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Inklusion

Querschnittsaufgabe

grundtext

Inklusion wird einerseits eng mit Ausrichtung allein auf die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen verstanden, zum anderen als Gegenbegriff zu jeder Form von Exklusion aber sehr weit gefasst. Er bezieht sich dann auf alle Versuche, allen Menschen unabhängig von ihren Unterschieden, seien sie psychischer, sozialer oder ethnischer Art, eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichem Leben zu ermöglichen. Das Ziel von Inklusion wäre dann erreicht, wenn man mit und an der damit benannten Aufgabe gar nicht mehr arbeiten müsste.

Inklusion ist seit Verabschiedung der UN Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen aus dem Jahr 2005 in der Bunderepublik geltendes Recht. Auswirkungen dieses Rechtsanspruchs sind inzwischen vielfach spürbar: So hat z.B. Niedersachsen 2011 seine Schulgesetzgebung grundsätzlich auf die „inklusive Schule“ gestellt.

Das bedeutet zugleich, dass Menschen mit Behinderungen nicht mehr separiert von anderen in Förderschulen sozialer Einrichtungen, sondern in allgemeinbildenden Schulen beschult werden. Für die großen diakonischen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen bedeutet Inklusion, dass sich die Einrichtungen von zentralen Anstalten verabschieden müssen und sich hin zu kleineren Wohn- und Arbeitsformen für Menschen mit Behinderungen umgestalten.

Aber auch jenseits der Behindertenhilfe im klassischen Sinn wird Inklusion thematisch. So soll z.B. von Armut betroffenen Familien, und hier insbesondere deren Kindern, ermöglicht werden, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können wie andere auch. Der stigmatisierenden und stets ausgrenzendem Armut soll entgegenwirkt werden - durch Maßnahmen inklusiven Handeln.

Dies gilt analog für älter werdende Menschen, denen aufgrund zunehmender Gebrechlichkeit, es nicht mehr ohne weiteres möglich ist, dem zu folgen, woran sie weiterhin gern teilnehmen würden. Barrierefreiheit gehört deshalb zu den zentralen Anliegen inklusiver Konzepte. Dabei richtet sich die Forderung nach Barrierefreiheit nicht nur auf gute Zugänglichkeit von Gebäuden und Plätzen, sondern auch darauf, jedem Anteil an Kommunikation zu gewähren z.B. durch die sog. „Einfache Sprache“ oder durch das Angebot von Hörhilfen und Gebärdendolmetschern.

Inklusion ist damit eine Querschnittsaufgabe, die in jedem Handlungsfeld einer Gesellschaft - und damit auch in Kirche - thematisch wird. Sie ist umfassend. Gerade darin liegt aber auch die Gefahr der Forderung nach Inklusion. Da sie sich auf nahezu alle Lebensbereiche bezieht, ist es naheliegend sie - auch angesichts des unüberschaubaren Ressourceneinsatzes -  zu unterlaufen und als illusorisches Vorhaben zu übergehen. Das wird jedoch dem Rechtscharakter von Inklusion nicht gerecht.

Die Landessynode hat deshalb 2012 beschlossen, eine Referat Inklusion zu errichten. Dessen Arbeit zielt auf Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche und soll Impulse dazu setzen, wie inklusives Handeln in und durch die Kirche vorgebracht werden soll.

Hierbei sind die Grenzen inklusiven Handelns ebenso zu beachten wie die Chancen, die darin liegen, „mit Unterschieden zu leben“. Widmete sich ersterem insbesondere das Positionspapier des Diakonische Werkes, das der Synode als Aktenstück  2012 vorgelegt wurde, so schilderte der gleichnamige Jahresbericht des DW 2013 exemplarisch, in welcher Weise inklusives Handeln in Diakonie und Kirche schon jetzt stattfindet und weiterentwickelt wird.