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Rückblick

Der Zivildienst ging – der Bundesfreiwilligendienst kam

vergangen

Die wohl größte Herausforderung der letzten Jahre in diesem Arbeitsfeld war die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes. Im Dezember 2010 hatte der Bundestag die Aussetzung der Wehrpflicht beschlossen und sich für die Schaffung eines Bundesfreiwilligendienstes ausgesprochen.

Bis zur Verabschiedung des Bundesfreiwilligendienstgesetzes (BFDG) und auch danach gab es insbesondere von Seiten der Kirchen und des Diakonischen Werkes der EKD die Aufforderung an die Bundesregierung, die Subsidiarität zu wahren, die freien Träger zu stärken und das FSJ auszubauen, statt einen zusätzlichen Dienst und damit eine zusätzliche Struktur zu schaffen.Mit dem Bundesfreiwilligendienstgesetz wurden jedoch neue Tatsachen geschaffen.

Aufgrund der kurzfristigen Einführung gab es auf Seiten des zuständigen Bundesministeriums eine Vielzahl handwerklicher Fehler, die sich sowohl auf die Verfahrensabläufe als auch auf die finanziellen Rahmenbedingungen für die Träger bezogen. Auch die fehlende Planungssicherheit über die zu erwartenden Platzkontingente und ungeklärte rechtliche Fragen für die Teilnehmenden erschwerten den Start. Insgesamt kam es zu einer Risikoverlagerung auf die Träger der Freiwilligendienste.

Trotz dieser unsicheren Situation und der für die Mitarbeitenden vielfältigen Anforderungen und Herausforderungen hatte sich das Diakonische Werk für die Trägerschaft und den Aufbau eines Bundesfreiwilligendienstes entschieden. Rückblickend betrachtet war dies eine richtige Entscheidung.

Die diakonischen Einrichtungen, Kirchengemeinden und Kirchenkreise brauchen die Freiwilligen. Sie unterstützen hauptamtliche Mitarbeitende, bereichern durch den frischen Wind, den sie mitbringen, und sind nicht selten selbst künftige Mitarbeitende.

Aus regelmäßigen Evaluationen wissen wir, dass die Freiwilligen, die eine gute Einarbeitung und zugewandte und kompetente Anleitung erlebt haben und die Möglichkeit hatten, sich auszuprobieren und den Einsatz mitzugestalten, nicht selten ein Studium oder eine Ausbildung in diesem Bereich wählen und damit potentielle Mitarbeitende in der Diakonie und Kirche werden. Zudem werden sie zu „Öffentlichkeitsmitarbeitenden“, die ein positives Image von Kirche und Diakonie als Arbeitgeber nach außen tragen. Angesichts des bestehenden und sich verstärkenden Fachkräftemangels ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Neue Finanzierungsgrundlagen wurden geschaffen

Mit der Hinzunahme des Bundesfreiwilligendienstes im Jahr 2011 wurden bundesweit nicht nur Mittel für geplante 35.000 Stellen im Bundesfreiwilligendienst bereitgestellt. Es gab auch eine Veränderung in der Förderung des FSJ, die bis dahin gedeckelt war und in deren Rahmen für den Bereich der Landeskirche lediglich 180 FSJ-Plätze bezuschusst wurden. Nur durch zusätzliche Mittel der Landeskirche und der Einsatzstellen konnte die Platzzahl auf jährlich 200 – 250 erhöht werden. Gleichwohl lagen die zu besetzenden Stellen in den Einrichtungen und Diensten der Kirche und Diakonie und Zahl der Interessenten weit darüber.

Rasanter Ausbau der Angebote für Freiwillige im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und im Bundesfreiwilligendienst (BFD)

Trotz einiger ungeklärter finanzieller und organisatorischer Eckpunkte im Zusammenhang mit der Einführung des BFD hat das Diakonische Werk mit Beginn des Durchgangs 2011/2012 die Platzangebote ausgeweitet, um der stark gestiegenen Nachfrage von Einsatzstellen und Bewerbern entsprechen zu können.

Neuer Freiwilligendienst führt zu neuen Konzepten

Für Freiwillige, die unter 27 Jahre alt sind, besteht die Verpflichtung, an Seminaren mit insgesamt 25 Tagen, die in der Regel in fünf einwöchige Seminare unterteilt sind, teilzunehmen. Die Hinzunahme des BFD führte zu einer Weiterentwicklung der Seminararbeit, indem z.B. erstmals 18 Wahlpflichtangebote hinzugenommen wurden, die den Teilnehmenden am FSJ eine ihren Neigungen und Interessen entgegenkommende Auswahl ermöglicht. Ausgehend von den hohen Standards des verbindlichen QM-Handbuchs der Evangelischen Trägergruppe für die Seminararbeit und die individuelle pädagogischen Begleitung im FSJ, wurden auch für den BFD entsprechende Standards entwickelt und eingeführt.

Neu für alle Träger von Jugendfreiwilligendiensten war, dass mit der Einführung des BFD auch Freiwillige über 27 Jahre einen Freiwilligendienst leisten können. Sie haben die Möglichkeit, diesen auch in Teilzeit mit mindestens 20,1 Wochenstunden wahrzunehmen. 17 Freiwillige im Alter von 28 bis 70 Jahren haben diese Möglichkeit im ersten Jahrgang genutzt. Während der Gesetzgeber im ersten BFD- Jahr noch von einer Seminarpflicht in angemessenen Umfang sprach, so sind inzwischen zwölf Seminartage gesetzlich verankert.

Anleitende für ihre Aufgabe befähigen und unterstützen

Neben der Seminararbeit und pädagogischen Begleitung der Freiwilligen durch das Diakonische Werk, kommt der Begleitung im Einsatzfeld der jeweiligen Einrichtung eine große Bedeutung zu. Damit diese auf einer gemeinsamen Grundlage und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben erfolgt, werden die Anleitenden durch das Diakonische Werk geschult, beraten und begleitet.

Die gestiegen Zahl der Anleitenden aufgrund des Ausbaus der Plätze und der Hinzunahme des BFD erforderte neue Struktur. So finden jetzt jährlich bis zu sieben dezentrale Anleitendenfortbildungen statt, die u.a. Workshops für Mitarbeitende, die zum ersten Mal eine Anleitendenfunktion wahrnehmen oder Workshops zum Austausch und anleitungs- und jugendrelevante Themen beinhalten.

Die Gründung des Diakonischen Werks evangelischer Kirchen e.V. hat Auswirkungen auf die Arbeit im Referat Freiwilligendienste

Mit der Gründung des Diakonischen Werks evangelischer Kirchen wurden die Freiwilligendienste der Diakonischen Werke der Landeskirche Braunschweig und der Landeskirche Hannovers zusammengelegt. Im ersten gemeinsamen Jahrgang  2014/2015 haben 300 Freiwillige einen Bundesfreiwilligendienst und 510 Freiwillige ein Freiwilliges Soziales Jahr geleistet. Zweidrittel davon im Bereich der Landeskirche Hannovers. In 33 Seminargruppen werden Freiwillige von 24 pädagogischen Mitarbeitenden des Diakonischen Werks begleitet.