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Schuldnerberatung

Eigenständige professionelle Fachberatung

grundtext

688.000 Menschen waren im Jahr 2012 in Niedersachsen ver- und überschuldet. Damit stieg die Zahl der Verschuldungen im Vergleich zu vergangenen Jahren noch einmal an.1 Aufgrund der steigenden Fallzahlen und komplizierten individuellen Problemlagen hat sich die Schuldnerberatung in der Diakonie Hannovers als eigenständige professionelle Fachberatung aus der Kirchenkreissozialarbeit entwickelt.

Diakonische Schuldnerberatung ist entsprechend des diakonischen Auftrages in erster Linie eine Beratungsstelle für von Armut betroffene Menschen in Überschuldungssituationen. Sie versteht sich als soziale Schuldnerberatung.

Die Überschuldungssituation in Niedersachsen ist eine wesentliche Ursache für Armut und soziale Ausgrenzung und stellt kein randständiges Problem dar, sondern betrifft alle Bevölkerungs- und Altersgruppen.

Zu Unrecht wird in der öffentlichen Diskussion Überschuldung auf materielle Probleme verkürzt. Neben der ökonomischen Notsituation tritt in der Regel eine psychosoziale Destabilisierung der Betroffenen ein. Dies bedeutet eine Existenzbedrohung: Sie unterliegen psychischem Druck und sind häufig gesundheitlich beeinträchtigt. Materielle und immaterielle Belastungen verstärken sich gegenseitig. Die kritische Situation belastet Partnerschaften schwer und wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Kinder aus. Schulden gefährden den Erhalt des Arbeitsplatzes und stellen ein gravierendes Vermittlungshemmnis in Arbeit dar. Damit ist die Überschuldungsproblematik nicht nur von individueller, sondern auch von gesamtgesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Relevanz.

Zunehmend mehr Menschen haben nur mit einer qualifizierten und nachhaltigen Entschuldungshilfe eine Chance, ihre Probleme zu überwinden. Diakonischer Schuldnerberatung liegt ein ganzheitlicher Beratungsansatz zugrunde: Somit bietet sie neben der Klärung der finanziellen Situation eine umfassende soziale Beratung an, die auch die psychosoziale Situation der Menschen mit Schulden berücksichtigt.

Im Beratungsprozess wird gemeinsam mit den Hilfesuchenden die gesamte Lebenssituation in den Blick genommen und individuelle Lösungsansätze entwickelt. Ein umfassendes und komplexes Case-Management intendiert dabei die wirtschaftliche und soziale Stabilisierung überschuldeter Menschen. Besonderen Wert wird im Beratungsprozess auf die Beteiligung der Schuldner bei der Klärung der Situation selbst gelegt, um eine spätere Neuverschuldung zu vermeiden. Schuldnerberatungsfachkräfte brauchen dafür grundlegende sozialarbeiterische, wirtschaftliche und rechtliche Kompetenzen.

1. Niedersächsisches Justizministerium (3/2013): Information zum Verbraucherinsolvenzverfahren und zur Restschuldbefreiung. www.niedersachsen.de/download/8249