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Bild: bellaluna / photocase.com

Die ersten Nadeln fallen

Tagesthema 26. Dezember 2011

Feuerlöscher und Kehrbesen in der Nähe

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Bild: Jens Schulze

Noch stehen sie in den Weihnachtsstuben der Familien: Die Tannenbäume: mal bis zur Decke, mal klein auf einem Tischchen stehend. Zum Heiligen Abend wurden sie aufgestellt und geschmückt: Mit farbigten Glaskugeln und Strohsternen, mit silbernen Engeln und historischen Kugeln, mit Wachskerzen und elektronischer Beleuchtung - von jedem, der den Baum schmückte nach eigenem Geschmack oder familiärer Tradition.

Am Heiligen Abend standen sie dann hell erleuchtet im Wohnzimmer und schenkten dem familiären Weihnachtsfest die heimelige Stimmung. Bei vorsichtigen Wachskerzen-Benutzern stand der Feuerlöscher in greifbarer Nähe und in den kommenden Tagen wird der Kehrbesen immer wieder gebraucht, den langsam lassen die Bäume nun ihre Nadeln fallen.

Weihnachtsbäume haben Tradition

Weihnachtsbaum
Bild: Jens Schulze

Tannenbäume schmücken bereits seit Jahrhunderten an Weihnachten Kirchen und Wohnungen. Das erste Schriftstück über den Verkauf eines solchen Baumes stammt aus dem Jahr 1521 und ist in dem französischen Städtchen Selestat belegt. Ein urkundlicher Beleg aus dem Jahre 1539 zeigt einen Weihnachtsbaum, aufgestellt im Straßburger Münster.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts war es dann überall im Elsass Brauch, im Wohnzimmer zu den Weihnachtsfeierlichkeiten einen Baum aufzustellen. Der Brauch, die düstere Winterzeit mit Zweigen des immergrünen Baums als Symbol für neues Leben zu schmücken, dürfte aber noch älter sein. Der erste kerzengeschmückte Tannenbaum ist überliefert aus dem Jahr 1611 im schlesischen Schloss der Herzogin Dorothea Sybille. 1730 erhielten die Christbäume auch andernorts Kerzen aus Wachs.

Weihnachtsbaum
Bild: Jens Schulze

Die Lichterbäume tauchten zunächst vor allem in den Wohnstuben evangelischer Familien auf, auch als konfessionelles Gegensymbol zur eher katholischen Weihnachtskrippe. Die katholische Kirche protestierte zunächst gegen die Aufstellung von Weihnachtsbäumen. Sie sah in den Krippen ein genügend aussagekräftiges Symbol für das Fest.

Mehr als drei Viertel aller Deutschen verbinden laut einer Umfrage Weihnachten vor allem einen Tannenbaum (78 Prozent). Geschenke und „Zeit für die Familie“ liegen auch auf den vorderen Plätze. Die Geburt Jesu ist dagegen nur für 41 Prozent wichtig. Gut 27 Millionen Weihnachtsbäume - Nordmanntannen, Rotfichten, Blau- und Edeltannen - schmücken alleine in Deutschland die Wohnungen.

Weihnachtsbaum
Bild: Jens Schulze

Bei evangelischen Familien wird der Christbaum traditionell zum Epiphaniasfest am 6. Januar abgeschmückt und entfernt, in katholischen Familien bleibt er oft bis zum Fest der Darstellung des Herrn (Lichtmess, 2. Februar), was früher das Ende der Weihnachtszeit signalisierte.

Ausgediente Christbäume werden teilweise gesammelt und zu Ostern als Osterfeuer verbrannt. Sofern Weihnachtsbäume noch nicht ausgetrocknet sind, können sie auch Elefanten und anderen Tieren im Zirkus oder Zoo als Nahrung dienen.

epd / Red

O Tannenbaum

Weihnachtsbaum
Bild: Jens Schulze

„O Tannenbaum“ geht auf den Text des von Melchior Franck verfassten schlesischen Volksliedes „Ach Tannenbaum“ aus dem 16. Jahrhundert zurück. In einem von Georg Büchmann veröffentlichten Lied war bereits zwischen 1550 und 1580 die folgende Strophe enthalten:

O Tanne, du bist ein edler Zweig,
Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit
Wenn alle Bäume dürre sein
So grünest du, edles Tannenbäumelein 

Joachim August Zarnack (1777–1827) schrieb in Anlehnung an dieses Lied 1819 „O Tannenbaum“ als Liebeslied, in dem der immergrüne Tannenbaum als Gegensatz zu einer untreuen Geliebten benutzt wird. Dort heißt es in der zweiten Strophe „O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte”. Sie ist heute noch im „Allgemeinen Deutschen Kommersbuch“ zu finden.

Zum Weihnachtslied wurde es erst, nachdem der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz (1780–1861) 1824 die heute bekannten Verse zwei und drei hinzufügte. So ist in allen Strophen nur noch vom Baum die Rede.

Die Melodie ist eine seit dem 16. Jahrhundert bekannte Volksweise, die unter anderem als „Es lebe hoch der Zimmermannsgeselle“ schon vor 1799 gesungen wurde und ebenfalls als Studentenlied „Lauriger Horatius“ populär war.

Zur Melodie des Liedes existieren auch in vielen anderen Sprachen Weihnachtsliedfassungen in Anlehnung an „O Tannenbaum“.

Die Melodie - der Text

O Tannenbaum, o Tannenbaum
Wie treu sind deine Blätter
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit
Nein auch im Winter wenn es schneit
O Tannenbaum, o Tannenbaum
Wie treu sind deine Blätter

O Tannenbaum, o Tannenbaum
Du kannst mir sehr gefallen
Wie oft hat nicht zur Weihnachtszeit
Ein Baum von dir mich hoch erfreut
O Tannenbaum, o Tannenbaum
Du kannst mir sehr gefallen

O Tannenbaum, o Tannenbaum
Dein Kleid will mich was lehren
Die Hoffnung und Beständigkeit
Gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit
O Tannenbaum, o Tannenbaum
Dein Kleid will mich was lehren