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 Bild: Che / photocase.com

Erster Advent

Tagesthema 26. November 2011
liturgische Farbe violett

Advent, Advent,
ein Lichtlein brennt...

Mit dem ersten Advent beginnt das neue Kirchenjahr, die neue Aktion von "Brot für die Welt" und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Diese Vorfreude ist auch eine Bußzeit - deshalb die liturgische Farbe "violett".

Ansonsten ist die Vorfreude eher hell, erleuchtet und laut: Die Menschen treffen sich auf den Weihnachtsmärkten, die in fast jeder Stadt Raum greifen. Sie trinken Glühwein und essen Bratwurst. Sie feiern - und dabei soll nicht vergessen werden: Advent bereitet auf Weihnachten vor, auf die Geburt des Herrn. Und im Advent denken wir an die, denen es nicht so gut geht...

"Brot für die Welt" eröffnet 53. bundesweite Aktion

Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ eröffnet am 1. Advent seine 53. bundesweite Aktion. Der Festgottesdienst in der Kirche St. Reinoldi in Dortmund steht unter dem Motto „Land zum Leben – Grund zur Hoffnung“. Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel erläuterte den Schwerpunkt der neuen Aktion: „Land muss zuallererst die Menschen ernähren, die dort leben.“ Füllkrug-Weitzel forderte die Bundesregierung auf, sich für Sozial- und Umwelt-Standards bei Importen von Futtermitteln, Energiepflanzen oder Agrotreibstoffen einzusetzen.

 

Ackerland in Afrika, Asien und Lateinamerika ist begehrt: Große Unternehmen oder fremde Staaten kaufen riesige Flächen und bauen Futtermittel oder Energiepflanzen für Agrotreibstoffe an. Allein die Länder der Europäischen Union belegen in „Übersee“ für Futtermittelimporte 20 Millionen Hektar – eine Fläche fast halb so groß wie Deutschland. „Wir brauchen dringend internationale Regeln, damit Landraub nicht den Hunger verschärft“, so Füllkrug-Weitzel.

Schwerpunktland der neuen Aktion ist Argentinien. Im Gran Chaco leben die Wichi-Indianer seit Generationen von den Früchten des Waldes. Wenn großflächig gerodet wird, um Soja für Futtermittel anzupflanzen, ist ihre Lebensform bedroht. Die Organisation ASOCIANA, ein Partner von Brot für die Welt, hat diesen Landraub mithilfe von Luftaufnahmen dokumentiert.

Pastor Günther Barenhoff, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, betonte: „Wir freuen uns sehr, dass die zentrale Eröffnung in Westfalen stattfindet und werden uns mit ‚Brot für die Welt‘ für die Schwachen einsetzen.“ Es dürfe nicht sein, dass für unsere Art der Ernährung oder unsere Umweltbilanz Menschen hungern müssten, so Barenhoff. In Westfalen sei der Eine-Welt-Gedanke gut verankert. So mache sich Dortmund als Fairtrade Stadt für gerechte Handelsbeziehungen stark, die den Produzenten im Süden eine Existenz sichern.

Brot für die Welt
Logo Brot für die Welt

„Brot für die Welt“ wurde 1959 gegründet und unterstützt heute über 1000 Projekte in den Ländern des Südens. Bundesweit werden während der Aktion mehr als 38 Millionen Euro an „Brot für die Welt“ gespendet. Die Weihnachtskollekte in evangelischen Gemeinden ist traditionell für das evangelische Hilfswerk bestimmt.

Zu "Brot für die Welt"

Adventskalender für "Brot für die Welt"

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Übergabe des "immerwährenden Adventskalender", Bild: Jens Schulze

Für jeden Tag in der Advents- und Weihnachtszeit eine Seite, für 24 Tage Hörspiele zum Anhören und dies alles auch noch für einen guten Zweck. Mit dem "Immerwährenden Adventskalender", den das Lutherische Verlagshaus in Zusammenarbeit mit der NDR-Radiokirche produziert hat, wird die diesjähruige Adventsaktion von "Brot für die Welt" unterstützt. Den ersten Adventskalender überreichte Uwe Becker vom Diakonischen Werk dem Landesbischof. Eine Besonderheit des Kalender: Er begleitet nicht nur durch die Adventszeit, sondern auch noch bis zum 6. Januar, dem Epiphaniasfest.

www.landesbischof-hannovers.de

Adventskalender zum Sehen, Hören und Spenden

Ralf Meister erklärt Advent

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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Aber - was ist das eigentlich, Advent? Ralf Meister, Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, beantwortet bei e-wie-evangelisch die Frage.

Das Stichwort: Advent

Mit dem ersten Adventssonntag am 27. November beginnt das neue Kirchenjahr. Christen feiern in der Adventszeit bis Weihnachten das Kommen Gottes in die Welt. Nach dem christlichen Glauben wurde Gott in Jesus von Nazareth als Mensch geboren; Jesus Christus wird damit zur Brücke zwischen Gott und den Menschen. Das ist der Kern der christlichen Heilsbotschaft. Advent, abgeleitet vom lateinischen "adventus" für Ankunft, und Weihnachten entstanden als christliche Feste erst im 4. bis 5. Jahrhundert.

In den vergangenen Jahren ist bei vielen Christen der Wunsch nach mehr Spiritualität und meditativer Ruhe in der Adventszeit gewachsen. Die Kirchen wehren sich gegen verfrühten Weihnachtsrummel, der schon lange vor der Adventszeit beginnt. Auch die Öffnung von Geschäften an den Adventssonntagen stößt bei den Kirchen auf scharfen Protest.

Brauchtum und Traditionen

Um die Zeit vor Weihnachten hat sich in den vergangenen Jahrhunderten ein reiches Brauchtum entwickelt: Dazu gehören Adventskalender und -kränze sowie besondere Speisen, Süßigkeiten und Kirchenlieder. Europas größter Adventskranz ist am Montag erneut in fast 60 Metern Höhe über Lüneburg installiert worden. Ein Kran hob den Aluminium-Ring mit 13 Metern Durchmesser und nachgebildeten Kerzen auf den historischen Wasserturm der Stadt. Ab dem 1. Advent könnten Menschen den Kranz per Handy-Kurzmitteilung zum Leuchten bringen.

Die beiden in Deutschland heute am weitesten verbreiteten Bräuche, Adventskranz und -kalender, sind noch relativ jung. Der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern ließ 1839 in dem von ihm gegründeten "Rauhen Haus", einem Heim für verwahrloste Jugendliche, einen großen Holz-Kranz aufhängen. Dieser trug für jeden Tag bis Weihnachten eine Kerze.

Adventskalender wurden erstmals um die Jahrhundertwende in München in größerer Auflage produziert.

epd