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 Bild: Hindemitt / photocase.com

Kein Raum in der Herberge

Tagesthema 20. Dezember 2011

Die Weihnachtskrippe

1930 Thüringen
Thüringen um 1930. Bild: Cordula Paul

Die Krippe verbindet die Bilderwelt der Adventszeit mit dem Dreikönigsfest. Bereits im Frühchristentum wurde das Jesuskind in einer Futterkrippe mit Ochs und Esel dargestellt. Im Mittelalter kamen Maria und noch später Josef als Figur hinzu. Die drei Weisen hingegen wurden als Mosaik bereits um 500 abgebildet.

Der heilige Franz von Assisi wird oftmals als „Vater der Krippe“ angesehen, errichtete er doch 1223 anlässlich seiner Weihnachtspredigt in einer Waldhöhle eine Futterkrippe mit Esel und Ochsen, aber ohne die Heilige Familie. Die erste namentlich erwähnte Krippe dagegen stellt die 1562 von Jesuiten in Prag errichtete Weihnachtsaufstellung dar. Danach verbreitete sich das Aufstellen von Weihnachtskrippen von Italien ausgehend sehr rasch in den Kirchen Europas; das Zeitalter des Barock (1575 bis 1770) gilt als ihre Blütezeit. Die Reformation unterbrach lange Zeit die kontinuierliche Weiterentwicklung der Weihnachtskrippe. Im 18. Jahrhundert dagegen erfreute sich die Krippe wieder großer Beliebtheit in der ganzen Bevölkerung, so dass regelrechte „Krippen-Manufakturen“ entstanden; insbesondere in Schlesien, Böhmen und Mähren lebten ganze Landstriche vom Schnitzen der Figuren.

Unter der Herrschaft der österreichischen Kaiserin Maria Theresia und ihres Sohnes Joseph II. wurden diese Darstellungen im Zuge der Aufklärung (spätes 18. Jahrhundert) durch Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, vor allem aus Kirchen, verbannt. Ein ähnliches Verbot galt 1784 für das Fürstbistum Salzburg.

Diese Ereignisse führten dazu, dass die Weihnachtskrippen nunmehr in den Privatbereich der Menschen Einzug hielten. Auch nachdem diese Verbote aufgehoben wurden, blieb die Krippe als Weihnachtssymbol in den Privathäusern bei Arm und Reich erhalten. Obwohl im 19. Jahrhundert der Christbaum allgemeine Verbreitung fand, standen Krippen doch weiterhin im Mittelpunkt vieler familiärer Weihnachtsfeiern.

Von Stroh bis Kunststoff

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Krippe aus Ghana, Bild: Cordula Paul

Inzwischen ist der Brauch der Weihnachtskrippe überall auf der Welt, wo Christen leben, verbreitet. In allen erdenklichen künstlerischen Stilrichtungen und Materialien werden die Krippen dargestellt, darunter in Pappmaché, Glas oder Stein. Weitere Materialien sind Stroh, Ton, Metall, Kunststoff und sogar Eis oder Schnee. Die Neapolitanischen Krippen aus dem Barock sind die berühmtesten -ihre charakterstarken Köpfe erinnern an die Masken der italienischen Commedia dell´arte. Die Geburt Christi wird dort oft in äußerst aufwendige und detailreiche Straßen- und Marktszenen eingebettet, wobei die Geburtsszene nicht selten in den Hintergrund gedrängt wird. In der Alpenregion finden wir viele aus Holz und Wurzeln geschnitzte Darstellungen, die das meist arme bäuerliche Umfeld widerspiegeln. Aber auch anderswo werden Krippen im Charakter der Landschaft oder im örtlichen Milieu (z.B. in Kölner Kirchen) dargestellt.

