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Krankenhäuser

Rahmenbedingungen

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Die Kliniklandschaft in Niedersachsen wird sich weiter verändern. Haben 2011 bereits 43 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser in Deutschland das Jahr mit einem Defizit abgeschlossen, so waren es 2012 bereits zwei Drittel.

Ursache für diese Situation ist die unzureichende Refinanzierung der Lohnkosten in den Krankenhäusern durch die Krankenkassen sowie eine Ungleichbehandlung von Krankenhäusern in den Ländern.

Aktuell gibt es in Niedersachsen insgesamt 171 Krankenhäuser mit ca. 46.000 Planbetten. Auf den Bereich der hannoverschen Landeskirche fallen noch elf evangelische Krankenhäuser mit ca. 3000 Betten. 2007 waren es noch 20 Krankenhäuser mit ca. 4000 Betten.

Die Häuser sind Mitglied des Diakonischen Werkes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V. und des Evangelischen Krankenhausverbandes Niedersachsen. Der Anteil privater Krankenhäuser steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an, während die Zahl der kommunalen Häuser abnimmt. Evangelische Krankenhäuser in Osnabrück, Bramsche, Lilienthal, Hann.-Münden, Alfeld, wurden seit 2007 privatisiert, kommunalisiert oder wechselten die Trägerschaft zu anderen Wohlfahrtverbänden.

Fusionen von Krankenhäusern

In Deutschland findet derzeit im Krankenhausbereich eine Trägerkonzentration von bisher unbekanntem Ausmaß statt.1 Deutschland nimmt hier international eine Sonderrolle ein. Der private Marktanteil beträgt in Deutschland mittlerweile ca. 18 Prozent. Damit liegt Deutschland unter den Industrieländern ganz vorn, noch vor den USA.

Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung, die Krankenhäuser der ProDiako Gruppe (Neu-Bethlehem Göttingen, Bad Pyrmont, Holzminden, Rotenburg) der Agaplesiongruppe anzuschließen, konsequent. Nach dem Zusammenschluss mit proDIAKO zählt das Unternehmen zu den „Top Ten“ des Gesundheitsmarktes mit mehr als 17.000 Menschen in den über 100 Einrichtungen und ist der größte diakonische Krankenhauskonzern Deutschlands mit nahezu einer Milliarde Jahresumsatz.

Ziel ist es, christlich-diakonische Krankenhäuser im Profil gegenüber anderen Wettbewerbern zu schärfen und das Angebot christlicher Krankenhäuser auch zukünftig zu sichern.

Die Krankenhausgruppe „Diakonische Dienste Hannover“, die die klassischen großen evangelischen Stifte der Stadt, Henriette, Friederike und Anna, vereinigt, hat in den zurückliegenden Konsolidierungsanstrengungen erfolgreich fortgesetzt. Diese Bemühungen werden jedoch durch die Quersubventionen an die Krankenhäuser der Region Hannover und an die MHH konterkariert.

Erheblicher Spardruck

Die Krankenhäuser haben in den letzten Jahren durch die Einführung der DRG erhebliche Einsparungen vornehmen müssen. Zusätzlich wurde bei den Investitionen erheblich eingespart.

Inzwischen können die Krankenhäuser die gesetzlich verordneten Kürzungen aus eigenen Mitteln oder aus Wirtschaftlichkeitsreserven nicht mehr auffangen. Für 2013 ist nur eine hälftige Refinanzierung der Tariflohnentwicklung beschlossen worden, die andere Hälfte müssen weiterhin die Krankenhäuser aus dem laufenden Betrieb heraus finanzieren.

Darüber hinaus sind die Krankenhäuser nach wie vor mit der fehlenden Refinanzierung der Tariflohnentwicklung aus den davor liegenden Jahren (Tarifschere) belastet.
 

Vom Land verschuldeter Investitionsstau

Die Landespolitik hat vor allem im Bereich der Krankenhausplanung Einfluss auf die Entwicklung der Versorgungslandschaft. Die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, wirtschaftlichen und möglichst wohnortnahen medizinischen Versorgung in ganz Niedersachsen ist eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Aufgaben des Landes.

Das Land stellt Investitionsmittel für die Krankenhäuser bereit, kommt jedoch seinen Pflichten nicht im ausreichenden Maße nach. So stehen die Häuser vor einem Investitionsstau aus den letzten Jahren in Höhe von ca. 1,07 Mrd. €. Dem stehen jährliche Investitionsmittel von „nur“ 120 Mio. zur Verfügung. Niedersachsen liegt seit Jahren am untersten Ende der Krankenhausfinanzierung in Deutschland.

Ethische Fragen nehmen zu

Die zunehmende Spannung zwischen wirtschaftlichen Zwängen und ethischen Anforderungen, die Fortschritte der modernen Medizintechnik und der Wertewandel in der Gesellschaft führen oft zu schwer lösbaren ethischen Problemen.

Für die evangelischen Krankenhäuser ist dies Anlass, den ethischen Dialog im Gesundheitswesen voranzutreiben. So nutzt die DDH den Buß- und Bettag seit Jahren, um ethische Themen wie z.B. die Spätabbrüche gemeinsam mit der Mitarbeitendenschaft zu thematisieren.

1. Der Gesundheitskonzern Fresenius will für rund 3,1 Milliarden Euro den Klinik- betreiber Rhön-Klinikum übernehmen. Zu diesem Gesundheitskonzern (Helios und Rhön) gehören dann 200 Krankenhäuser in Deutschland.