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Rückblick

Öffnen von Weite

vergangen

Zunächst ging es vor allem darum  gegenseitige Kenntnis, ökumenisches Bewusstsein, gemeinsame Aktivitäten und Zusammenarbeit zwischen kooperationsbereiten Gemeinden anderer Sprache und Herkunft (GaSH) und Gemeinden der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers zu fördern. Und so die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers praktisch-ekklesiologisch für die mit den GaSH gegebene kulturelle und ethnische Weite zu öffnen.

Erste Projektphase

In der ersten Projektphase, von Februar bis Juni 2011, wurden alle Gemeinden und Superintendenturen der Landeskirche telefonisch kontaktiert und über das Projekt informiert. Neben der Vorstellung des Projekts dienten die Telefonate auch dazu, in Form von kurzen Interviews bereits bestehende Kontakte zwischen landeskirchlichen Gemeinden und den GaSH zu ermitteln.

Dabei wurden Erfahrungen bisheriger Zusammenarbeit gesammelt, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen sowie erste Kontakte zu GaSH eröffnet. Im Anschluss an die Interviews wurden die erhobenen Daten in eine speziell dafür entwickelte Datenbank integriert.

Auf der Grundlage der erhobenen Daten wurde so eine Übersicht über die Kontakte und Erfahrungen landeskirchlicher Gemeinden mit GaSH, mögliche Felder der Zusammenarbeit zwischen landeskirchlichen Gemeinden und denen anderer Sprache und Herkunft gewonnen sowie Listen von Interessierten, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Bereich der Landeskirche Hannovers erstellt, die gezielt zu der Tagung Anfang März 2012 in Loccum eingeladen und zum Teil als Referenten gewonnen werden konnten.

Interviews und Recherche

Die Kenntnisse landeskirchlicher Gemeinden über die GaSH, die regelmäßig in ihren Räumen zu Gast sind, variieren. Die Befragung hat außerdem ergeben, dass viele Gemeinden einmal oder mehrmals im Jahr einen gemeinsamen Gottesdienst gestalten – beispielsweise in der Adventszeit, zu Pfingsten oder zum Erntedank – und sich gegenseitig zu besonderen Festen beziehungsweise Gottesdiensten einladen oder in anderer Weise etwas miteinander unternehmen.

Die Pastorinnen und Pastoren der landeskirchlichen Gemeinden betonten in den Telefoninterviews mehrfach die positiven Wirkungen des gegenseitigen kulturellen Austausches für das Gemeindeleben, berichteten aber auch über das anfängliche gegenseitige Vorbehalte. Auf dieser Basis haben die Interviews deutlich herausgestellt, dass ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt im Aufbau von Beziehungen und Vertrauen liegt. Die Reaktionen während der Telefonate waren durchweg positiv. Die Gesprächspartner bekundeten zum Teil, an diesem Projekt starkes Interesse zu haben.

Parallel dazu wurden Erfahrungen aus anderen Landeskirchen und Werken abgefragt. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass sich in anderen Landeskirchen schon Fortbildungsprogramme für Gemeindeleiter der GaSH erfolgreich etabliert haben. Die Recherche bei anderen Landeskirchen hat des Weiteren ergeben, dass die Arbeit mit der zweiten Generation der GaSH-Mitglieder in vielen Gegenden zunehmend ins Blickfeld gerät und einen bedeutenden Stellenwert eingenommen hat. Die Befragung hat gezeigt, dass andere Landeskirchen gute Erfahrungen mit einer strengen Bedarfsorientierung in Bezug auf die landeskirchlichen Angebote gesammelt haben.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Telefoninterviews wie auch die Erfahrungen anderer Landeskirchen zeigten, dass in diesem Arbeitsfeld sowohl viel Potenzial als auch gesellschaftliche Verantwortung liegt.

Um dieses Projekt reflektierend zu begleiten, zu unterstützen und eine nachhaltige Vernetzung aufzubauen, wurde parallel zu den Telefoninterviews ein Beirat gegründet – unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen und des Diakonischen Werks der Landeskirche Hannovers. Die Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus Migrationsgemeinden wird angestrebt.

