2011_12_20

Bild: Wiebke Dockhorn

Tochter Zion - zur Geburt Jesu

Tagesthema 17. Dezember 2011

„»Tochter Zion, freue dich!« sangen die Chorknaben, und sie, die eben noch da draußen so hörbare Allotria getrieben, daß der Senator sich einen Augenblick an die Tür hatte stellen müssen, um ihnen Respekt einzuflößen, -- sie sangen nun ganz wunderschön. Diese hellen Stimmen, die sich, getragen von den tieferen Organen, rein, jubelnd und lobpreisend aufschwangen, zogen aller Herzen mit sich empor, ließen das Lächeln der alten Jungfern milder werden und machten, daß die alten Leute in sich hineinsahen und ihr Leben überdachten, während die, welche mitten im Leben standen, ein Weilchen ihrer Sorgen vergaßen.“

In jener Zeit, in der nach dem Roman von Thomas Mann der Knabenchor in Lübeck dieses Lied angestimmt und damit bei „Buddenbrocks“ das Weihnachtsfest eingeläutet hat, wurde „Tochter Zion“ zum Bestandteil des bürgerlichen Weihnachtsfestes.

Zitat aus: Thomas Mann „Buddenbrocks“, S. Fischer Verlag, Berlin

Das Lied gehört ins Repertoire englischer patriotischer Gesänge und darf deshalb sogar in der Last Night of the Proms nicht fehlen. Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876) hat dafür Chorsätze aus Georg Friedrich Händels Oratorien „Judas Maccabäus“ (HWV 63) und „Joshua“ (HWV XX) umgetextet. Ursprünglich englischsprachig wird in „Joshua“ ein „conqu´ring hero“ (Komposition von 1747) und im vier Jahre späteren Oratorium „Judas Maccabäus“ der jüdische Freiheitskämpfer Judas Makkabäus gepriesen, der eine Allegorie auf William Augustus, Duke of Cumberland, und dessen siegreiche Schlacht über schottische Freiheitskämpfer in der Schlacht von Culloden (1746) ist.

Zwischen dem vierstimmigen Chorsatz von Händel und dem Lied von Ranke bestehen einige wenige Unterschiede. Als der evangelische Theologe Friedrich Heinrich Ranke dem Satz von Händel einen Text nach Sacharja 9,9 in der Lutherfassung unterlegte, entstand das Adventslied „Tochter Zion, freue dich“ in seiner jetzigen Form (um 1820 in Erlangen). Er fügte zwei weitere Strophen hinzu.

Die angeredete „Tochter Zion“ ist eine allegorische Person. Sie ist die personifizierte Stadt Jerusalem. Der Liedtext bleibt ganz nah am Sacharja-Vers: „Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ (Sacharja 9,9; Luther 1984) Im Kirchenjahr gehört das Lied in die Adventswochen. Am ersten Sonntag im Advent wird in der evangelischen Kirche der Einzug Jesu in Jerusalem (Matthäus 21,1-9) als Evangelium gelesen: „Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9):  ‘Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.’“

Die Anrede „Friedefürst“ stammt dabei aus Jesaja 9,5f – „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“ ‑ bekannt aus den Lesungen zu Heiligabend - im Jahr 2012 Predigttext in der Christvesper. Zion, Stadt Jerusalem, Braut und Tochter zugleich, freut sich also auf die Ankunft des Herrn. Ähnlich ist es in dem Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147) verarbeitet. Dort heißt es in der zweiten Strophe:

„Zion hört die Wächter singen,
Das Herz tut ihr vor Freuden springen,
Sie wachet und steht eilend auf.“

Auch in der Alt-Arie „Bereite Dich Zion“ im ersten Teil von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium wird dieses Thema behandelt:

„Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben,
Den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!
Deine Wangen – Müssen heut viel schöner prangen,
Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben!“

Anne Gideon (Pastorin im Gottesdienstinstitut Nordelbien, Hamburg)
Der Text ist in einer längeren Fassung erschienen in ggg 19

Gottesklang - das Jahr der Kirchenmusik 2012

Gemeindegesang und Kirchenmusik sind seit der Reformation ein Kennzeichen der reformatorischen Kirchen. Deshalb hat die EKD für das Jahr 2012 das Themenjahr der Reformationsdekade unter den Schwerpunkt „Reformation und Musik“ gestellt. In den evangelischen Kirchen Hannovers und in Westfalen steht es unter dem Motto „Gottesklang“. Egal, ob vielstimmig gesungen, mit Instrumenten musiziert oder gejazzt. Was auch immer kirchenmusikalisch aufgeführt wird, geschieht einzig zum Lobe Gottes: „soli deo gloria“.

gesammelte Informationen zum Jahr der Kirchenmusik

366 + 1 - das klingende Band

Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2012 greift das Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) das Themenjahr der Lutherdekade auf. Im Jahr „Reformation und Musik“ finden insgesamt 367 Konzerte und Musikgottesdienste ihren Lauf durch Deutschland. Eine Besonderheit der Konzertreihe im Rahmen des Schaltjahres 2012 ist das Konzert „+1“, das in der Osternacht erklingt und die christliche Osterbotschaft in die Welt trägt. Am Ostersonntag, dem 8. April 2012, finden deshalb zwei Veranstaltungen des Projektes statt, ansonsten an jedem Tag des Jahres eine.

Informationen zum klingenden Band

Begleitbuch zum klingenden Band: ggg 19

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Cover

Ein klingendes Band schickt die EKD im Jahr der Kirchenmusik durch Deutsch- land: An 366 Tagen und in der Osternacht finden an verschiedenen Orten unter- schiedlichste Konzerte unter der Überschrift "366+1" statt. Das Buch zu den Liedern erscheint Mitte Dezember in der Reihe "gemeinsam gottesdienst gestalten" ggg im Lutherischen Verlagshaus.

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