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 Bild: Che / photocase.com

Celebrate Bach - Falk & Sons

Pop trifft Klassik

Fal & Sons
Cover

Mehr als vier Jahrzehnte mag es her sein, dass mein Vater die erste Platte von Jacques Loussier nach Hause bracht. Noch stehen sie – schwarzes Vinyl – in meinem Plattenschrank. Damals kam es einer innerfamiliären Revolution gleich: Bach einmal nicht in der Kirche, sondern im Wohnzimmer und so anders. Für meinen Vater, damals jünger als ich heute zumindest. So habe ich gelernt, dass die Grenzen zwischen dem einen und dem anderen fließend sind: An einem Tag mit großem Orchester, Chor und Solisten im Gottesdienst oder als Konzert, am anderen von der Venylplatte oder jetzt sogar als mp3: jazzig, poppig, wild, ungestüm: Toccata, Fuge, Air. Und nicht nur jener Pianist aus Frankreich, der nur zwei Jahre jünger ist als mein Vater. Die „Air“ immer wieder, immer wieder anders auch im zu Ende gehenden Jahr: David Garett auf seiner Geige während einer Autofahrt, Maybebop bei der Einführung des neuen Landesbischofs in Hannover.

Zum Start ins Jahr der Kirchenmusik nun das: „Dieter Falk & Sons“ zelebrieren Bach auf ihre Art. Wieder ganz anders – und noch einmal die Air. „Bach swingt und rockt“, weiß der 17jährige Max Falk. Sein Vater, eher in meinem Alter, schwelgt in den ähnlichen Erinnerungen: „Bei uns zu Hause gab's das volle Bach-Programm: Matthäuspassion, Weihnachtsoratorium, Kantaten, Motetten, Choräle...,“ sagt er über seine Jugend. Er hat mitgesungen im Kirchenchor. Für den Popmusikproduzenten, der mehr als 20 Millionen CDs verkauft hat, ist klar: „Mir geht’s wie Tausenden von Kollegen: Ohne Bach wäre ich wohl nicht Musiker geworden.“ Deshalb für das Jahr der Kirchenmusik: „Celebrate Bach“: der großartige Thomaskantor als eingängig groovende Popmusik, der musikalische Prediger als Partymusik, die das Bein zum Wippen bringt.

„Jazz, das geht doch noch, aber Pop?“, höre ich all die Puristen murren. Irrtum! Schon mit seiner 40.000fach verkauften CD zum Paul-Gerhardt-Jahr (A tribute to Paul Gerhardt) hat er gezeigt, dass guter, durchdachter Pop auch mit traditioneller Kirchenmusik kann. Bach bringt zudem all das mit, was guten Pop ausmacht, lobt Dieter Falk das Unkonventionelle an Bach, „seine grandiose Art, damals höchst gewagte Akkorde mit synkopischen Rhythmen zu verbinden“. Der Kirchenmusiker, der zum Juror eine TV-Castingshow geworden ist, kann seine Begeisterung nicht verhehlen. Und geht einen Weg, den zumindest ich nicht bei Jacques Loussier entdeckt habe: Er mischt auf der CD „Celebrate Bach“ Stücke von Bach, die eindeutig in die Kirche und in Gottesdienste gehören, mit der Musik, die Johann Sebastian Bach für andere Zusammenhänge geschrieben hat – sozusagen weltliche Musik. In Facebook erklärt der Popmusiker, warum es bei Bach beides gibt: Bach sei zwar angestellter Kirchenmusiker gewesen, aber das Einkommen gering, deshalb sei er immer wieder auf weltliche Zusatzhonorare angewiesen gewesen. Bösartig, wer auch darin – und nicht nur in der Musik – aktuelle Zusammenhänge erkennt.

So swingt die „Air“, die „vielleicht schönsten langsame Musik, die je komponiert“ wurde, ebenso wie Bachsche Tanzmusik – der Pop seiner Zeit?. „Jesu bleibet meine Freude“ rockt über drei Minuten. Es endet in der Zugabe einer Melodie von Giacomo Gestoldi: „In dir ist Freude“, allerdings nicht mehr im schwungvollen Drei-Viertel-Takt, sondern als rockige Vier-Viertel: Das alles – wie könnte es bei Bach anders sein: „Soli deo gloria“ - allein Gott zur Ehre

Christof Vetter / Evangelische Zeitung

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