Seit Juni 2011 werden – in enger Absprache mit den jeweiligen landeskirchlichen Gemeinden – Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern der GaSH aufgenommen. Einige von ihnen sind unserer Einladung nach Loccum gefolgt und haben gemeinsam mit Interessierten aus der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, mit Fachleuten und mit dem Projektteam diverse Fragen diskutiert, Themen und Felder der Kooperation gesichtet und evaluiert sowie gemeinsame Perspektiven entwickelt.

Tagung „Glauben leben – vielfältig, international, interkulturell. Migrationsgemeinden und deutsche Gemeinden auf dem Weg“

Die gut besuchte Tagung „Glauben leben – vielfältig, international, interkulturell. Migrationsgemeinden und deutsche Gemeinden auf dem Weg“ vom 1. bis 3. März 2012 in der Evangelischen Akademie Loccum hatte das Ziel, im Kreise einheimischer und zugewanderter Fachleute und Interessierter Impulse dafür zu geben, wie das Miteinander zwischen landeskirchlichen und Migrationsgemeinden weiterentwickelt werden kann und wie die An- fragen an das Eigene, die sich durch die Begegnung mit Gemeinden anderer Sprache und Herkunft stellen, sinnvoll bearbeitet werden können.

Mit 75 Teilnehmenden wurde die anvisierte Teilnahmezahl signifikant übertroffen. Es nahmen Multiplikatoren (Pastor/innen, Kirchenvorsteher/innen, Synodale, ehrenamtlich Aktive) sowohl aus der Landeskirche als auch aus GaSH teil. Die Teilnehmenden kamen aus verschiedenen Gebieten der Landeskirche; die Herkunftsregionen der GaSH-Vertreter sind verschiedenen Kontinenten (Europa, Afrika, Asien, Amerika) zuzuordnen.

Die Bereitschaft, in diesem Bereich aktiv zu bleiben oder zu werden, und die Erwartung, hierbei von der Landeskirche unterstützt zu werden, wurden deutlich signalisiert. Die Tagung wurde von vielen als Start dafür empfunden, dass sich die Landeskirche des Themas GaSH in kontinuierlicher Weise annimmt.

Im Ergebnis der Tagung wurden vor allem vier Bereiche der Weiterarbeit identifiziert:

  • Bewusstsein in der Landeskirche wecken
  • Interkulturelle Öffnung der Landeskirche
  • Fortbildung für GaSH-MultiplikatorInnen
  • Vernetzung

Gleichzeitig wurden verschiedene Maßnahmen überlegt, mittels derer in den vier Bereichen weitergearbeitet werden soll. Dafür sollten zum einen bestehende Formate genutzt und zum anderen neue entwickelt werden. So gelang es Interkulturalität in landeskirchliche Fortbildungsangebote einzutragen. Zu nennen sind z. B.

  • Landeskirchliche Fortbildungsträgerkonferenz „Fortbildung interkulturell“, 22./23. November 2012
  • Interkulturalität als Thema in mehreren Foren und Workshops beim Kongress „Kirche 2“ (14.-16. Februar 2013)
  • Fortbildung zu interkulturellen Gottesdiensten im Michaeliskloster Hildesheim am 21./22. Februar 2014
  • Interkulturalität als Thema eines ökumenischen Pastoralkollegs, 5.-8. Mai 2014

Interkulturelle Gottesdienste

Interkulturelle Gottesdienste unter Beteiligung zahlreicher Gemeinden gibt es zurzeit in Göttingen, Hannover und Osnabrück.

Studientag Kirche Interkulturell

Bei den Studientagen Kirche Interkulturell kommen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus einheimischen Gemeinden und Gemeinden anderer Sprache und Herkunft mit dem Ziel zusammen, sich gegenseitig besser kennenzulernen und sich gemeinsam über inhaltliche Fragen auszutauschen.

Der erste Studientag am 26.01.2013 in Hannover mit etwa 50 Teilnehmenden befasste sich mit dem Thema „Glaube und Menschen zwischen den Welten“ und unterstützte ein vertieftes Kennenlernen: Einheimische Gemeinden und Gemeinden anderer Sprache und Herkunft hier in Niedersachsen – beide sind christliche Gemeinden, aber vieles ist unterschiedlich. Wie „ticken“ eigentlich die anderen? Und welche Rolle spielt in den Gemeinden die zweite Generation?"

