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 Bild: designritter / photocase.com

Krippenspiele - mit Krippen spielen

Tagesthema 16. Dezember 2011

Krippenspiele sind was für Kinder und  Jugendliche, so die landläufige Meinung: Im Kindergottesdienst und mit Konfirmanden wird deshalb alljährlich in der Adventszeit eingeübt, was damals in Bethlehem geschehen ist: Dass es auch anders sein kann, berichtet die Evangelische Zeitung:

Senioren begeistern sich für das Krippenspiel

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Die Freude am Spiel ist ihnen anzusehen: Mit kleinem Gepäck sind Inge Jankowski (Maria) und Karl-Heinz Schubert (Josef) unterwegs nach Bethlehem. Bild: Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

Sie sind gemeinsam alt geworden. Und nun machen sie sich wie vor gut 50 Jahren auf den Weg. Reisen zu den Orten, die für sie besondere Stationen waren und mit Erinnerungen verbunden sind. Nach Bethlehem zum Beispiel. Dort ist ihr Sohn in einem Stall zur Welt gekommen. „Ach, Maria, du warst so jung und so schön“, meint Josef verschmitzt auf dem Weg, und Maria nimmt den Flirt gern auf, auch wenn sie Rückenschmerzen von der langen Reise hat.

So, oder so ähnlich beginnt Heiligabend um 15.30 Uhr ein besonderes Krippenspiel unter freiem Himmel vor der alten Dorfkirche in Alt-Garbsen (Region Hannover). Denn Maria und Josef, gespielt von Inge Jankowski und Karl-Heinz Schubert, sind wirklich im Seniorenalter. Zusammen mit sechs weiteren Senioren, die in die Rolle der Hirten, des Wirtspaars, des Evangelisten Lukas und eines Weisen schlüpfen, spielen sie die bekannte Geschichte des Heiligen Abends. Nur: Alle Protagonisten treffen sich eben nach 50 Jahren, erinnern sich gemeinsam an die Erlebnisse rund um die Geburt Jesu in der kalten Nacht, im Stall.

Weil die Kirche zu klein ist, wird unter freiem Himmel gespielt

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Theaterpädagogin Johanna Kunze behält den Überblick: Bei den Proben gibt sie Regieanweisungen, unter anderem auch für Manfred Stiehm in der Rolle des Weisen. Bild: Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

Dabei ist auch Lukas, der künftige Evangelist, der sich in der Gaststätte eingemietet hat und auf Materialsuche ist für sein Werk über den Messias. „Am Ende des Stücks überlegen alle in der Schenke gemeinsam, wie denn das Evangelium beginnen kann, damit diese wunderbare Geschichte auch aufgeschrieben wird. Sie formulieren dann den bekannten Anfang ‚Es begab sich aber zu der Zeit…‘“, berichtet Pastor Burkhard Grahe.

Er hatte die Idee zu dieser neuen Perspektive. Bisher hat Grahe die Krippenspiele unter freiem Himmel mit Kindern oder Konfirmanden auf die Bühne gebracht. In diesem Jahr sprach er die Senioren-Mitspieler gezielt an – und erhielt spontane Zusagen. „Es hätten auch noch mehr mitgemacht“, berichtet der Pastor, „aber Weihnachten sind viele unterwegs oder in das Familienfest eingebunden und konnten sich nicht so recht freimachen.“

Begleitet wird das ungewöhnliche Projekt durch die Theaterpädagogin und Regisseurin Johanna Kunze aus Hannover. Bei mehreren Treffen entwickelte sie gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Konzept für das Krippenspiel. Nach und nach wurde die Geschichte so neu in Szene gesetzt. Und so erzählt Josef auch, wie er sich fühlte, als ihm Maria die Schwangerschaft beichtete. Wie ein Depp habe er dagestanden. Aber er glaubte ihr, dass ihr ein Engel erschienen war, auch wenn sich alle den Mund über beide zerrissen hätten.

Wenn sich Josef an die Botschaft des Engels erinnert

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Wie lassen sich die Übergänge zwischen den Szenen gestalten? Gemeinsam beraten Evelyn Opel (links) und Inge Jankowski kurz vor der ersten Kostümprobe. Bild: Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

„Ihr dürft sprechen, wie euch der Schnabel gewachsen ist. Improvisiert frei von der Leber weg“, ermuntert Johanna Kunze bei den Proben die Senioren, die Manuskripte zur Seite zu legen. Gleichzeitig achtet sie auf das ganze „Drumherum“. Die Kostüme sind einfach gehalten. Sie stammen teils aus Kunzes Fundus, teils wurden sie von den Senioren mitgebracht. Und doch wird darauf geachtet, dass ein stimmiges Bild entsteht.

„Dein Hut muss noch ausgetauscht werden, der sieht aus, als ob du zum Angeln gehen willst“, sagt Johanna Kunze in Richtung des Hirten. Und auch andere Kostüme werden charmant ausgetauscht. „Wir wollen schließlich keinen Mummenschanz und nicht, dass die Gäste erst einmal eine viertel Stunde nicht aus dem Kichern herauskommen“, mahnt die Regisseurin. Gleichzeitig ist sie sicher, dass die richtigen Worte gefunden werden, die das Krippenspiel und die Botschaft tragen.

