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Bild: pixx / photocase.com

Maria, die Mutter Jesu

Tagesthema 23. Dezember 2011
Bethlehem_Geburtskirche
Bethlehem, Geburtskirche, Ausschnitt aus der Eingangstür

Maria wird als jung verlobte Frau geschildert. Sie wird nach dem Evangelium von Lukas von dem Engel Gabriel besucht. Dieser kündigt ihr an, dass sie, ohne zuvor mit ihrem Verlobten Josef zusammenzukommen, den von Israel erwarteten Messias und Gottessohn zur Welt bringen wird (siehe Verkündigung des Herrn). Im Matthäusevangelium liegt der Schwerpunkt der Darstellung auf der Sicht ihres Verlobten Josef. Das Lukasevangelium berichtet anschließend, dass Maria und Josef nach Bethlehem gewandert sind, veranlasst durch die Volkszählung. "Dort gebar sie ihren ersten Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe." Sie hatten in Bethlehem nur Unterkunft in einem Stall gefunden.

Hirten kamen, um den Neugeborenen zu begrüßen. Engel hatten sie darauf aufmerksam gemacht, dass in Bethlehem der Heiland geboren sei. Nachdem beim Evangelisten Lukas von diesen Ärmsten der Armen, von den Outlaws die Rede war, erzählt Matthäus von weisen Männern aus dem Morgenland und weil sie Geschenke mitbrachten, galten sie als wohlsituiert. Später wurde aus den weisen Männern in der Legende Könige.

Marias Demut und Furcht, ihr Glaube sowie ihre vertrauensvolle Zustimmung, mit der sie sich dem fügt, was der Engel ihr sagt. Im Lobgesang, den sie später anstimmt, lobt sie Gott dafür, dass er ihre persönliche Welt und die gesamte Welt verändert.

Die Namen von Marias angeblichen Eltern, Anna und Joachim, sind nicht in der Bibel, sondern nur in apokryphen Schriften wie zum Beispiel dem Protevangelium des Jakobus überliefert.

Bei verschiedenen Geschichten in den Evangelien wird Maria immer wieder erwähnt: Bei der Darstellung im Tempel kündigt Simeon ihr das Leiden um und mit ihrem Sohn an. Als Jesus zwölf Jahre alt ist, beginnt Maria zu lernen, dass ihr Sohn sich immer selbstständiger wird. So bleibt er nach einem Fest im Tempel, anstatt den Heimweg mit seinen Eltern anzutreten, die ihn suchen. Dies setzt sich fort, während des weiteren öffentlichen Wirkens des Sohnes, wo Jesus aus seiner Ursprungsfamilie ausbricht und eine Jüngerschaft gründet, die familienähnliche Züge hat..

Das Johannesevangelium erwähnt die Mutter Jesu nur bei der Hochzeit zu Kana, ohne sie beim Namen zu nennen

Als einziges Evangelium stellt das Johannesevangelium Jesu Mutter als Zeugin der Kreuzigung dar: „Siehe, dein Sohn – siehe, deine Mutter“. Schließlich wird Maria in der Apostelgeschichte als eine der Frauen erwähnt, die mit den Jüngern betend auf die Sendung des heiligen Geistes wartet.

Landesbischof Meister:
Maria ist spirituelle Identifikationsfigur

 

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister beobachtet in der evangelischen Kirche eine Hinwendung zu Maria, der Mutter Jesu. "Maria ist eine bedeutende spirituelle Identifikationsfigur", sagte der evangelische Theologe der "Welt am Sonntag" in einem Interview zu Weihnachten.

"Sicher war der evangelische Zugang zu ihr lange Zeit verstellt, weil Maria von der katholischen Lehre in die Rolle der Fürsprecherin gedrängt wurde", sagte Meister. Auch seien im 19. und 20. Jahrhundert bibelferne Dogmen über sie aufgestellt worden. "Mittlerweile aber erlebe ich in der evangelischen Kirche eine große Bereitschaft, in Maria die Frau zu sehen, die eine exklusive Beziehung zu Gott hat, weil sie von der Geburt bis zum Kreuz in intimer Nähe zu Jesus steht", erläuterte der hannoversche Landesbischof.

Auch äußerte Meister Bewunderung für die biblische Gestalt Josef. Er sei "ein wunderbarer Mann, weil er trotz nachvollziehbarer Zweifel die unehelich schwangere Maria heiratet". Er akzeptiere seine "soziale Vaterschaft" auf eine Art, die ihn geradezu zum Leitbild der Väter in heutigen Familienmodellen mache.
 

epd - das Interview wurde vorab zur Verfügung gestellt

Der Lobgesang der Maria

Meine Seele erhebt den Herrn,
und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes;
denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan,
der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht zu Geschlecht
bei denen, die ihn fürchten.

Er übt Gewalt mit seinem Arm
und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
Er stößt die Gewaltigen vom Thron
und erhebt die Niedrigen.
Die Hungrigen füllt er mit Gütern
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er gedenkt der Barmherzigkeit
und hilft seinem Diener Israel auf,
wie er geredet hat zu unsern Vätern,
Abraham und seinen Kindern in Ewigkeit.
 

Lukasevangelium 1,46-55