Durch die Mission der christlichen Kirchen gelangte die Weihnachtskrippe in alle Welt, wobei sich die verschiedensten Traditionen und Rituale gefestigt haben: Indios als Krippenfiguren samt Lamas und Alpakas blicken uns aus  südamerikanischen Krippen entgegen und vermitteln das für den Kontinent typische Lebensgefühl. In Japan bringen statt der drei Könige Samurais die
Geschenke für das Jesuskind mit, und bei den Ureinwohnern Alaskas trägt
das Kind in der Krippe einen Pelzanzug.Aus edlen Hölzern wie Ebenholz sind viele Weihnachtskrippen in Afrika geschnitzt. Die Heilige Familie trägt dabei afrikanische Gesichtszüge, was von großer kultureller Eigenständigkeit zeugt. Als Krippentiere finden sich häufig Elefanten, Zebras, Wasserbüffel und Kamele wieder.

Alle diese Weihnachtskrippen fallen unter den Begriff der „heimatlichen
Krippen“, da sie die landestypische Umgebung, in der sie aufgestellt werden, wiedergeben sowie von den heimischen Traditionen und Trachten beeinflusst sind. Unter „orientalischen Krippen“ versteht man die Darstellung in Bethlehem zur Zeit der Jesusgeburt in einem ärmlichen Stall mit Futterkrippe und der Heiligen Familie in einfachen Gewändern. Nur die drei Weisen sind prunkvoller
dargestellt.

Eine Spezialität unter den Krippen stellen die Krakauer Weihnachtskrippen dar, die seit 1937 alljährlich am ersten Donnerstag im Dezember zur Schau gestellt wer Konstruktionen aus Holz und Pappe sind mit bunter Aluminiumfolie beklebt und stellen meist die gotische Marienkirche in Krakau dar. 

Bedeutung der Figuren

Krakauer Krippe
Krakauer Krippe. Bild: Cordula Paul

Bei uns wird die Weihnachtskrippe meist erst wenige Tage vor Heiligabend
aufgestellt. In früheren Zeiten wurde dies bereits am Anfang der Adventszeit gemacht und nach und nach kamen die weiteren Figuren dazu, bis schließlich am 24. Dezember das Christkind in die Krippe gelegt wurde. Erst am Ende der Weihnachtszeit wurden die Krippen dann abgebaut, und zwar zu „Mariä Lichtmess“ am 02. Februar. Heute bleiben die Weihnachtskrippen in der Regel nur bis zum Dreikönigstag (6. Januar) stehen. Für die Darstellung der Geburtsszene in Bethlehem sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, sodass viele verschiedene Figuren hier ihren Platz finden können. Die meisten Weihnachtskrippen stellen jedoch ungefähr die gleichen Figuren dar: Fehlen darf  uf keinen Fall das Jesuskind. Maria als Jesu Mutter wird statt als einfache junge  rau oftmals als thronende Madonna mit ihrem Kind auf dem Arm dargestellt. Josef, der „gesetzliche“ Vater des Christkindes, erscheint meist als alter Mann, um die Jungfräulichkeit von Maria zu betonen. Ochse und Esel werden zwar in der biblischen Weihnachtsgeschichte nicht erwähnt, haben aber dennoch eine biblische Begründung in Jesaja 1,3: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt´s nicht, und mein Volk vernimmt´s nicht.“

In der frühchristlichen Literatur wurden die beiden Tiere als Sinnbilder
der beiden Teile der christlichen Kirche gedeutet, der Ochse als „reines“ Tier stand für die Juden (Volk Gottes) und der Esel als „unreines“ Tier für die Heiden (alle anderen Völker). Hirten und Schafe, nicht selten auch mit Hütehund, sind fast in jeder Krippe vorhanden. Sie symbolisieren das einfache Volk, dem die frohe Botschaft der Geburt als erstes überbracht wurde. Weil Hirten Herden bewachen, symbolisieren sie Wachsamkeit. Zusätzlich stehen sie für Offenheit und symbolisieren den Aufbruch nach Bethlehem in ein neues Leben.

