2011_12_30

 Bild: Jens Schulze

2012 wird eingeläutet

Tagesthema 29. Dezember 2011

Per Seilzug und Computer
Zehntausende Kirchenglocken läuten das neue Jahr ein

Zu Silvester läuten in ganz Deutschland zehntausende Kirchenglocken das neue Jahr ein. Manchmal übertönen sie sogar das Feuerwerk. Fast überall gehört ihr voller Klang fest zu den Bräuchen des Jahreswechsels.

Mit der Hand und Körperkraft

Glocken 1

Mit dem Blick auf die Armbanduhr vergewissert sich Sieghard Karfeld ein letztes Mal, bevor er um Mitternacht zum Seil greift. An der Kapelle in Bokel bei Gifhorn setzt der 63-Jährige mit kräftigem Ziehen zu Silvester alljährlich die Bronzeglocke in Bewegung. Zwei seiner Freunde sorgen ebenfalls mit Körperkraft dafür, dass das Geläut auf dem Friedhof nebenan mit einstimmt. Eine „Läutegilde“ bringt in dem kleinen Dorf regelmäßig die Glocken zum Tönen.

„Eine elektronische Anlage wollen wir nicht“, sagt der ehemalige Kirchenvorsteher. „Das Läuten fördert die Dorfgemeinschaft.“ In ganz Deutschland erschallen zum Jahreswechsel die Kirchenglocken - meist nicht mehr per Hand betrieben wie in Bokel, sondern durch Computer gesteuert. Allein in Niedersachsen schlagen auf den Türmen der evangelischen und katholischen Kirchen mehr als 8.000 an.

Weltlicher Grund zum Läuten

Glocken 3
Im niedersächsischen Bokel setzt der 63-Jährige Sieghard Karfeld mit kräftigem Ziehen zu Silvester alljährlich die Bronzeglocke in Bewegung. Bild: Philipp Schulze (epd-Bild)

„Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die kirchlichen Läuteordnungen einen weltlichen Brauch einbeziehen“, sagt der Glockensachverständige der hannoverschen Landeskirche, Andreas Philipp: „Ein bisschen klingt dabei das Vertreiben dunkler Mächte mit, so wie auch beim Feuerwerk.“

Mehr als zehn Tonnen Bronze schwingen Philipp zufolge, wenn die große Glocke der evangelischen Marktkirche in Hannover ertönt. Die größte Glocke Niedersachsens erschallt mit einem tiefen Klang im Geläut mit zehn weiteren über der Landeshauptstadt.

Sogar zwölf Glocken schwingen im Braunschweiger Dom. Wie laut sie sich unter die Silvester-Knallerei mischen, hängt aber nicht allein von Größe und Anzahl ab, sagt der Experte. „Es kommt auch drauf an, wie hoch der Turm ist, und ob er offen ist.“

Der Computer steuert das Läuten

Glocken 4
Die größte Kirchenglocke Niedersachsens wiegt mehr als zehn Tonnen und erschallt zum Jahreswechsel im Geläut mit zehn anderen über der Landeshauptstadt. Bild: Jens Schulze

Bis zu 80 oder 90 Dezibel und damit etwa so laut wie Telefonklingeln oder ein Lastwagen könne ein volles Geläut für einen Hörer am Boden erreichen, schätzt Philipp. „Normalerweise darf man nachts nicht ohne weiteres läuten, nur aus liturgischen Gründen wie in der Osternacht oder zur Christmette“, sagt der Sachverständige. „Silvester beschwert sich aber keiner.“

Neben dem fröhlichen Aufbruch ins neue Jahr klingt für den früheren Lüneburger evangelischen Superintendenten Christoph Wiesenfeldt auch Wehmut über die Vergänglichkeit mit, besonders wenn tiefe Töne angeschlagen werden. Wiesenfeldt erforscht die Geschichte der Glocken seiner Region. Die ältesten wie die Burgglocke von St. Michaelis in Lüneburg wurden schon im zwölften Jahrhundert aus der Form gehoben - vermutlich in Werkstätten von Klöstern.

Über das Läuten in der Silvesternacht sei in der Literatur kaum etwas zu finden, sagt der Theologe. „Ich bin mir nicht sicher, ob das immer schon gemacht wurde.“ So erwähne etwa die Läuteordnung von 1858 der Lüneburger St. Johanniskirche den Brauch noch nicht. Erst 1915 ist er mit aufgenommen.

In der Marktkirche Hannover sorgt ein Computer dafür, dass genau um Mitternacht das nächtliche Schlagen beginnt. „Das wird über die Funkuhr in Braunschweig gesteuert“, sagt Küster Johann Wagner. Doch trotz der Technik kann es Pannen geben, weiß Philipp. „Es ist schon passiert, dass eine Schaltuhr falsch eingestellt war.“ Die Glocken waren auf null Uhr am 31. Dezember und nicht am 1. Januar programmiert. „Dann läutet es überraschend eine Nacht früher.“

Karen Miether (epd)

Die Glocke

Mit Glocke wird im Allgemeinen ein selbsttönendes Musikinstrument (genauer Aufschlagidiophon) bezeichnet mit charakteristischer Hauben- oder Kelchform (nach unten offene Halbkugel, die sich zunächst konkav und dann konvex gewölbt nach unten erweitert). Eine Glocke ist meist ein Rotationskörper, das heißt, sie besitzt Rotationssymmetrie um ihre Mittelachse. Die Glocke wirkt so als der Schwingungsträger der Läuteanlage, zu der noch die Läutemaschine und der Glockenstuhl gehören. Die gesamte Läuteanlage befindet sich in der Glockenstube.

Die häufigste Verwendung ist die als Kirchenglocke. Auch öffentliche Gebäude wie Rathäuser und Schulen haben oder hatten vornehmlich als Uhrglocken oder Alarmglocken genutzte Glocken. Dazu kommen Glocken der Mahnung und des Gedenkens.

aus Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Glocke)