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Warmes Essen

Tagesthema 21. Dezember 2011

Ökumenische Essensausgabe Hannover in neuen Räumen

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Henrik Chmelewski (links) und Salicki Stanislaw bekommen eine warme Mahlzeit und an diesem Tag sogar Geschenke, die Grundschüler für sie gepackt haben. Bild: Charlotte Morgenthal / Evangelische Zeitung

Kurz vor elf Uhr beginnt das Stühlerücken und die ersten Besucher stehen schon Schlange für ein warmes Mittagessen. In den neuen Räumen der Ökumenischen Essensausgabe im Caritasgebäude am Leibnizufer in Hannover gibt es genauso viele Besucher wie in den Vorjahren, berichtet der Leiter der Zentralen Beratungsstelle, Michael Schroeder-Busch.

Zehn weitere Sitzplätze in den neuen helleren Räumen laden vor allem zum längeren Verweilen ein. Der Leiter der hannoverschen Diakonie, Hans-Martin Joost, betont, dass es hier nicht nur um eine schnelle Verköstigung geht. „Neben dem, was die Besucher in den Bauch bekommen, sollen sie auch mal Zeit haben, sich die Seele zu wärmen.“ Bis zu 2500 Wohnungslose gebe es in Hannover, von denen bis zu 200 auf der Straße lebten. Durchschnittlich würden diese nicht älter als 56 Jahre. Zwar sei die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen Jahren gesunken, sagt Joost. Die Langzeitarbeitslosen fielen aber durch alle sozialen Netze. Menschen, die im Alter verarmten, gebe es immer mehr, und steigende Energiepreise machten eine warme Wohnung im Winter zum Luxus. Zu den regelmäßigen Besuchern der Essensausgabe gehören auch die beiden Wohnungslosen Henrik Chmelewski und Salicki Stanislaw. Zufrieden löffeln sie von ihrem Teller Linsensuppe. Ihnen und den anderen Besuchern überreichen an diesem Tag Kinder einer Grundschulklasse bunt eingepackte Geschenke. Mäntel, Fleecejacken, Zahnbürsten, Duschsachen und auch was Süßes haben sie eingewickelt, erzählt die achtjährige Alexandra.

Schroeder-Busch betont, dass es die Essensausgabe ohne die großzügigen Sach- und Geldspenden der letzten 23 Jahre nicht mehr geben würde.
Rund 30 000 Euro kostet die Versorgung im Winter. Bis zum März 2012 sollen hier erwartungsgemäß 11 000 Mahlzeiten verteilt werden. 30 Ehrenamtliche arbeiten hier von montags bis sonnabends. Gottfried Schöne, Leiter der Wohnungslosenberatungshilfe im Diakonischen Werk Hannover kritisiert dennoch, dass Wohnungslose viel stärker von der Stadt unterstützt werden müssten. Bisher fließe das Geld hauptsächlich in stationäre Einrichtungen und nicht in die persönliche Hilfe auf der Straße. „Die Verelendung nimmt zu.“
Chmelewski und Stanislaw sind von den Geschenken sichtlich gerührt. Seit Jahren wohnen sie „auf Platte“, schlafen unter freiem Himmel. Stanislaw erinnert sich beim Anblick der Kinder an seine eigene Tochter. Die habe zwar ein Haus, aber da sei kein Platz für ihn, erzählt er. „Hier gibt es ein Essen und sogar einen Nachtisch. Hier ist alles gut.“

Charlotte Morgenthal / Evangelische Zeitung

Wer die Essensausgabe unterstützen will

Spendenkonto: Diakonisches Werk Stadtverband Hannover e.V., Konto: 200 601 233, EKK, BLZ 520 604 10, Stichwort: Ökumenische Essensausgabe.

Für alle die an Heilig Abend einen Treffpunkt suchen

Der Heiligabend ist besonders für einsame, arme, wohnungslose und zuweilen auch für alte Menschen eine schwere Zeit. An vielen Stellen organisieren deshalb Haupt- und Ehrenamtliche aus Kirchen, Vereinen und Initiativen in Niedersachsen Angebote gegen die Einsamkeit. So öffnen sich in Hannover am Heiligabend zwölf „Weihnachtsstuben“ mit Liedern, Gedichten, Gebäck, einer Andacht und zum Teil kleinen Geschenken. Dazu erwartet der Stadtkirchenverband rund 400 Gäste.

In der Göttinger Stadthalle startet schon am Nachmittag ein „Offener Heiligabend“ der örtlichen Initiative „Keiner soll einsam sein“. In Lüneburg laden mehrere Kirchengemeinden an drei Tagen zu einem festlichen Abend und zum Kirchencafé ein. Dabei feiern die katholischen Christen im Gemeindehaus „Heiligabend am Kamin“. Am zweiten Weihnachtstag öffnet das „Christcafé“ in der Kontakt- und Beratungsstelle „Wendepunkt“.

In Osnabrück verbringt der katholische Bischof Franz-Josef Bode den Heiligabend traditionell mit wohnungslosen und alleinstehenden Gästen. Angebote gibt es in der kirchlichen „Wärmestube“, in einem ehemaligen Franziskanerkloster und im „Laurentiushaus“, einer Einrichtung des Sozialdienstes Katholischer Männer.

Ähnlich ist es in Oldenburg: Ab 18 Uhr stehen dort im „Forum St. Peter“ in der Georgstraße die Türen offen. Unter dem Motto „Alleine gemeinsam feiern“ gibt es Musik, Weihnachtsliedersingen, Geschichten, ein Abendessen und ebenfalls kleine Geschenke.

epd