Der zweite Studientag mit den Themen „Diakonie“ und „Internationaler Konvent“ fand am 14.09.2013 in Hannover statt. Mehr als 30 Christen unterschiedlicher Sprache und Herkunft kamen zusammen.

Im Zentrum des Austauschs von Landeskirche und Migrationskirchen stand am Vormittag die Frage nach dem diakonischen Engagement. Wie helfen wir denen, die Hilfe brauchen? Am Nachmittag wurden Modelle einer besseren Vernetzung zwischen Landeskirche und Migrationskirchen vorgestellt.

Organisierte Vernetzung hat nicht nur den internationalen Gemeinden eine gemeinsame Stimme gegeben, sondern sensibilisiert auch die Landeskirchen für Migrationsgemeinden und bereichert sie durch neue Impulse aus Europa, Asien und Afrika bereichert.

Mittlerweile leben viele Migrationsgemeinden in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland, und sind Mieter von landeskirchlichen Gebäuden. Hier eine Begegnung auf Augenhöhe zu ermöglichen und vorhandene Vernetzung zu vertiefen, war Ziel der Tagung.

Wanderausstellung „Gesichter des Christentums“

Die Wanderausstellung „Gesichter des Christentums“ wurde am 8. September 2013 in Osnabrück von ihrem Schirmherrn Landesbischof Ralf Meister eröffnet. Sie greift die neue kulturelle und konfessionelle Vielfalt des Christentums in Niedersachsen auf, die durch Migration entstanden ist und sich noch weiter entwickeln wird. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land steigt ja kontinuierlich an.

Diese Pluralität führt die Ausstellung anhand von Porträts vor Augen: So lernen wir einen lutherischen Hannoveraner aus Nigeria kennen, eine pfingstlerische Langenhagenerin aus Ghana, einen katholischen Bremerhavener aus Indien, einen evangelischen Göttinger aus Indonesien und einen syrisch-orthodoxen Hannoveraner aus der Türkei. Wir sehen Menschen, die unsere Nachbarn sein könnten, erfahren etwas über ihr Leben und über ihren Glauben

Neben der Vielgestaltigkeit des Christentums werden auch Elemente deutlich, die – bei aller Unterschiedlichkeit– die vorgestellten Menschen einen: Alle sind getauft, alle lesen in der Bibel, alle beten das Vaterunser.

Und es wird deutlich: Die christlichen Migrantinnen und Migranten primär zu Objekten kritischer Beurteilung oder diakonischer Fürsorge zu machen, ist unangemessen. Vielmehr sind sie Geschwister im Glauben, die Kirche und Gesellschaft in diesem Land mitgestalten.

Die Ausstellung weist auch auf den Beitrag des Christentums zur Integration hin: Glaube und Gemeinde sind zum einen eine Quelle dafür, die Identität in dem neuen Umfeld zu bewahren und weiterzuentwickeln. Zum anderen bilden beide eine Brücke, die die hinzugekommenen mit den einheimischen Christinnen und Christen verbindet. Bei aller unterschiedlicher Akzent- setzung im christlichen Erbe ist der Glaube eine gemeinsame Ressource, die der Verständigung, dem Kennenlernen, der Bearbeitung von Konflikten und dem Lernen voneinander dienen kann.„Gesichter des Christentums“ will dazu beitragen, dass die Kirchen diese Prozesse anstoßen, begleiten und fördern.

Schwerpunkt dieser Ausstellung war ausdrücklich nicht die Debatte um die „christlich-jüdischen Wurzeln“ Deutschlands, die vor allem eine Abgrenzung von denjenigen Religionen zum Ziel hatte, die nicht Christentum oder Judentum sind. Diese Ausstellung ist ein erster – auf das Christentum bezogener – Schritt dafür, die religiöse und kulturelle Vielfalt in unserem Land in den Blick zu nehmen und sich dafür zu öffnen. Weitere Schritte werden folgen.

Die Ausstellung ist von den Arbeitsfeldern Migration und Integration sowie Ökumene im Haus kirchlicher Dienste erarbeitet worden. Bis Sommer 2015 wird sie durch rund 15 Orte in der Landeskirche wandern. Die zunächst 16 Porträts werden an jedem Ausstellungsort durch ein weiteres ergänzt.

Sie ist ein weiterer Beitrag der Landeskirche zum Themenjahr 2013 „Reformation und Toleranz“.