kopf

Projektarbeit

Finanzielle Unterstützung

grundtext

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, Projekte aus Kirchengemeinden und Kirchenkreisen finanziell zu unterstützen. In den letzten Jahren haben bei den landeskirchlichen Förderungsmöglichkeiten, neben den Projektmitteln zu „Zukunft(s)gestalten“1 , vor allem die Mittel zur „Förderung besonderer Projekte in der Diakonie“ eine wichtige Rolle gespielt.

„Besondere Projekte in der Diakonie“

Seit dem Haushaltsjahr 2006 stehen Sondermittel zur Förderung besonderer Projekte in der Diakonie im landeskirchlichen Haushalt zur Verfügung.2 Bereits im November 2009 wurde der 24. Landessynode über den damaligen Stand der Projektförderung berichtet.3

Nachdem zunächst (in den Jahren 2006 bis 2008) Sondermittel in Höhe von 80.000 € jährlich bereitstanden, wurde der Gesamtbetrag seit 2009 kontinuierlich erhöht, und zwar in 2009 auf 320.000 €, in 2010 auf 400.000 € und seit 2011 auf 500.000 € jährlich.

Die Förderkriterien sind seit 2009 unverändert geblieben. Auch die vier Förderschwerpunkte, nämlich die Themenbereiche „Kinder und Familien“, „Familienzentren“, „Pflege“ sowie „Profilierung diakonischer Einrichtungen“ wurden beibehalten.

Wegen der Neustrukturierung der Diakonieabteilung des Landeskirchenamtes ist seit 2009 das Diakonische Werk der Landeskirche bzw. nunmehr das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V., Ebhardtstr. 2A, 30159 Hannover für die Vergabe der Sondermittel zuständig.

Das Thema „Familienzentren“ wurde als zusätzlicher Förderschwerpunkt im Jahre 2009 aufgenommen, nachdem der Weiterentwicklung der Kindertagesstätten zu Familienzentren im Bereich der Landeskirche eine zunehmende Bedeutung beigemessen wird. Ein entsprechender Bedarf zeigte sich auch an der Zahl der seit 2009 eingegangenen Förderanträge.4 Seit 2013 ist die Zahl der Förderanträge im Förderschwerpunkt "Familienzentrum" allerdings rückläufig.

Bis zum Ende des Haushaltsjahres 2014 sind insgesamt 141 besondere Projekte finanziell unterstützt worden, hiervon etwa die Hälfte (75 Projekte) im Themenbereich „Kinder und Familien“, 27 Projekte , wie erwähnt, im Themenbereich „Familienzentren“, 30 Projekte im Bereich „Pflege“ und neun Projekte zum Thema „Profilierung diakonischer Einrichtungen“.

Insgesamt sind bis Mai 2012 Sondermittel der Landeskirche in Höhe von rd. 2,6 Mio € zur Projektförderung eingesetzt worden. Weitere Mittel in Höhe von rd. 700.000 stehen für in Kürze erst beginnende Projekte oder für bereits zugesagte Anschlussfinanzierungen im jeweils zweiten oder dritten Projektjahr in Aussicht.

Bei etwa 90 % der Anträge ist die höchstmögliche Förderdauer von drei Jahren veranschlagt worden. Die in 2013 und 2014 gegebenen Finanzierungszusagen gehen zum Teil bereits über das Haushaltsjahr 2014 hinaus und betreffen auch die Jahre 2015 und 2016. Dennoch gelingt es regelmäßig in jedem Jahr etwa 20 neue Projekte aus den Sondermitteln der Landeskirche zu unterstützen. Best-Practice-Beispiele werden auf der homepage des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V. veröffentlicht.

Projektarbeit – Segen und Fluch

Es ist unbestritten, dass die Projektarbeit zum immer wichtigeren Bestandteil der örtlichen diakonischen Arbeit geworden ist. Das hat vor allem zwei Gründe:

a) Die Lebenslagen der Menschen sind starken Veränderungsprozessen unterworfen. Damit ändern sich auch die Anforderungen der diakonischen Anbieter sozialer Dienstleistungen. Eine zunehmend praktizierte Antwort auf „neue soziale Phänomene“ ist die Installierung von Projekten, die passgenau versuchen auf die aktuellen Lebenslagen von Menschen zu reagieren. Auf diese Weise versucht man z.B. auf die besondere Not von Menschen im ländlichen Raum einzugehen oder auf die Situation von Kindern, die Bedarf an Hausaufgabenhilfe haben.

