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Familienzentren

Unterstützung und Begleitung

grundtext

Lebenswelten von Familien unterscheiden sich zunehmend differenzierter. Sie werden komplexer. Die Anforderungen an die Familien steigen und werden immer vielfältiger. Zudem ist die Lebenswirklichkeit vieler Familien, insbesondere bei Alleinerziehenden, in Niedersachsen nicht selten gekennzeichnet durch Armutserfahrungen.

Der festzustellenden gesellschaftlichen Teilung in fördernde und hemmende Lebensumfelder, in arme und reiche Wohnbezirke, in bessere und weniger gut ausgestattete Schulen, in anregende Freizeitvergnügen für Kinder aus wohlhabenden Familien und eingeschränkten Optionen für Mädchen und Jungen aus benachteiligten Familien müssen Kirche und Diakonie Hilfsangebote entgegensetzen.

Familien benötigen in für sie prekären Lebenssituationen Unterstützung und Begleitung im unmittelbaren Lebensumfeld, im Sozialraum und im Gemeinwesen. Diakonie und Kirche sind hierbei schon jetzt in vielfältiger Weise engagiert tätig. Oftmals ist jedoch noch eine fachspezifische, sektorale Betrachtungs- und Handlungsweise vorzufinden, die den komplexen Fragestellungen und Herausforderungen nicht mehr gerecht wird. Dies gilt es zu verändern zugunsten ganzheitlicher, interdisziplinärer und integrierter Konzepte. Dabei muss einer Abgrenzung zwischen familiärer und öffentlicher Verantwortung ein Verständnis von gemeinsamer Verantwortung entgegengesetzt werden, das die Bereiche Bildung, Erziehung, Betreuung und Beratung umfasst und eine qualitative Weiterentwicklung von sozialräumlichen und gemeinwesenorientierten Angeboten beinhaltet. Es kommt darauf an, dass Kindertageseinrichtungen und Kirchengemeinden im Sinne von „Angeboten aus einer Hand“ ihre Einrichtungen zu Familienzentren und als Bestandteil von Netzwerken entwickeln und Ressourcen bündeln. Dies ist den vergangenen Jahren an vielen Stellen geschehen.

In der hannoverschen Landeskirche gibt es ca. 40 Familienzentren, die sich allerdings stets eigenständig und unabhängig von einander entwickelt haben. Mit der „Konferenz evangelischer Familienzentren“ hat das Diakonische Werk eine Plattform geschaffen, die neben dem fachlichen Austausch der Fortbildung und Meinungsbildung dient und wesentlich zur Profilbildung und Weiterentwicklung der Familienzentren beiträgt.

Evangelische Familienzentren zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Wesentlichen zwei bisher getrennte Angebotsstränge, nämlich Angebote für Kinder und solche für Eltern und die ganze Familie, miteinander verknüpfen.

Angebote

  • Bildung und Erziehung von Kindern
    Angebote Ev. Familienzentren zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern der Altersgruppe 1 bis 6 Jahre orientieren sich an den spezifischen Bedarfen der Kinder und Eltern des jeweiligen Einzugsgebiets. Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit sind oft die Sprach- und Bewegungsförderung, gesunde Ernährung und interkulturelle Aktivitäten.
     
  • Austausch und Begegnung
    Ev. Familienzentren greifen den Wunsch vieler Eltern nach Kontaktmöglichkeiten und Austausch mit anderen Eltern auf unterschiedlichste Weise auf und bieten deutlich mehr an als z.B. im Rahmen der klassischen Elternarbeit einer Kindertageseinrichtung üblich ist. Gesprächsgruppen, regelmäßige Elterncafés, Mütterfrühstücke oder Elterntreffs fördern gezielt Kontakte zwischen den Familien. Manche Familienzentren stellen den Eltern eigene Räume zur Verfügung. Andere Zentren lassen insgesamt eine offene Nutzung ihrer Räume zu. Etliche Einrichtungen kümmern sich insbesondere um die Selbsthilfe und die Stärkung familiärer Ressourcen.
     
  • Beratung und Unterstützung
    Der Beratungs- und Unterstützungsbedarf insbesondere junger Familien reicht von alltagspraktischen Fragen über Erziehungsfragen oder Ehe- und Familienproblemen bis hin zu Schwangerschaftskonflikten und Gesundheitsprävention. Die Familienzentren reagieren je nach räumlichen und personellen Möglichkeiten unterschiedlich auf diesen Bedarf. Neben Einrichtungen, die Beratungs- und Unterstützungsangebote unter dem Dach eines Familienzentrums integrieren, gibt es solche, die vorrangig mit entsprechenden Fachdiensten außerhalb des Familienzentrums kooperieren und die Angebote im Rahmen von Netzwerken bereithalten.
     
  • Elternbildung
    Ev. Familienzentren zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie neben den Kindern auch den Eltern vielfältige Möglichkeiten der Bildung bieten. Das Spektrum der Angebote im Bereich der Elternbildung reicht von Vorträgen über Thementage und themenspezifische Gesprächskreise bis hin zu Kursangeboten (PeKiP, Babymassage, Mutter-Kind-Gruppen, Hobbykurse usw.). Sie dienen also sowohl der Selbstverwirklichung und Weiterbildung als auch der Förderung von Erziehungs- und Bildungskompetenz. In der Regel werden die Kurse von externen Fachkräften geleitet. Referent/innen werden von Familienbildungsstätten und -werken vermittelt.