kopf

Arbeitslose

Jugendberufshilfe in Niedersachsen

grundtext

"Zu viele junge Menschen erhalten keinen Platz für eine berufliche Erstausbildung und damit keine Chance zur Entwicklung von Berufsfähigkeit. Sie geraten in Arbeitslosigkeit oder in Qualifikationsmaßnahmen, die häufig keine Berufsperspektiven bieten. … Lernen am Arbeitsplatz beziehungsweise im Prozess der Arbeit findet in der Praxis statt. Es kommt darauf an, dieses Lernen in der betrieblichen Weiterbildung systematisch zu erfassen, zu gestalten und durch außerbetriebliche Bildungsmaßnahmen zu ergänzen. Dabei ist es besonders wichtig, didaktisch-methodisch gute und machbare Konzepte und Maßnahmen für die Personenkreise der an- und ungelernten sowie älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu entwickeln und umzusetzen.“1

Ihre Bedeutung haben die Jugendwerkstätten insbesondere durch folgende Aspekte:

  • Jugendberufshilfe organisiert Erfolgserlebnisse für junge Menschen deren Grundsituation oftmals von jahrelangen Misserfolgserlebnissen in Schule, Beruf und Gesellschaft gekennzeichnet ist.
  • Jugendwerkstätten richten sich mit ihren vielfältigen Angeboten an junge Menschen im Alter von 14 bis 27 Jahren mit besonderem individuellem Unterstützungsbedarf; dazu gehören u.a. junge Menschen
    - mit gravierenden schulischen Problemen (auch Schulabbrecher/innen und  Schulmüde)
    - ohne Ausbildung und Arbeit
    - mit geringen Sozialkompetenzen, psychosozialen Schwierigkeiten,  Lernbeeinträchtigungen und Entwicklungsstörungen

Besonders richten sie sich auch auf junge Migrant/innen aus. Grundsätzlich werden die unterschiedlichen Lebenslagen von jungen Frauen und Männern berücksichtigt. Ihr Angebot unterbreiten die Jugendwerkstätten unabhängig von sozialrechtlichen Ansprüchen bspw. nach dem SGB II oder III.

Von den 103 Jugendwerkstätten in Niedersachsen sind 18 in der hannoverschen Landeskirche in kirchlicher Trägerschaft (Kirchenkreis, Kirchengemeinde, eingetragener kirchlicher Verein und gGmbH) und stellen einen wesentlichen Bestandteil der Jugendberufshilfe dar. Sie sind eng in die Planung und Entwicklung der Jugendberufshilfe auf Landesebene, in den Regionen und auf kommunaler Ebene eingebunden und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Integration von benachteiligten Jugendlichen.2

Die Jugendwerkstätten der Diakonie in Niedersachsen stellen die größte Trägergruppe unter den niedersächsischen Jugendwerkstätten.3 Die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers hat sich in den vergangenen Jahren mit jährlich über 550.000 Euro an der Finanzierung von Jugendwerkstätten beteiligt.4

Aufgrund der Gesetzgebung des Bundes 2011 (sog. „Instrumentenreform“) haben sich die Möglichkeiten zur Eingliederung von (mehrfach) benachteiligten Jugendlichen in den Arbeitsmarkt durch Fördermaßnahmen deutlich verschlechtert. Hiervon sind insbesondere die – für Niedersachsen typischen – Jugendwerkstätten und ihre durchweg erfolgreiche Arbeit betroffen. Ihre Existenz ist gefährdet.

1. Seite 1 – 2, IG BCE Online, Bildungsmatrix; Entwicklung und Stärkung der Berufsfähigkeit; www.igbce.de (9.3.2007)

2. 2009 haben 5.972 Jugendl. die Einrichtungen verlassen. Ca 20 % =1.136 sind vorzeitig in andere Maßnahmen oder Ausbildung gewechselt. Ca. 40% sind vorzeitig aus den Maßnahmen gegangen. Verbleib: nach 6 Monaten gingen 10% einer Erwerbstätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt nach.
Zwei Drittel (65,5%) der Absolventen waren in Ausbildung, Beschäftigung, Berufsvorbereitende Maßnahme, Weiterbildung oder schulischen Maßnahmen. Kosten im Jahr 2009: 38.044 Mio. = Pro Platz 6.868 € (Quelle: Nds. Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, webSta)

3. 32 Jugendwerkstätten in diakonischer Trägerschaft: Die Größe der Einrichtungen ist unterschiedlich. Kleine Träger beschäftigen 3 fest angestellte Mitarbeitende (Sozial- und Berufspädagogen / Anleiter) und arbeiten mit 16 Teilnehmenden. Große Einrichtungen arbeiten mit über 200 Jugendlichen und beschäftigen bis zu 60 Sozialpädagogen und Anleiter.

4. LKA Finanzierung (in Tausend €) 2008: 571 T€; 2009: 557 T€ ; 2010: 545 T€; 2011: 545 T€; 2012: 544 T€; 2013: 547 T€. Für den Zeitraum 2007 – 2013 werden die Jugendwerkstätten im Kern aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (115 Mio.) und aus Landesmitteln (90 Mio.) finanziert. Die Einrichtungen haben keine Regelsatzfinanzierung. Bis zu 20 Anträge auf Zuschüsse, Beihilfen und Spendenmittel sind nötig, um den Jahreshaushalt einer größeren Einrichtung abzusichern. Einige Einrichtungen erwirtschaften zwischen 10% und 20% durch Eigenleistungen.