik, Migration und Intergration,
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik, Gesundheitspolitik, internationale Wirtschaftsbeziehungen, Arbeitsmarktpolitik,
  • Jugendpolitik und -forschung, Erziehung, Kinder- und Jugendbildung, Ausbildung, Schul- und Hochschulwesen, Dialog der Generationen,
  • Wissenschaft und Gesellschaft, Ökologie und Umweltpolitik, Forschung, Ethik und Recht,
  • Kunst und Musik, Literatur und Theater, Kulturpolitik, Medien und Kommunikation.

Evangelische Akademie Loccum (Reinhard Behnisch)

Stichwort: Evangelische Akademie Loccum

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Außenansicht der Akademie Loccum Bild: Jens Schulze

Die Evangelische Akademie Loccum wurde am 1. August 1946 als «Corvinus-Akademie» in Hermannsburg in der Lüneburger Heide gegründet. Grundidee war, dass die Kirche den Wiederaufbau des öffentlichen Lebens nach dem Krieg zu unterstützen und die geistigen Grundlagen einer neuen Gesellschaft zu vermitteln habe. Treibende Kraft war der damalige Oberkirchenrat und spätere Landesbischof Hanns Lilje (1899-1977). 1952 zog die Einrichtung in den 3.200-Einwohner-Ort Loccum bei Nienburg um, der wegen seines Zisterzienerklosters ein Zentrum kirchlichen Lebens war und ist.

In den Folgejahren spielte die Akademie nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle als geschützter Ort für Streitgespräche und als
Vermittlerin in Konflikten und gab Anstöße für die politische Kultur. Ihre Ausstrahlung reicht weit über die nationalen Grenzen hinaus. Unter den 16 Evangelischen Akademien in Deutschland gehört Loccum zu den größten und ältesten.

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Akademie Loccum. Bild: Jens Schulze

Heute verfügt die Einrichtung über 140 Zimmer mit 160 Betten. Rund 6.000 Teilnehmer treffen sich jährlich bei rund 100 Tagungen zu politischen, gesellschaftlichen und religiösen Themen. Dabei sollen Glauben und Ethik, Religion und Gesellschaft, Kirche und Welt in Beziehung zueinander gesetzt werden, um Lösungsperspektiven für bedrängende Probleme zu gewinnen. Das Programm wird derzeit von zwölf Studienleitern verantwortet.

In den ersten Jahren standen Tagungen zu Flüchtlingsfragen, zur
Gefangenenrückkehr und zum Dialog zwischen Unternehmen und
Gewerkschaftlern im Mittelpunkt. Heute reicht das Themenspektrum von Fragen der Armut bis zum Dialog der Religionen, von der Medizinethik bis zur politischen Philosophie, von Erziehung und Bildung bis zu Kunst und Musik, dazu Themen des Strafrechts, der Umwelt und der Außenpolitik.

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Landesbischof Hanns Lilje
über die Akademie

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Landesbischof Johannes (Hanns) Lilje, um 1947, Bild: Landeskirchliches Archiv

„Die Evangelischen Akademie Loccum ist eine Investition der Landeskirche in die demokratische Kultur.“

Dieses Wort Hanns Liljes aus der Gründungszeit der Akademie hat auch heute noch Bestand.

 

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