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 Bild: Che / photocase.com

Bildung braucht Religion

Tagesthema 30. November 2011

Religionsunterricht kann Rechtsextremismus entgegenwirken

Religionsunterricht an Schulen ist nach Ansicht des evangelischen Landesbischofs Ralf Meister ein Mittel, um rechtsextremistischen Einstellungen entgegenzuwirken. "Durch einen qualifizierten Unterricht werden sie gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geschult", sagte Landesbischof Ralf Meister bei einem Bildungsforum der hannoverschen Landeskirche mit mehr als 1.000 Teilnehmern in Hannover. Dies könne dazu beitragen, eine Nähe in diese Richtung erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Zu dem Bildungsforum waren Lehramtstudierende, Lehrkräfte, Schulleiterinnen und Schulleiter sowie alle weiteren Personen, die am Gelingen von Schule beteiligt sind, unter dem biblischen Motto "Suchet der Schule Bestes" eingeladen. Das Motto des Forums ist eine freie Bearbeitung eines Satzes aus einem Brief des Propheten Jeremia an die Israeliten. Zur Zeit der Abfassung lebt das Volk Israel unter schwierigen Bedingungen im babylonischen Exil. Trotzdem hält der Prophet daran fest, dass es die Aufgabe sei, das Beste auch für die fremde Stadt zu suchen und für sie zu beten.

bischof meister
Landesbischof Ralf Meister

Meister berief sich bei seiner Festsellung, dass ein guter Religionsunterricht Fremdenfeindlichkeit wehre auf eine Studie der Berliner Humboldt-Universität unter rund 1.600 Schülern. Ein guter Religionsunterricht vermittele Schülerinnen und Schülern qualifizierte Kenntnisse auch über andere Religionen, sagte er. Es gehe im Religionsunterricht nicht um Missionierung oder das Abfragen von Bibelkenntnissen.

Kritisch äußerte sich der Landesbischof über Überlegungen bei den niedersächsischen Grünen, den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach abzuschaffen. "Dass seit Jahren solche Bildungstage wie heute mit so großer Resonanz stattfinden, ist eine deutliche Antwort darauf", unterstrich Meister. Nach Angaben der Landeskirche werden in zehn Jahren 53 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben.

Wolfgang Huber
Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und Berliner Bischof Wolfgang Huber

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, äußerte sich zustimmend zum Leipziger Urteil über das Beten an Schulen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte am Mittwoch nach langem Rechtsstreit die Revision eines muslimischen Schülers zurückgewiesen, der das Recht zum Gebet auf dem Schulgelände einklagen wollte. Er finde es "außerordentlich beschwerlich", dass der Berliner Schüler die staatliche Gerichtsbarkeit benutzt habe, um sein Anliegen durchzusetzen, sagte Huber.

Es handele sich um einen Einzelfall, der das Recht etwa christlicher Schüler auf Gebete in den Pausen nicht betreffe. Ein Konflikt zeichne sich erst ab, wenn ein Schüler für das Gebet den Unterricht unterbrechen wolle. Für das Kultusministerium in Hannover sagte Ministerialrat Rolf Bade, an niedersächsischen Schulen gebe es derzeit keinen solchen Konflikt.

Die evangelische Landeskirche lädt seit acht Jahren im Wechsel Schüler und Lehrer aus Niedersachsen zu einem Bildungsforum nach Hannover ein. Bei dem diesjährigen Forum für Lehrerinnen und Lehrer diskutierte Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) mit den Teilnehmern unter anderem über das Thema der Inklusion behinderter Schülerinnen und Schüler-

Informationen zum Bildungsforum

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Lehrkräfteforum 1. Dezember 2012

Die hannoversche Landeskirche setzen sich gemeinsam mit anderen für das Gelingen von schulischer Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Schule verändert sich weiter: Es gibt eine neue Schulform, die Oberschule, die berufsbildenden Schulen wurden als Kompetenzzentren neu konzipiert, die Inklusion von Schülerinnen und Schülern als grundsätzliche Aufgabe von Schule wird weiter umgesetzt, Schule wird mehr und mehr ein Ort multireligiösen Zusammenlebens in unserer Gesellschaft.

Mit dem diesjährigen Forum sollen die Herausforderungen, die Schule mit sich bringt, aufgegriffen werden. Gleichzeitig sollen das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Umfeld von Schule mit in den Blick genommen werden. Die Frage nach der religiösen Bildung bleibt selbstverständlich und notwendig.

Weitere Informationen

Auf der IX. Tagung der Landessynode

„Im kirchlichen Bildungshandeln ist es besser, etwas zu unternehmen als zu unterlassen“ sagte der Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landessynode Rolf Bade (Hannover) bei der Tagung der Landessynode im November 2011. So beschloss die Synode, evangelische Bildungsarbeit in vielen Bereichen weiter auszubauen. Bade skizzierte für evangelische Schulen, Religionsunterricht und Inklusion eine Reihe von Herausforderungen.

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