2011_12_09

 Bild: scavenger / photocase.com

Weihnachten im Kaufhaus

Tagesthema 08. Dezember 2011

Vorweihnachtszeit ist Einkaufszeit

schon entschieden

Auf Shopping-Tour gehen Familien in den Wochen vor Weihnachten: Auf die Weihnachts- und Adventsmärkte, in die Supermärkte oder auch - ohne sich der Kälte auszusetzen - online. Schaufenster sind weihnachtlich gestaltet. Internetanbieter bieten Hinweise auf weihnachtliche Geschenke und in der Werbung ist das Thema "Weihnachten" und "Schenken" alle Jahre wieder Thema in den Adventswochen.

Ob dabei die Werbung immer geschmackssicher ist wird in diesem Tagen land auf, land ab diskutiert. Der württembergische Pfarrer Andreas Koch hat mit seinem Internetkommentar klar Position bezogen, aber auch Bischöfe und Facebooknutzer diskutieren die Frage, wo "Weihnachten entschieden" wird.

Unabhängig von Debatten rund um die Weihnachtswerbung engagieren sich Kirchengemeinden - ökumenisch - mitten im Weihnachtseinkaufstrubel. Zwei Beispiele haben die Journalisten der Evangelischen Zeitung und der evangelischen Nachrichtenagentur epd in Niedersachsen aufgegriffen.

Zum Kommentar von Pfarrer Andreas Koch

Kirche im Bekleidungshaus

Im Moment bleibt niemand stehen, doch die Herren, die zwischen einem kleinen Tresen, Aufstellern und Banner und einem Spiel mit dem Titel „Hat Weihnachten was mit Kirche zu tun?“ stehen, zeigen sich zufrieden. „Läuft gut“, sagt Lothar Podszus, Pfarrer an der Pauluskirche im Osnabrücker Stadtteil Schinkel. Die anderen nicken fröhlich.

Im Advent präsentieren sich die christlichen Kirchen in Osnabrück „mitten im Geschäft“ - an drei Freitagen – zum letzten Mal am 9. Dezember von 14 bis 19 Uhr – sollen die Menschen bei ihren Einkäufen kurz zum Gespräch und zur Begegnung mit Kirche animiert werden. Gegen Ende der Standzeit am 25. November fällt die vorläufige Bilanz von Martin Bruns, Leiter des katholischen Forums am Dom, positiv aus: „Nichts Negatives“ sei zu hören gewesen dazu, dass die Kirchen sich in einem Bekleidungshaus präsentierten. Mit manchen habe man kurz sprechen können, und sogar einige intensive Gespräche habe es gegeben. „Gott als das große DU“ sei da ein Thema gewesen, berichtet Podzus. Manche „outeten“ sich mit ihrer Religionszugehörigkeit, manche erzählten, was sie immer schon mal in Sachen Kirche loswerden wollten. Dabei kamen rund 50 kurze und längere Begegnungen zustande. Und auch bei dem kleinen Spiel wussten doch die meisten, dass Weihnachten etwas mit der Kirche zu tun hat.
„Wir möchten die Chance nutzen, Menschen anzusprechen, die ein Interesse an unseren Kirchen und ihren Angeboten haben, die aber aus den verschiedensten Gründen nicht unsere Gottesdienste besuchen“, das hatte Friedemann Pannen, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Osnabrück in der Ankündigung erklärt. Die Aktion „Kirche mitten im Geschäft“ ist eine ökumenische Kooperation der evangelischen, katholischen und reformierten Kirche in Osnabrück.

Es gab jedoch offenbar auch kritische Stimmen. Eine Verkäuferin, die nicht namentlich genannt werden wollte, berichtete, dass die Aktion durchaus „unterschiedlich“ aufgefasst werde. Es gebe Menschen, die fragten, „was das denn solle“ und „wieso die Kirche denn nun auch noch in die Geschäfte geht“, und dies auch mit einem erstaunten, amüsierten oder kritischen Unterton.

Imma Schmidt / Evangelische Zeitung

Kirche zum Anbeißen - Protestanten unterstützen auf neuen Wegen den Wiedereintritt

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Kirche zum Anbeißen in Potshausen, Bild: Dieter Sell (epd)

Über dem Eingang zum "Genießer-Markt" schwebt ein riesiges Plakat. "Alles, was das Schenken schöner macht" verspricht eine verführerische Schönheit mit Rehaugen und Weihnachtsmütze. Doch jetzt gibt es in Dodenhofs "Einkaufsstadt, die alles hat" im niedersächsischen Posthausen nahe Bremen nicht nur Festtags-Leckereien, Möbel oder Fernseher. Wer will, kann an einem Stand vor dem Supermarkt schnell und unkompliziert in die evangelische Kirche eintreten. Mal eben beim Shoppen.

"Möchten Sie einen Keks?", fragt Pastor Hans-Peter Daub mit einem gewinnenden Lächeln eine Frau auf dem Weg in den Supermarkt. Berufsschüler haben für die Aktion gebacken - bezeichnenderweise in Form von Kirchen und Engeln. "Oh, Kirche zum Anbeißen", sagt die junge Mutter, ebenfalls lächelnd, und ist auch schon wieder weg. Andere kommen zielstrebig auf den Stand zu und nehmen sich ein paar Minuten Zeit, um hier wieder einzutreten.

