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 Bild: Che / photocase.com

Nikolaus

Tagesthema 05. Dezember 2011

Nikoläuse und Weihnachtsmänner

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Das ist das Haus vom Nikolaus.. Quelle: Evangelische Zeitung

Sie ziehen in diesen Tagen über die Weihnachtsmärkte, besuchen Familien und sprechen in Supermärkten wildfremde Menschen an: Männer mit dichten, langen Bärten und roten, bodenlangen Mänteln, in der einen Hand eine Rute und in der anderen einen alten, muffigen Sack. Des Nachts verirren sie sich auch in die eine oder andere Diskothek und im Werbefernsehen sind sie schon seit Wochen präsent: Die Nikoläuse 2011. Der vorherrschende Eindruck ist, dass es zahllose dieser bärtigen Männer gibt und sie sich nur minimal voneinander unterscheiden. Und selbst als Zuckerfigur, als Schokoladenmann und als Lebkuchengestalt begegnet einem der Mann, der dem 6. Dezember den Namen gegeben hat.

Dabei geht es nur einen: Den Bischof von Myra aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Zahlreiche Legenden erzählen von Wundern, die angeblich auf Bischof Nikolaus von Myra zurückführen – und weil solche Legendenbildung keine Grenzen kennt, werden auch Geschichten erzählt, wie Nikolaus als Säugling oder nach seinem Tod Wunder getan hat. Vermutlich auf die Legende von den drei Jungfrauen geht die Gewohnheit zurück, am 6. Dezember die Kinder zu beschenken: Ein verarmter Vater habe daran gedacht, seine drei Töchter zu Prostituierten zu machen, weil er zu wenig hatte, um sie mit der entsprechenden Brautgabe gut zu verheiraten. Nikolaus, der damals wohl noch nicht Bischof war, erfährt von der Notlage. Er wirft in drei aufeinander folgenden Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen.

Nikolaus von Myra (russische Ikone)
Nikolaus von Myra (russische Ikone) Rechte

Überlagert hat sich die Gestalt des kleinasiatischen Bischofs mit dem „Väterchen Frost“ aus Russland und dem „Weihnachtsmann“, dem „Father Christmas“, dem „Père Noël“ schlauer Werbestrategen. So wurde aus dem wohltätigen Wundermann, der jungen Menschen in einer Notlage geholfen hat, der Überbringer großer und kleiner Geschenke. Weil aus der Legende die Figur des Nikolaus eindeutig positiv besetzt war, wurde in manchen Regionen ihm ein Partner zur Seite gegeben: Knecht Ruprecht.

In protestantisch geprägten Gegenden wurde durch die Reformation und die Ablehnung katholischer Heldenverehrung der heilige Nikolaus als Überbringer von Geschenken durch das Christkind verdrängt, Knecht Ruprecht mit der Rute blieb dagegen häufig erhalten. So wie in dem bekannten Gedicht „Knecht Ruprecht“ von Theodor Storm: Da unterhält sich das Christkind mit dem Gehilfen des Nikolaus: „Und droben aus dem Himmelstor / Sah mit großen Augen das Christkind hervor; / Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann, / Da rief's mich mit heller Stimme an: / »Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell, / Hebe die Beine und spute dich schnell!“

Wie könnte es anders sein: Aus Amerika trat dann der zum Weihnachtsmann mutierte Nikolaus seinen Siegeszug in die Geschäfte der Adventszeit an. Der deutschstämmige Thomas Nast hat in einer Wochenzeitschrift das Bild des wohlgenährten, weißbärtigen Großvatertypus ohne die typische Bischofskleidung mit Mitra und Stab veröffentlicht und ein weltweit agierender Getränkekonzern hat ihn dann im Rot seiner Hauptgetränkemarke und mit dem weißen wärmenden Pelzkragen nahezu standardisiert.

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Traditioneller Nikolaus bei der Kinderbescherung im oberbayerischen Bauernhofmuseum "Jexhof" im Landkreis Fürstenfeldbruck, Bild: Richard Huber, Rechte

So haben sich Volkstraditionen mit Heiligenlegenden und Werbestrategien vermischt: von „Väterchen Frost“ ist der Rentierschlitten und die wintergerechte Kleidung geblieben, vom Heiligen Nikolaus die Tradition in der Nacht (armen) Kindern Geschenke zu bringen und von den Werbestrategen, die gern eine Atmosphäre zum Wohlfühlen schaffen, das großväterlich gemütliche Aussehen und Auftreten.