Projektarbeit ist immer zeitlich begrenzt und hat einen (für die Laufzeit der Projekte) festgelegten Finanzrahmen. Projektarbeit reagiert daher auf soziale Phänomene, die neu sind und möglicherweise auch nur von vorübergehender Dauer.

b) In Anbetracht der Haushaltslagen in den Kirchenkreisen ist zu beobachten, dass zunehmend versucht wird, auch solche diakonischen Aktivitäten über Projektmittel zu finanzieren, die keinen Projektstatus mehr haben. Ferner führt die zunehmende Schwierigkeit der Kirchenkreise, diakonische Arbeit zu finanzieren, dazu, dass man sich „von Projekt zu Projekt hangelt“. D.h. man ist auf der ständigen Suche nach neuen Aktivitäten, um für Mit- arbeitende finanzierbare Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen.

Häufig unbeachtet bleibt, dass die Arbeit in und mit Projekten ihrerseits Ressourcen verbraucht so z.B. für die Erarbeitung eines Projektkonzepts, für die Gewinnung von Eigenmitteln bei ausgelobten Förderbeträgen oder für die Begleitung von Projekten, die in den meisten Fällen keine Personalkosten fördern. Es muss bedenklich stimmen, dass der Begriff „Projektitis“ inzwischen geläufig ist und darauf hinweist, dass Projektarbeit die grundständige Arbeit wie ein Infekt belastend und lähmend begleitet.

Projektarbeit ist daher Segen und Fluch zugleich. Projektförderung ermöglicht, neue und bedarfsgerechte Maßnahmen insbesondere in Kirchengemeinden zu fördern. Eine sehr beeindruckende Bilanz kann dazu inzwischen die gemeinsam von Landeskirche und dem Diakonischen Werk getragene Initiative „Zukunft(s)gestalten“ vorweisen (vgl. gesonderter Bericht).

Viele Initiativen aus den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen konnten passgenau gefördert werden und helfen vor Ort tatkräftig, Not zu lindern. Auf diese Art und Weise sind in der Landeskirche z.B. die erfolgreichen Projekte zum Haushaltsmanagement von Familien „Gemeinsam Gewinnen“ (6 Standorte) oder die Projekte „Wellcome“ (29 Standorte) zur Entlastung von Eltern in der Phase nach der Geburt des Kindes, entstanden.

Zugleich aber gilt: Projektarbeit weckt oft Hoffnungen, die nicht befriedigt werden können. Denn es gehört zum Wesen eines Projektes, dass es begrenzt ist. Die zum Zeitpunkt des Projektbeginns angestrebte Nachhaltigkeit ist nicht immer erreichbar.

Grundsätzlich hat Projektarbeit einen klar beschrieben Start und ein (bekanntes) Ende, das durch den Bewilligungsbescheid entsprechend festgelegt ist. Dennoch ist es das Ziel vieler Projekte, nach Ablauf der Frist eine Weiterarbeit zu ermöglichen Nicht immer wird dieses Ziel erreicht.

Zugleich wächst die Einsicht, dass nicht jede Arbeit als Projekt geeignet ist. So eigenen sich langfristig angelegte Maßnahmen nur dann für eine Projektfinanzierung der Startphase, wenn eine Anschluss-(Regel)finanzierung mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit sichergestellt werden kann. Ferner wächst die Einsicht, dass Projekte keine Aufgabe ersetzen können, die als kontinuierlicher Prozess angelegt sind.

Und schließlich muss dazu ermutigt werden, auch erfolgreiche Projekte, die für einen begrenzten Zeitraum einer Gruppe zugutekamen, wieder sterben zu lassen – eben weil die Mittel für eine Fortführung fehlen. Es ist entspricht biblisch diakonischer Tradition, besser dieses wenige als gar nichts getan zu haben.

1. Siehe dazu gesonderten Bericht

2. Diese Mittel lösten weitgehend die bisherigen Ivestitionshilfen für unterschiedliche Hilfefelder der Diakonie ab. Standen vor 2004 z.B. Mittel für den Ausbau eines Altenheims zur Verfügung, so wurde diese Kostenstelle im Rahmen von Akst. 98 auf Null gekürzt. In erheblich reduziertem Umfang wurden an Stelle von Investitionshilfen Projektmittel zur Verfügung gestellt.

3. Vgl. Aktenstück Nr. 48

4. 27 Anträge zum Themenbereich Familienzentren; in 21 Fällen wurde eine Projektförderung zugesagt