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Wohnungslose

Zahl der Wohnungslosen steigt

grundtext

Die Wohnungslosenhilfe der Diakonie hilft Menschen, die wohnungslos sind, Menschen die wohnungslos waren und Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

Wohnungslos ist, wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt. Wohnungslose Menschen leben im öffentlichen Raum, in Verschlägen, unter Brücken, Notschlafstellen, Wärmestuben, Übergangswohnheimen, Asylen und Herbergen. Sie finden sich in Übergangswohnungen, Frauenhäusern, befristeten Herbergen, Auffangstellen, in Quartieren für Arbeitsmigranten, vorübergehend in Gefängnissen, Krankenhäusern, Heilanstalten, Jugendheimen oder in ambulanter Wohnbetreuung. Manche finden temporäre Unterkunft bei Freunden/Bekannten/Verwandten. Manche wohnen in Provisorien wie Wohnwagen, Garagen, Kellern, Dachböden, Zelten oder Abbruchhäusern. Manche können die Miete nicht aufbringen und möglicherweise wird die Wohnung durch ein gerichtliches Verfahren zur Auflösung des Wohnverhältnisses bedroht.

Die Zahl der Wohnungslosen Menschen kann nur geschätzt werden. Nach den jüngsten Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosen- hilfe e.V. (BAG-W) steigt die Zahl der Wohnungslosen: 2012 waren ca. 284.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung, 2010 waren es noch 248.000 – also ein Anstieg um ca. 15 %. Die BAG W prognostiziert bis 2016 einen weiteren Anstieg der Wohnungslosigkeit um ca. 30 % auf dann 380.000 Menschen. Auch wenn keine vollständige Wohnungslosenstatistik für Niedersachsen geführt wird, geht man davon aus, dass etwa 10% der BAG-W Schätzung auf Niedersachsen entfallen.1

Die Hilfe für wohnungslose Menschen ist, sozialhilferechtlich gesehen, eine Aufgabe des Landes Niedersachsen und der niedersächsischen Landkreise sowie der kreisfreien Städte. Ordnungsrechtlich gesehen ist es Aufgabe der kreisangehörigen Städte und Gemeinden, wohnungslose Menschen zunächst unterzubringen bis eine weitergehende Hilfe gefunden werden kann. Traditionell sind die Kirchengemeinden und die kirchlichen Wohlfahrtsverbände mit der Hilfe für Wohnungslose Menschen befasst. Die Wohnungslosenhilfe gehört zu den „Werken der Barmherzigkeit“. Inzwischen sind die ursprünglich kirchlichen Einrichtungen und Initiativen Partner der Kommunen und des Landes. Der überwiegende Teil der Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen wird von Mitgliedseinrichtungen der Diakonischen Werke der Ev. Kirchen in Niedersachsen erbracht.

Die Wohnungslosenhilfe wird weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Rechtsgrundlage ist das achte Kapitel des zwölften Sozialgesetzbuches, die „Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (§§ 67ff SGB XII)“. Die Ausgaben des Landes Niedersachsen für diesen Hilfebereich betrugen in den letzten Jahren rund 30 Millionen Euro. Ergänzt werden die staatlichen Mittel aus landeskirchlichen Kollekten und aus Mitteln der Wohlfahrtslotterien. Hieraus werden Starthilfen und Modellprojekte finanziert sowie Finanzierungslücken geschlossen, die vor allem in den offenen, niedrigschwelligen Angeboten zu Tage treten.

1. Pressemitteilung der BAG-W vom 01.08.2013
2. Untersuchung des Nds. Sozialministeriums, Stand August 2014
3. Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen: Statistikbericht 2012. Stand November 2014

Hilfeangebote

Die Hilfeangebote haben unterschiedliche Formen. Es gibt stationäre Hilfeangebote, nachgehende Hilfeangebote (im Anschluss an stationäre Hilfe), ambulante Hilfeangebote und Tagesaufenthalte.

  • Die stationären Hilfeangebote haben sich aus den traditionellen Arbeiterkolonien und Herbergsvereinen entwickelt und finden sich vorwiegend in Hannover, Celle, Gifhorn und Diepholz.
     
  • Die Ambulanten Hilfeangebote sind im Rahmen eines Landesprogrammes flächendeckend eingerichtet worden, das heißt in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt ist ein solches Angebot zu finden. Tagesaufenthalte, die als niedrigschwellige Angebote und offene Treffpunkte beschrieben werden können finden sich vor allem im städtischen Gebieten. Die Inanspruchnahme der Einrichtungen steigt, wie die folgenden Zahlen belegen.

Im Jahr 2012 (2011) befanden sich an einem Stichtag 2.073 (1.779) Menschen in Betreuung von ambulanten und stationären Einrichtungen der kirchlichen Wohlfahrtsverbände. Weitere 4.346 (4.138) Menschen befanden sich in kommunalen Not- oder Dauerunterkünften.2 Das Angebot der Tagesaufenthalte haben 14.101 (13.335) Menschen angenommen.3 Trotzdem wird deutlich, dass durch unsere Hilfeangebote nur einen Teil der Menschen erreicht wird, von denen in der oben erwähnten Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe die Rede ist.