frontnews_kopf

 Bild: Che / photocase.com

Ehrgeiziges Energiesparziel der Landeskirche

Tagesthema 28. November 2011

Der Weltklimagipfel in Durban wurde in der Woche nach dem ersten Advent eröffnet. Zwei Wochen wollen Delegierten den Kampf gegen die Erderwärmung voranbringen. Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz in Durban hat Südafrikas Präsident Jacob Zuma eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung gewarnt. "Der Klimawandel stellt eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit dar, insbesondere für die armen Länder", unterstrich der Gipfel-Gastgeber bei der Eröffnungssitzung. Zum Schutz des Klimas gehören auch Konzepte, weniger Energie zu verbrauchen: Dafür hat sich die hannoversche Landeskirche ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

Zum Klimaschutzkonzept der Landeskirche

60 Prozent sind durchaus drin

Energiesparprogramm im Sprengel Osnabrück
Energiesparen ist möglich – auch ohne großen Umbauaufwand. Davon sind die Experten aus den Gemeinden und Kirchenkreisen im Sprengel Osnabrück überzeugt. Ähnliche Beratungstreffen gibt es auch in den anderen fünf Sprengeln der Landeskirche Hannovers. Foto: G. Schulz-Achelis

Ein Viertel ihrer CO2-Emissionen will die hannoversche Landeskirche bis 2015 einsparen. Dafür wird bis zum nächsten Sommer ein integriertes Klimaschutzkonzept erstellt. Dazu wurden jetzt Praktiker aus dem Sprengel Osnabrück um Rat und ihre Erfahrungen gefragt. Kirchenvorsteher und Mitglieder von Bau- und Umweltausschüssen von Kirchenkreistagen, ehrenamtliche Mitarbeiter in „Umwelt-Teams“ und Kirchenkreisamtsmitarbeiter von Bad Essen bis Bramsche, Barkhausen-Rabber bis Osnabrück diskutierten mit Fachleuten konkrete Klimaschutzmaßnahmen rund um Kirche und Kindertagesstätte, Gemeinde- und Pfarrhaus.

Das landeskirchenweite Konzept wird von der Fachfirma Target aus Hannover erstellt, finanziert zu rund zwei Dritteln von der Bundesregierung und zu einem Drittel von der Landeskirche. Die effizientesten Maßnahmen in den Bereichen Gebäude, Mobilität, Beschaffung und Landnutzung in der Landeskirche sollen identifiziert werden. Solche Workshops gibt es in allen sechs Sprengeln der Landeskirche. Darin werden die zuständigen Fachleute befragt. Im Frühjahr sollen die sich daraus ergebenden Maßnahmevorschläge nochmals mit ihnen besprochen werden. Der Umweltreferent der Landeskirche, Reinhard Benhöfer sagte, ob Energie gespart werde, entscheide sich vor allem bei den Gebäudenutzern auf Kirchengemeinde-Ebene und darüber hinaus durch gezielte Steuerung von Investitionsmitteln im Kirchenkreis.
Die Fachleute berichteten von ihren Erfahrungen: Im Kirchenkreis Bramsche werden Gemeinden stärker gefördert, die an einer Energieeinspar-Schulung teilgenommen haben. In einigen Kirchenkreisen sind Energiekataster der kirchlichen Gebäude erstellt worden. In der Kirchengemeinde Lüstringen hat man ohne investive Maßnahmen 60 Prozent Energieeinsparung bei der Kirchenheizung erreicht mit Hilfe von Messungen, dem Senken der Grund-Temperatur und einem gezielten Anfahren der Heizung nach erwartetem Wetter durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Lüstringen, Bad Essen und die gastgebende Osnabrücker Südstadt-Kirchengemeinde mit der Margareten-Kirche sind „Grüne-Hahn“-Gemeinden, die sich mit ihren durchdachten Umweltschutzmaßnahmen zertifizieren ließen und beachtliche Erfolge erzielt haben.

Die Experten wollten von den erfahrenen Umweltmanagern der Gemeinden Ideen und Hinweise auf Hemmnisse für die Bereiche nachhaltige Beschaffung, nachhaltige Mobilität und Gebäudemanagement mitnehmen. Bei „Beschaffung“ geht es um energieeffiziente elektrische Geräte wie etwa Kühlschränke in Gemeindehäusern oder den Papierverbrauch im Kirchenbüro.
Die Umweltexperten der Gemeinden berichteten auch davon, dass in einigen Gemeinden einige Gemeindeglieder nicht im Januar in eine „Winterkirche“ im kleineren Gemeindehaus Gottesdienst feiern wollten oder dass einige Kirchenvorsteher keine Kredite für energiesparende Baumaßnahmen aufnehmen wollten. Vorgeschlagen wurde ein Wettbewerb für bes-te Energiespar-Beispiele, Ökostrom und ethische Geldanlagen, bei denen also beispielsweise nicht Aktien von umweltschädigenden Energiekonzernen gekauft werden.

Bei der Mobilität sah man das Problem, dass durch Zusammenlegungen Pastoren und Diakone oft schnell und zeitintensiv weite Strecken fahren müssen. Bei der Gebäudenutzung plädierte die Arbeitsgruppe dafür, Gemeinde-Räume entweder viel (und dicht hintereinander) oder gar nicht zu nutzen. Priorität müssten energetische Sanierungen haben. Beklagt wurde, dass in Kirchengemeinden oft das Fachwissen für sinnvolle Maßnahmen fehle.

Steege versprach den Teilnehmern, dass sie über Newsletter und Internetauftritt der Landeskirche über Ergebnisse informiert und auf dem Laufenden gehalten und zu dem Workshop im Frühjahr eingeladen werden. Das Konzept solle auch Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit und eine Erfolgskontrolle enthalten.

krause-burghard

Landessuperintendent Burghard Krause dankte den Umwelt-Engagierten aus den Gemeinden und meinte, es brauche Kenntnisse und Motivation, Vernetzung und Fantasie, um das Ziel 25-Prozent-Einsparung zu erreichen. Die Schöpfung sei nur von den Kindern geliehen. Angesichts von Katastrophenszenarien müsse auch die Lähmung überwunden werden, dass man ja doch nichts tun könne. Der Workshop habe gezeigt, dass viele konkrete Ideen umgesetzt werden könnten.

Gute Nachrichten
für den Norden

evangelische Zeitung

Die Evangelische Zeitung ist das wöchentliche Sonntagsblatt für die Landeskirchen Braunschweig, Hannover und Oldenburg. Ihr Schwerpunkt ist die regionale Berichterstattung. Die Evangelische Zeitung hält ihre Leserinnen und Leser auf dem Laufenden, wenn es um Fragen des Glaubens, der Gemeindearbeit oder um die Entwicklung der Kirche geht. Sie bietet das Forum für offene und faire Auseinandersetzung bei kontroversen Themen. Jede Ausgabe erscheint 52 mal im Jahr – pünktlich zu jedem Wochenende.

Zum Probeabo