Wer sich zwischen all den „Nikoläusen“ im Schaufenster und zum Schlecken manchmal den wirklichen Kern des von seinem Glauben überzeugten Bischofs aus dem 3. und 4. Jahrhundert zurückwünscht, mag auch an die Geschichte denken, dass der Bischof vom Myra auf dem Konzil von Nizäa, auf dem es um das grundlegende christliche Glaubensbekenntnis ging, seinen Gegner Arius, der die Wesensidentität von Gott dem Vater und Jesus Christus bestritt, geohrfeigt haben soll. Auch diese Geschichte ist historisch nicht zwingend zu belegen. Und eine Ohrfeige ist allemal kein wirklich überzeugendes theologisches Argument in einem der kirchengeschichtlich herausragenden theologischen Auseinandersetzungen, aber vielleicht ein Zeugnis, dass der Bischof von Myra, der Nikolaus geheißen, hat, von seinem Glauben überzeugt war.
 

Neue Kinderbischöfe in Göttingen ins Amt eingeführt

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat in Göttingen die drei neuen Kinderbischöfe Lars Ahlborn, Isabelle Bürger und Laurenz Wittmer (alle 9 Jahre) ins Amt eingeführt. Gleichzeitig verabschiedete er in einem Gottesdienst am Dienstand in der Klosterkirche Nikolausberg die bisherigen Kinderbischöfe Alexander Güntzler, Jonas Fischer und Celina Lehmann. Ihre Amtszeit war nach zwölf Monaten abgelaufen.

Celina Lehmann hat dabei eine besondere Verbindung zum hannoverschen Landesbischof. Als dieser im März in sein Amt eingeführt hat, gehörte sie zu den Assistentinnen, die den neuen Landesbischof für die größte Landeskirche der EKD segnen durfte.

Traditionell vertreten Kinderbischöfe bereits seit dem Mittelalter ihrer Altersgenossen, teilte die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mit. Historischen Berichten zufolge haben sie in Kirchen sowie in Dom- und Klosterschulen, deren Patron der heilige Nikolaus ist, zum Nikolaustag am 6. Dezember für einen Tag die Macht übernommen.

In Niedersachsen hat die Gemeinde Nikolausberg in Göttingen den Brauch 1999 als erste neu aufgegriffen. In Hamburg gibt es seit 1994 Kinderbischöfe.

Bericht über die Einsetzung der Kinderbischöfe

Stichwort: Nikolaus

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Der heilige Nikolaus ist seit Jahrhunderten einer der beliebtesten christlichen Volksheiligen. Sein Gedenktag, der Nikolaustag am 6. Dezember, ist vor allem ein Tag der Kinder. Die Figur des Nikolaus geht zurück auf den für seine Mildtätigkeit bekanntgewordenen Bischof von Myra, dem heutigen Demre in der Türkei.

Der als Freund der Kinder geltende Heilige soll um das Jahr 350 gestorben sein, vermutlich an einem 6. Dezember. Allerdings gibt es über den historischen Nikolaus so gut wie keine bezeugten Überlieferungen.

Seine Gebeine wurden Legenden zufolge 1087 von italienischen Seeleuten aus dem inzwischen islamisch gewordenen Myra geraubt und nach Bari in Apulien gebracht. Dort werden sie als Reliquien bis heute verehrt. Im mittelalterlichen Abendland wurde St. Nikolaus zum Nothelfer in allen möglichen Lebenslagen für Schüler, Liebende und Heiratswillige. Seefahrern galt er als Patron und Helfer bei Gefahren auf See. Die Russen betrachten ihn als ihren Schutzheiligen.

In vielen Hafenstädten gibt es Nikolauskirchen, in Norddeutschland "Nikolai"-Kirchen. In zahlreichen Überlieferungen wird der Einsatz des Nikolaus zum Wohle der Kinder geschildert. In Nikolausspielen müssen die Kinder Rechenschaft über ihr Verhalten im vergangenen Jahr ablegen. Wer "artig" war, wird vom Nikolaus mit "Apfel, Nuss und Mandelkern", heute in Form von Süßigkeiten, belohnt. Für die anderen hielten die Nikolaus-Begleiter - je nach Landschaft Knecht Ruprecht, Pelznickel oder Krampus - die Rute bereit.

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Mehr über den Nikolaus

können Sie in der aktuellen Ausgabe der Evangelischen Zeitung (48/2011) nachlesen: "Der Nikolaus - oder wer wen prägte" ist das Schwerpunktthema der Woche, in die der 6. Dezember fällt. "Sie müssen wohl Nachbarn sein. Zumindest erzählen es die Kinder so. 'Das ist das Haus vom Nikolaus - und nebenan wohnt der Weihnachtsmann"... Ob das wohl stimmt. Was von der Legende des Weihnachtsmannes übrig geblieben ist, berichtet die Evangelische Zeitung auf vielen Seiten... Und dazu alle guten Nachrichten aus dem Norden.

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