2012_02_03

Bild: claudiarndt / photocase.com

Traditionsreicher kirchlicher Beruf: Diakon / Diakonin

Tagesthema 02. Februar 2012

Diakone wünschen sich größere Anerkennung
Die Einsegnung ist ihnen wichtig

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In der Jugendbildungsstätte Asel/Ostfriesland verbringen junge Menschen ihr Freiwilliges Soziales Jahr. In diesem „Kloster auf Zeit“ werden christliche Werte bewusst gelebt - auch dafür baucht es Diakone. Bild: Jens Schulze

Diakone wünschen sich eine Einsegnung, auch wenn sie nicht im Gemeindedienst arbeiten. Sie würden gern auch ein Master-Studienangebot in Hannover anwählen können, eventuell auch ihren Doktortitel machen. Und es sollte eine Aufstiegsmöglichkeit in den Pastorenberuf geben. Schließlich sollte die Kirche die Chance der meist doppelt qualifizierten Diakone – als Sozial- und Religionspädagogen – nutzen, indem sie etwa Stellen in pflegerischen Berufen zum Teil mitfinanziert.

Eine Reihe von Wünschen und Anregungen nahm Landesbischof Ralf Meister mit aus einer Diskussion an der Hochschule Hannover, Fakultät V, an der künftige Diakone, Sozialarbeiter und Religionspädagogen ausgebildet werden. Es ging um die „Zukunft der Kirche“, die, so hatte es Dekan Dieter Weber formuliert, von der „Vielfalt der Berufe“ geprägt sein müsse.

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Wietzendorf/Niedersachsen: Diakon Bernd Knobloch betreut als Campingplatzseelsorger die Urlauber im „Südseecamp“, einem Campingplatz in der Lüneburger Heide. Bild: Jens Schulze

Sind Diakone „kleine Pastoren“, wie sie einst Paulus beschrieb? Diese Funktion hatte zu Beginn des halbtägigen Symposiums die Bibelwissenschaftlerin Gudrun Guttenberger vorgestellt. Ihre sozialwissenschaftliche Kollegin Nicole Piroth räumte den Diakonen neben den Pastoren auch eine „Schlüsselfunktion“ ein: „Das sind die, die die Kirche offen halten.“ Und Ralf Hoburg betonte die Doppelqualifikation. Allein im hannoverschen Stephansstift gebe es 70 derart ausgebildete Diakone, die nur als Sozialarbeiter eingesetzt würden, sagte der Religionspädagogik-Professor. Dabei mangele es auch in diakonischen Einrichtungen in weiten Teilen der Mitarbeiterschaft an religiösem Wissen. Hoburg empfahl der Kirche, hier ihr Interesse an der Verbreitung des Evangeliums zu formulieren und den religionspädagogischen Anteil der Stellen zumindest zeitweise mit zu finanzieren. „Das wäre geistlich Gewinn bringend.“

Bischof Meister erklärte in seinem Eingangsreferat, die Vielfalt kirchlicher Berufe sei sehr wichtig, wenn auch mit geänderten Rollenbildern. Er kenne etwa aus Berlin-Neukölln das „Teampfarramt“, in dem Haupt- und Ehrenamtliche verschiedenster Berufe gemeinsam die Verantwortung in der Gemeinde trügen. Die Verantwortung der religiösen Kommunikation des Evangeliums dürfte nicht allein den „Verkündigungsberufen“ Pfarrer, Kirchenmusiker und Diakon überlassen bleiben. Und auch die Sakramentsverwaltung müsse kein Tabu sein. Die kirchliche Antwort auf die gesellschaftliche Zersplitterung müsse Netzwerkarbeit sein.