Vor sechs Jahren startete der Kirchenkreis Verden die Aktion, die saisonal immer auf die Adventswochenenden befristet ist. Seither seien hier mehr als 150 Frauen und Männer in den Schoß der Kirche zurückgekehrt, bilanziert Mitorganisatorin und Pastorin Constanze Ulbrich.

Jährlich sind es rund 36.000 Männer und Frauen, die nach den neuesten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2009 in die evangelische Kirche übertreten oder wieder aufgenommen werden. Dabei fällt es offenbar leichter, Protestant zu werden, denn die Vergleichszahl bei der katholischen Kirche erreicht nur knapp 12.700. Die Kirchenaustritte können diese Summen allerdings nicht wettmachen. Sie betrugen in diesem Zeitraum bei den 22 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) knapp 150.000, in den katholischen Bistümern fast 124.000.

Dodenhof liegt im hannoverschen Kirchensprengel Stade, an dessen Spitze der evangelische Regionalbischof Hans Christian Brandy steht. Er sieht die Wiedereintrittsstelle im Kaufhaus als Erfolgsmodell. "Die Zahl der Wiedereintritte ist gestiegen", freut sich der Theologe. "Viele Menschen haben Sehnsucht nach einem Halt im Glauben, nach Liebe und Zusammengehörigkeit. Und ganz generell ist es gut, wenn die Kirche da ist, wo die Menschen sind. Und zu Weihnachten sind sie eben shoppen."

Noch in den 1950er Jahren konnte das Wiedereintreten zum hochnotpeinlichen Akt mit Gewissensprüfung werden. Voraussetzung waren damals Beichte, Bußhandlung und eine Zeit der Bewährung mit regelmäßigem Gottesdienstbesuch. Dann entschied der Kirchenvorstand. "Alles vorbei", winkt die Bremer Pastorin Jeannette Querfurth ab, die in der Hansestadt die evangelische Informations- und Wiedereintrittsstelle leitet. "Das Gespräch ist wichtig. Aber hier muss sich niemand einer Prüfung unterziehen."

Nicht selten sind es die Wendepunkte im Leben, die mit einem Wiedereintritt verbunden sind: Kinder werden geboren, Freunde wollen einen Paten gewinnen, eine Hochzeit steht an. Viele suchen Heimat und Bindung. Querfurth zitiert einen Bänker, der Vater geworden war und ihr gesagt hat: "Die Seele wird nicht satt, wenn man Karriere macht." Constanze Ulbrich hört immer wieder, dass Menschen die Kirche verlassen haben, weil sie in der Phase der Familiengründung oder beim Hausbau jeden Euro sparen wollten. Und nun ist die finanzielle Situation entspannter.

"Bei den meisten hat sich nach einer jugendlichen Sturm-und-Drang-Phase die Einstellung zur Kirche positiv verändert", betont die Theologin, die auch Gemeindepastorin in der Posthausener Kirche gleich neben Dodenhof ist. "Überall wird gespart", erläutert eine 50-jährige Frau in der Wiedereintrittsstelle und Buchhandlung an der Marktkirche in Hannover ihr Motiv, die Kirche mit ihren Steuern zu unterstützen: "Da ist die Kirche ein Ort, an dem viele Dinge noch aufrecht erhalten werden."

In einigen Landeskirchen gibt es mobile Eintrittsstellen, die etwa auf Hochzeitsmessen eingesetzt werden. In der württembergischen Landeskirche können Interessierte den Schritt sogar telefonisch gehen. Das Angebot wird rege genutzt. "Die geschützte Atmosphäre und die Anonymität machen es leichter", berichtet Pastorin Jasmin Schönemann, die bei der kostenlosen Hotline in Stuttgart mitarbeitet.

Manchmal ist der Wiedereintritt sogar eine Überraschung zum Heiligabend. "Ich erinnere mich an einen jungen Mann", berichtet Klaus Bieber, der sich beim Kirchenstand vor dem Supermarkt ehrenamtlich engagiert. "Seine Großmutter litt unter seinem Austritt. Den hat er dann rückgängig gemacht, quasi als Weihnachtsgeschenk." Und auch nach ihrem Tod wollte er Mitglied bleiben. "Er war überzeugt: Oma schaut schließlich von oben zu."

Dieter Sell (epd)

Weihnachtsgottesdienste

weihnachtsgottesdienste

Weihnachten ist nicht nur Tannenbaum und was darunter liegt. Zu Weihnachten gehört für viele Menschen, einen Gottesdienst zu besuchen: mit Krippenspiel oder Weihnachtsoratorium, mit altbekannten Liedern und neuen Gedanken in einer Predigt. Die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz bieten eine Möglichkeit, den richtigen Weihanchtsgottesdienst zu finden.

www.weihnachtsgottesdienste.de

Wiedereintritt?

Und manchmal fällt es dann gerade in der Weihnachtszeit auf: Kirche ist mehr. Vielleicht für manche ein Moment über Wiedereintritt nachzudenken: Was immer Sie bewegt, den Weg (wieder) in die Kirche zu suchen – Sie sind in Ihrer evangelischen Kirche sehr herzlich willkommen! Unsere Türen stehen offen: Wir laden Sie ein, den christlichen Glauben neu zu entdecken und gemeinsam mit anderen Christinnen und Christen zu leben.
 

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