Und das wird bereits bei den Proben deutlich. Gemeinsam wird an den Szenen gefeilt, wird großer Wert auf die Details und auf Gesten gelegt. Auf die Engel wurde dabei verzichtet – von ihnen erzählen die Hirten in der Schenke. Sie kommen ins Schwärmen, wenn sie an die Begegnung mit dem Kind erzählen: „Das Leben war danach anders. Wir waren glücklich. Wir waren nicht besser dran als vorher, aber alles Schwere war plötzlich nicht mehr so schwer, das Dunkel nicht mehr so dunkel. Irgendwie gab es immer Hoffnung“, sagt die Hirtin (Dorle Thiemann), und ihr Kollege (Rüdiger Lorentzen) ergänzt: „ein wunderbares Kind!“.

Auch der einzige der drei Weisen, der in der Wirtschaft sitzt, erzählt von dem besonderen Kind. Er (Manfred Stiehm) hat sich auf Spurensuche begeben. Statt des erwarteten Königs fanden sie ein Wickelkind. Aber enttäuscht waren sie nicht. Froh und glücklich machten sie sich wieder auf den Rückweg, erinnert er sich.

Immer wieder während der Erzählung springen die Senior-Akteure in ein „Spiel im Spiel“. „Sie bleiben dabei zwar in ihrem Alter, aber sie spielen dann einzelne Ereignisse der Nacht von vor über 50 Jahren noch einmal nach“, erklärt Burkhard Grahe, „zum Beispiel, wie die hochschwangere Maria und ihr Josef vergeblich eine Herberge suchen und alles wegen der Volkszählung belegt ist.“

„Die Idee ist einfach toll. Deshalb mache ich auch mit“, ist Dorle Thiemann begeistert. Gespielt wird Heiligabend um 15.30 Uhr vor der Kirche in Alt-Garbsen. Der gesamte Gottesdienst dauert eine gute halbe Stunde. In den Krippenspielpausen werden bekannte Weihnachtslieder gesungen. „Das Krippenspiel unter freiem Himmel ist entstanden, weil die Dorfkirche einfach sehr klein ist. Es kommen rund 500 Gäste, für viele ist es ein schöner Treffpunkt am Heiligen Abend“, sagt Burkhard Grahe.
 

Sabine Freitag / Evangelische Zeitung

Wenn Kinder die Mitte sortieren

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Selbst Theologen können noch lernen, wenn Kinder plötzlich beginnen, die Krippe neu zu sortieren: Die Krippe veranlasse die Menschen, wieder auf die Mitte zu blicken. Beim Kind in der Krippe könnten sie erleben, dass es Gott völlig unwichtig sei, was einer hat oder ist, wohin er kommt und wohin er geht. "Gott in unserer Mitte und wir achtsam und nah beieinander - das ist Weihnachten", so Landesbischof Ralf Meister.

Krippengeflüster

Nicht nur an Heiligabend schlüpfen Kinder, Jugendliche und manchmal auch Erwachsene in ungewohnte Rollen. Sie spielen Maria und Josef, verkünden als Engel gute Nachrichten oder lassen sich in kurzen Szenen unserer Zeit von der Weihnachtsbotschaft überraschen. Rund 20 neue Advents- und Krippenspiele warten in diesem Buch darauf, von verschiedenen Altersgruppen gelesen oder gespielt zu werden. Als "Krippengeflüster" erwacht die biblische Botschaft neu zum Leben. Neben einfachen Lesestücken, die sich für Adventsnachmittage in der Gemeinde eignen, finden sich auch aufwändige Kirppenspiele für die Kinderchristvesper.

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Zum Noch-Einmal-Lesen
Die Wochenandacht aus dem Kalenderblatt zum 1. Advent

Advent ist die Zeit der Krippenspiele: Kinder proben für die Aufführung zu Weihnachten. So auch jener Kindergarten, in dem wieder einmal ein etwas beleibterer Junge den Wirt spielen muss. Ein Wirt kommt zwar in der biblischen Weihnachtsgeschichte nicht vor, aber in den Spielen der Kindern ist er das Symbol dafür, dass sie keinen Platz in der Herberge finden.

Die Kinder proben: Maria und Josef kommen nach Bethlehem und klopfen beim Wirt an. Sie erzählen ihm, dem kleinen, dicken Junge mit der weißen Schürze, ihre Geschichte. Von Nazareth seien sie gekommen und Maria sei schwanger. Noch in dieser Nacht würden die Wehen einsetzen. Der Wirt schaut die beiden nachdenklich an, macht eine einladende Handbewegung und fordert sie auf: "Kommt doch rein!" Die Kindergartenleiterin unterbricht die Probe, erklärt dem jungen Schauspieler noch einmal seine Rolle. Die Probe beginnt von vorn. Als es zur kritischen Stelle kommt, sind alle gespannt. Das gibt es doch nicht: wieder lädt der Junge das Paar ein, ins Gasthaus zu kommen. Ärgerlich unterbricht die Erzieherin ein zweites Mal. Der Junge schaut verlegen und schuldbewusst zu ihr hoch. Mit rotem Kopf stellt er fest: "Ich kann doch die beiden nicht draußen stehen lassen."

Ob Probe und Aufführung dann doch noch irgendwann geklappt haben, ist nicht bekannt. Aber der kleine Junge, der als Wirt so aus der Rolle fiel, hat zumindest die adventliche Zeit richtig verstanden: Advent heißt "er kommt" - und wenn er kommt, dann wollen wir ihn doch rein lassen, einladen: in die Wohnungen, weihnachtlich geschmückt, und in unsere Herzen, weihnachtlich romantisch berührt. Der, der da kommt, ist der, der Türen öffnet. Und bei allem, was die Weihnachtsgeschichte erzählt, heißt die Botschaft doch: "Kommt doch rein!" Weihnachten wird es, wenn wir aufeinander zu gehen - und darauf bereiten die Adventszeit vor.

Christof Vetter / www.landeskirche-hannovers.de