Die Überbringer der frohen Botschaft, die Verkündigungsengel, werden vielfach mit Gloria-Spruchband in den Händen gezeigt. Auch die drei Weisen oder Könige aus dem Morgenland sind in den meisten Krippendarstellungen vertreten, wie sie dem Christkind ihre guten Gaben wie Gold, Weihrauch und Myrrhe reichen. Ob diese Personen tatsächlich Caspar, Melchior und Balthasar geheißen haben, das bleibt dahingestellt. Die Bibel nennt keine Namen und auch nicht die genaue Anzahl der Personen. Auch von Königen ist nicht die Rede, nur von Weisen. Darunter können wir im ursprünglichen Sinne eine persische Priesterkaste verstehen oder die Deutung als Berater eines Königs, als Astronom oder Magier.Die Weisen symbolisieren zudem die damals bekannten Erdteile Afrika, Asien und Europa.

Haley und der Stern von Bethlehem

Polen
Polnische Krippe von Jan Staszak. Bild: Cordula Paul

Über den Weihnachtskrippen befindet sich häufig der Stern von Bethlehem,
der von der Ankunft des Jesuskindes zeugt und als Komet dargestellt wird. Der Astronom Johannes Kepler (1571 bis 1630) beobachtete in den Jahren 1604 und 1605 eine sehr seltene Verbindung von Jupiter und Saturn, die sich auch im Jahr 7 vor Christus dreimal gezeigt hat: Beide Planeten standen direkt nebeneinander im Sternzeichen der Fische. Da Saturn als Planet der Juden galt, Jupiter aber als Herrscher- und Glücksplanet, wurde dies so gedeutet, dass in Judäa ein neuer Herrscher auftritt.

Doch kann der Stern auch lediglich als Sinnbild für die alttestamentliche
Verheißung: „Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen“ stehen. Bei dem Aufleuchten des Sterns zur Geburt handelt es sich womöglich um den lichtstarken Halleyschen Kometen (benannt nach der Entdeckung durch Edmond Halley im Jahr 1705), der bereits seit 240 Jahren vor Christi Geburt mindestens 25-mal gesichtet wurde. Der italienische Maler Giotto di Bondone hat den Kometen, den er 1301 sah, als Stern von Bethlehem gedeutet und ihn in seinem Fresko „Anbetung der Könige“ verewigt.

Renate Krüger-Behrens (Roter Reiher, Hauszeitung für das Landeskirchenamt Hannover)

Weihnachtsgottesdienste

weihnachtsgottesdienste

Wer an den Weihnachtstagen nach Orten und Zeiten von Gottesdiensten, Christmetten und Krippenspielen sucht, erhält auch in diesem Jahr unter www.weihnachtsgottesdienste.de Auskunft, dem Online-Suchdienst der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland.

Die Datenbank enthält Gottesdienstorte und -zeiten von Heiligabend bis zum 6. Januar. Seit Wochen haben zahlreiche katholische Pfarrgemeinden und evangelische Kirchengemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet ihre Gottesdienste und Veranstaltungen in eine Datenbank eingetragen. „Vergangenes Jahr waren auf www.weihnachtsgottesdienste.de mehr als 40.000 Gottesdienste zu den Weihnachtstagen abrufbar – dieses Jahr werden es voraussichtlich noch mehr sein", sagt der evangelische Projektkoordinator Ralf Peter Reimann. „Fotos der Kirchen und eine geografische Lokalisierung über eine Karte helfen bei der Suche nach dem gewünschten Gottesdienst.“ Außerdem gibt es die Möglichkeit, Besonderheiten wie etwa die behindertengerechte Ausstattung der Kirche abzufragen oder nach Gottesdiensten in Fremdsprachen zu suchen. Das Portal ist auch für Nutzer von internetfähigem Handy geeignet. Im kommenden Jahr soll das Angebot zu einem ganzjährigen Gottesdienstkalender ausgebaut werden.

„Die Weihnachtstage sind für viele Menschen Anlass zu reisen, zu Verwandten oder in den Urlaub. Über www.weihnachtsgottesdienste.de kann man sich schnell über die Gottesdienstangebote am Reiseziel informieren“, sagt Gunda Ostermann, die den Online-Suchdienst für die katholische Kirche betreut. „Auch für Daheimgebliebene ist dieser Service hilfreich. Denn gerade die Weihnachtszeit lädt dazu ein, einen Gottesdienst zu besuchen.“

Zu weihnachtsgottesdienste.de

Weihnachtsstuben
und offene Treffs

Der Heiligabend ist besonders für einsame, arme, wohnungslose und zuweilen auch für alte Menschen eine schwere Zeit. An vielen Stellen organisieren deshalb Haupt- und Ehrenamtliche aus Kirchen, Vereinen und Initiativen in Niedersachsen Angebote gegen die Einsamkeit. So öffnen sich in Hannover am Heiligabend zwölf „Weihnachtsstuben“ mit Liedern, Gedichten, Gebäck, einer Andacht und zum Teil kleinen Geschenken. Dazu erwartet der Stadtkirchenverband rund 400 Gäste.

