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Ausblick

Anhaltende Trends

zukunft

Aller Voraussicht nach werden die Trends zur Säkularisierung und zur Pluralisierung der religiösen und weltanschaulichen Landschaft in der deutschen Gesellschaft anhalten. Viele Menschen haben das Bedürfnis nach einer erfahrbaren und vor allem auch heilenden Religion. Beide Bedürfnisse erfüllt das Christentum in den Augen vieler Menschen nur unzureichend. So wird sich die Entwicklung hin zu neuen religiösen und esoterischen Angeboten fortsetzen. Davon werden in bescheidenem Umfang wohl auch neue christliche Gemeinden mit charismatischem Profil profitieren.

Konversion und Migration

Gleichzeitig werden gegen den Trend einzelne Religionen wachsen, wobei z.T. weniger die Konversion als die Migration eine Rolle spielen wird. Hindus werden unter sich bleiben und allenfalls durch neohinduistische Bewegungen wie beispielsweise Hare-Krishna (ISKCON) oder andere die Menschen erreichen. Anders dürfte es beim Buddhismus sein, der ein hohes Ansehen bei der einheimischen Bevölkerung genießt und für Einzelne so attraktiv ist, dass sie konvertieren. Hier liegt die Herausforderung für die Buddhisten selber im gelingenden Miteinander von Migrationsgemeinschaften und solchen mit einheimischer Herkunft.

Wieweit Anpassungsprozesse die traditionelle Religion verändern, ob sich ein prognostizierter westlicher Buddhismus entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Möglicherweise könnte der Tod einer Galionsfigur wie des Dalai Lama negative Auswirkungen haben. Auch könnte eine weitere diffuse Beeinflussung durch esoterische Trends den Gruppen mit einer traditionellen religiösen Orientierung schaden.

Gleichgültigkeit gegenüber Religion

Der weltanschauliche Atheismus tritt zum Teil aggressiv auf und greift Religionen und ihre angeblichen Privilegien vehement an, wofür die Giordano Bruno Stiftung (gbs) ein Beispiel ist. Hier wird ein Laizismus nach französischem oder amerikanischem Vorbild gefordert. Andere atheistische Vertreter versuchen sich als Anbieter mit einem eigenen weltanschaulichen Profil zu etablieren und berufen sich dabei auf das Grundgesetz, wie es der „Humanistische Verband Deutschlands“ (HVD) tut. In manchen Fällen, wenn es sich z.B. um die Kirchensteuer handelt, gehen beide Gruppen zusammen.

Beide Lager sind sehr lautstark und haben wohl von dem Hype um die sog. „Neuen Atheisten“ vor einigen Jahren profitieren können. Gleichwohl bleiben sie außerhalb Berlins, wo der Lebenskundeunterricht der „Humanisten“ viele Schüler(innen) mit steigender Tendenz erreicht, wenig erfolgreich. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Religion, der sog. „Gewohnheitsatheismus“ macht nicht nur den Kirchen, sondern auch dem organisierten Atheismus oder „Humanismus“ zu schaffen.

Dialogfähigkeit

Die Fähigkeit zum Dialog und eine begründete Apologetik, die differenziert und mit guten Argumenten den christlichen Glauben in dieser Situation zu vertreten weiß, müssen gefördert werden! Dazu gehören gute Kenntnisse über Religionen und Weltanschauungen und Begegnungen mit ihren Vertretern. Die klassische Weltanschauungsarbeit, wie sie in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vertreten wurde, muss in dieser Richtung weiter entwickelt werden.

Die vielfältigen Ergebnisse moderner Religionssoziologie oder auch Religionspsychologie sind dabei genauso zu berücksichtigen wie klassische Religionswissenschaft und Theologie. Das Thema gehört nicht nur in den akademischen oder kirchenleitenden Kontext, sondern ist bis auf die Ebene der kirchengemeindlichen Arbeit zu vermitteln, um gleichzeitig die Toleranz in unserer Gesellschaft zu fördern und den eigenen Glauben in einer multireligiösen Welt zu stärken.

Profil und klassische Aufgaben

Neben der Entwicklung des Profils der Weltanschauungsarbeit für die neue Situation, bleiben die klassischen Aufgaben bestehen. Es bleibt weiterhin wichtig, problematische Erscheinungen wie die Zeugen Jehovas oder Scientology zu beobachten, vor manchen Dingen zu warnen und Menschen Hilfe anzubieten, die hier geschädigt worden sind und eine neue Orientierung im Leben anstreben. Alle Religionen können eine destruktive Seite zeigen. Darum gilt es auch, die Augen vor problematischen Erscheinungen oder gar sektenhaften Tendenzen in christlichen Gemeinschaften nicht zu verschließen.

Umso mehr ist es zu begrüßen, wenn Gemeinschaften wie die „Neuapostolische Kirche“ (NAK) sich wandeln und offener werden sowohl für die Gesellschaft als auch für die Ökumene der Christen. Der Prozess ist im Falle der NAK noch nicht abgeschlossen, aber er scheint erst einmal unumkehrbar zu sein. Begegnungen, die dem gegenseitigen Kennenlernen dienen, sind in diesem Fall nun viel eher möglich. Ob die Zeit für eine Mitgliedschaft in ökumenischen Organisationen über die lokale Ebene hinaus möglich sind, wird sich noch zeigen.