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Wietzendorf/Niedersachsen: Diakon Bernd Knobloch in Aktion mit Urlaubern im auf dem Campingplatz. Bild: Jens Schulze

Das gab Anette Noller, Diakoniewissenschaftlerin der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, die Chance, auf die Qualitäten von Diakonen hinzuweisen: „Sie sind Spezialisten im Ausgleichen von Ungleichheiten.“ Ihre Berufsgruppe werde allerdings nicht angemessen wahrgenommen. Sie empfahl den Diakonen, „öffentlich erkennbar zu sein“, etwa in Gottesdiensten mit Albe zu erscheinen und bei der Austeilung des Abendmahls mitzuwirken. „Wo ist die Dienstgemeinschaft geblieben?“, fragte Nollers hannoversche Kollegin Christiane Burbach. Sie verwies darauf, dass Diakone zahlreiche preisgekrönte Gemeindeprojekte entwickelt und Großveranstaltungen organisiert hätten, gleichwohl aber zum „Einsparpotenzial“ degradiert würden. Das entmutige den Nachwuchs, der aber „braucht das Signal, erwünscht zu sein und gebraucht zu werden.“

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Manfred Buesing, Diakon aus Sarstedt bei Hannover, bot auf dem Stuttgarter Kirchentag „Meditativen Tanz zum Mitmachen“ an. Bild: Jens Schulze

Aus der abschließenden Diskussion nahm Bischof Meister deutliche Anfragen und Anregungen mit. Zum Beispiel den Widerspruch auf seine Bemerkung, es gebe in der Kirche kein (biblisch begründetes) hierarchisches Berufsverständnis. Hoburg gab die Erfahrung der Diakone weiter: „Es gibt keine Partizipation, es wird von oben durchregiert.“ Noller sprach von einer „Ungleichbehandlung“ und verwies etwa auf die Verbeamtung der Pastoren. Dies, so sagte Meister, müsse in der Zukunft auch nicht unbedingt der Regelfall sein. Auch „andere Zugänge zum Pfarrberuf“ (Hoburg) seien auf der Agenda, sagte Meister. Auch für den Wunsch nach einem Berufscoaching für ältere Diakone zeigte der Bischof Verständnis, ebenso wie für die erbetene generelle Einsegung von Diakonen, also auch in säkularen Umfeldern wie zum Beispiel beim Einsatz in Schulen oder Jugendeinrichtungen. Der Wunsch nach einer eigenen akademischen Qualifikation durch ein Angebot an der Hochschule Hannover (religionspädagogischer Master-Studiengang, Doktor) kam bei Bischof Meister auch gut an, „das sagt aber noch nichts über die Realisierungschancen.“ Immerhin sehe er als eine seiner wichtigsten Aufgaben (nach Abschluss der Kirchenkreisbereisungen) die Entwicklung der kirchlichen Berufsgruppen. „Da haben Sie mir heute einen schönen Pass zugespielt“, dankte der Bischof den einladenden Diakonen-Studierenden und ihren Professoren.
 

Von Michael Eberstein (Evangelische Zeitung)

Die Wahl der ersten Diakone
erzählt Lukas in der Apostelgeschichte

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Apostelgeschichte 6,1-7

Mehr Informationen zum Beruf der Diakonin und des Diakons

Beim Kirchentag 2007 machen Besucherinnen und Besucher am Stand für Diakoninnen und Diakone mit.
Ein Beruf, in dessen Mittelpunkt Menschen stehen und eine Kirche, die sich bewegt. Bild: Haus kirchlicher Dienste (HkD)

Der Beruf des Diakons bzw. der Diakonin ist schon früh und urchristlich erwähnt (siehe oben). Ein spannendes Portrait urgemeindlichen Lebens zeichnet die Apostelgeschichte im Neuen Testament. Hier wurde die Nächstenliebe, als soziales und diakonisches Handeln, der Kirche grundgelegt und ist noch heute für den Beruf der Diakoninnen und Diakone wichtig. Wer damals aus Nächstenliebe Hungrige sättigte, Anwalt für Witwen, Flüchtlinge und Arme war, wer Kinder und Kranke versorgte, studiert heute einen für die Landeskirche Hannovers bedeutsamen und kreativen Beruf.

Hier finden Sie auch Informationen über Wege, diesen Beruf zu erlangen.

Informationen zum Beruf der Diakonin und des Diakons