In der Göttinger Stadthalle startet schon am Nachmittag ein „Offener Heiligabend“ der örtlichen Initiative „Keiner soll einsam sein“. In Lüneburg laden mehrere Kirchengemeinden an drei Tagen zu einem festlichen Abend und zum Kirchencafé ein. Dabei feiern die katholischen Christen im Gemeindehaus „Heiligabend am Kamin“. Am zweiten Weihnachtstag öffnet das „Christcafé“ in der Kontakt- und Beratungsstelle „Wendepunkt“.

In Osnabrück verbringt der katholische Bischof Franz-Josef Bode den Heiligabend traditionell mit wohnungslosen und alleinstehenden Gästen. Angebote gibt es in der kirchlichen „Wärmestube“, in einem ehemaligen Franziskanerkloster und im „Laurentiushaus“, einer Einrichtung des Sozialdienstes Katholischer Männer.

Ähnlich ist es in Oldenburg: Ab 18 Uhr stehen dort im „Forum St. Peter“ in der Georgstraße die Türen offen. Unter dem Motto „Alleine gemeinsam feiern“ gibt es Musik, Weihnachtsliedersingen, Geschichten, ein Abendessen und ebenfalls kleine Geschenke.

epd

Weihnachtstelefon für Einsame

NDR 1 Weihnachtstelefon am 24. Dezember 2011 - 30 Ehrenamtliche verschenken Zeit an einsame Menschen

Für viele Menschen ist Heiligabend leider nicht nur eine „stille Nacht“, sondern auch eine „einsame Nacht“. Für diese Menschen gibt es das „NDR 1 Weihnachtstelefon“, einen besonderen Service der beiden großen Kirchen und des Norddeutschen Rundfunks: Evangelische und katholische Christen haben an Heiligabend ein offenes Ohr für Menschen, die sich allein fühlen und die gern mit jemandem sprechen möchten.

Das „NDR 1 Weihnachtstelefon“ ist am 24. Dezember zwischen 18 und 22 Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 0 8000 - 60 70 80 erreichbar. Mehr als 30 Ehrenamtliche, darunter katholische Ordensleute, evangelische Pastorinnen und Pastoren, Lebensberater und ehrenamtliche Seelsorgerinnen, sind per Telefon erreichbar.

Bereits zum 23. Mal bieten die Evangelische und die Katholische Kirche die Aktion an. Im vergangenen Jahr wurde Heiligabend mehr als tausend Mal die Telefonnummer gewählt. Mehr als 50 Stunden wurde insgesamt telefoniert, rund 250 ausführliche Seelsorgegespräche geführt. Viele der Anrufenden waren alleinstehend, fühlten sich vergessen oder abgelehnt. Häufig wurde auch von familiären Problemen berichtet.

„Viele vermissen gerade in den Weihnachtstagen einen verstorbenen Angehörigen, erzählen vom Streit in der Familie oder leiden unter Krankheiten und Depressionen“, berichtet Andreas Brauns vom katholischen Rundfunkreferat. Für den evangelischen Radiopastor Jan von Lingen ist darum das Gesprächsangebot sehr wichtig: „Wir können am Telefon keine Probleme lösen, aber viele freuen sich, wenn einfach jemand zuhört – gerade am Heiligen Abend.“

„Gerade an Heiligabend wollen wir niemanden alleine lassen“ sagt Eckhart Pohl, Hörfunkchef von NDR 1 Niedersachsen. Daher weisen die NDR Landesprogramme in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig Holstein auf diesen besonderen Service hin und übernehmen die Telefonkosten.