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Straffällige und Strafentlassene

Vielzahl von Hilfen, Maßnahmen und Projekten

grundtext

Seit 1980 unterstützen die Anlaufstellen für Straffällige in Niedersachsen als Beratungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege straffällig gewordene Menschen mit einer Vielzahl von Hilfen, Maßnahmen und Projekten bei der Resozialisierung und Integration in die Gesellschaft.

Im Bereich der Landeskirche arbeiten fünf dieser Anlaufstellen (in Aurich, Celle, Hannover, Osnabrück und Stade) und haben insbesondere in den vergangenen Jahren ihre Angebotsvielfalt den individuellen und gesellschaftlichen Anforderungen, die an eine gelingende Resozialisierung gestellt werden, angepasst.

Dabei arbeiten sie inzwischen eng vernetzt zusammen mit

  • den sozialen Diensten der Justiz,
  • den Fachstellen für Sucht und Suchtprävention
  • der Schuldnerberatung,
  • der Bewährungshilfe,
  • der Führungsaufsicht,
  • den kommunalen Fachdiensten für Arbeit, Soziales und Gesundheit,
  • den Agenturen für Arbeit
  • weiteren Einrichtungen, deren Unterstützung für eine Rückkehr in die Mitte unserer Gesellschaft erforderlich oder sinnvoll ist.

Neben den wichtigen landeskirchlichen Mitteln erfolgt die Finanzierung der Anlaufstellen durch das Niedersächsische Justizministerium, durch Zuwendungen aus kommunalen Haushalten und über Projektförderung für gezielte Vorhaben, die im Regelkatalog der Aufgaben dieser Beratungsstellen noch nicht vorkommen, aber zielführend für eine erfolgreiche Resozialisierung sein könnten.

Aus mehreren Projekten sind inzwischen refinanzierte feste Angebote geworden, weil ihr Erfolg im Rahmen der Projektauswertung überzeugend war.

Hier sind u. a. zu nennen die Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen, das sog. Übergangsmanagement und
die Gewaltpräventionsangebote, die von einigen Anlaufstellen durchgeführt werden.

An der Etablierung dieser Angebote als Regelaufgaben zeigt sich, wie wichtig die Förderung von Projekten für eine Weiterentwicklung der Arbeit ist. Projekte bieten, wenn sie zeitlich befristet und im Hinblick auf Nachhaltigkeit konzipiert und gefördert werden, die große Chance, bedarfsangepasste Hilfen zu entwickeln, die sowohl den sich verändernden gesellschaftlichen, als auch den individuellen Herausforderungen Rechnung tragen.

Über diese Projekterfahrungen konnten auch auf politischer Ebene sowohl konzeptionelle als auch finanzielle Anpassungen flankiert durch gesetzgeberische Maßnahmen erreicht werden.

Der Aufgabenkatalog der Anlaufstellen ist vielfältig. Im Kern gehören dazu:

  • Durchführung von Sprechstunden in der Justizvollzugsanstalt zur Entlassungsvorbereitung
  • Hilfen zur Sicherung des Lebensunterhalts in der Übergangszeit nach der Haftentlassung
  • Hilfe bei der Wohnungssuche und Angebote von kurzzeitigen Wohnmöglichkeiten
  • Hilfe bei der Arbeitssuche, insbesondere durch Vermittlung von Kontakten zu den Beratungsdiensten
  • Hilfe bei der Regulierung von Schulden
  • Informationen über Möglichkeiten der Rechtsberatung nach dem Beratungshilfegesetz
  • Einzel- und Gruppengespräche über die besonderen Schwierigkeiten nach der Haftentlassung
  • Beratung bei Konflikten und Problemen mit Alkohol/Drogen
  • Familienarbeit, soweit die Einbeziehung der Angehörigen sinnvoll erscheint
  • Gewinnung, Anleitung und Fortbildung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Aufbau von Vernetzungsstrukturen mit anderen zuständigen Stellen im staatlichen und außerstaatlichen Bereich
  • Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, über Anlaufstellenarbeit zu informieren und Vorurteile gegenüber Straffälligen abzubauen

Die Maßnahmen, die eine abgestimmte Koordination zwischen JVA, Bewährungshilfe und Anlaufstellen erfordern, wie seit 2010 die Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen sind inzwischen durch das „Übergangsmanagement“ vertraglich zwischen den Beteiligten geregelt worden.