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Rückblick

Über 25.000 weißrussische Gäste

vergangen

In den vergangenen sechs Jahren wurden jährlich die Erholungsaufenthalte für die weißrussischen Kinder durchgeführt. Insgesamt sind in den Jahren 1991-2014 über 25.000 weißrussische Gäste im Rahmen unserer Hilfsaktion zur Erholung nach Niedersachsen in unsere Kirchengemeinden gekommen: ca. 22.000 Kinder, etwa 1.650 Mütter (manchmal auch Väter) mit ihren Kleinkindern und rund 1.350 Dolmetscherinnen und Dolmetscher.

Das Minsker Institut Belrad hat festgestellt, dass durch die Kindererholung im Ausland eine Verminderung der Radioaktivität im Körper der Kinder von mindestens 26% bis maximal 56% erreicht werden konnte (2009). Kinder, die in verstrahlten Regionen leben, haben in ihrem Körper ziemlich hohe Mengen des radioaktiven Cäsiums, das sie vor allem über die (lokale) Nahrung aufnehmen. Cäsium 137 lagert sich in allen Organen an und gilt als Krebsauslöser. Seit 2004 gibt es keine grundsätzliche Veränderung der Messwerte von Cäsium 137 im Körper der betroffenen Kinder.

Zwischen den Menschen unserer Landeskirche und den Partnern in Belarus haben sich vielfältige und enge Beziehungen entwickelt. Ein dichtes Netz zwischen Familien in Deutschland und Familien in Belarus ist geflochten worden, aus dem sich immer wieder neue Ideen und Aktivitäten deutsch-belarussischer Unterstützung und Zusammenarbeit entwickeln.

Menschliche Brücke

Die belarussischen Kinder, die zur Erholung nach Deutschland kommen, sind nicht nur gute und sympathische Botschafter ihres Heimatlandes, die viele Beziehungen stiften, sondern sie helfen uns auch immer wieder dabei, die Erinnerung an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und deren Folgen wach zu halten, eine menschliche Brücke nach Belarus zu schlagen und Hilfe zu mobilisieren. Insofern gehen die positiven Effekte der Kindererholung in Deutschland weit über das eigentliche Ziel der Gesundung der Kinder hinaus.

Trotzdem sind die Zahlen der weißrussischen Kinder, die zu Erholungsaufenthalten ins Ausland eingeladen werden, seit Jahren rückläufig. Nach Angaben des weißrussischen Departements für humanitäre Angelegenheiten waren im Jahr 2008 etwa 8.000 Kinder in Deutschland, 2012 waren es noch 4.800 (= 40 % Rückgang). Für unseren landeskirchlichen Bereich ist der Rückgang mit gut 25 % weniger deutlich (2008: 888 Gäste; 2012: 663).

Unser Angebot, weißrussischen Ärztinnen und Ärzten aus dem Gebiet Gomel eine vierwöchige Hospitation in niedersächsischen Krankenhäusern zu vermitteln und zu finanzieren, stieß in den vergangenen Jahren auf großes Interesse. Jedes Jahr bewarben sich zwischen 25 und 30 weißrussische Ärztinnen und Ärzte für diese Hospitationen, von denen wir 4 – 8 pro Jahr einladen konnten. Mehr Hospitationen sind aufgrund unserer begrenzten Ressourcen leider nicht möglich.

Finanzierung

Dieses Programm soll motivierte und engagierte weißrussische Ärztinnen und Ärzte weiterqualifizieren und die medizinische Versorgung im Gomeler Gebiet stärken.

Durch unsere Besuche vor Ort wissen wir, dass diese Hospitationen in den entsendenden Kliniken auch ausgewertet und besprochen werden und – wenn aufgrund der örtlichen Gegebenheiten möglich – auch zu Veränderungen sowohl im medizinischen als auch im organisatorischen Bereich führen.

Jährlich haben wir die beiden großen, für die gesamte Region Gomel zuständigen Krankenhäuser, das Gebietskrankenhaus sowie das Gebietskinderkrankenhaus, sowie die Abteilung für Kinderhämatologie und –onkologie im Republikanischen Zentrum unterstützt. Pro Jahr wurden Medikamente und medizinische Hilfsgüter im Wert von etwa 80.000 Euro über das Deutsche Institut für ärztliche Mission in Tübingen bestellt und von uns nach Gomel transportiert.

Die Finanzierung dieser Hilfe erfolgt im Wesentlichen aus Einzelspenden und der landeskirchlichen Wahlpflichtkollekte für die Tschernobyl-Aktion.

Geringer geworden ist die Zahl der Kirchenkreise, die mit Hilfsgütern (Kleidung, Lebensmittel, medizinische Güter) in die Region Gomel fahren und persönlich vor Ort an die Betroffenen verteilt. Dies liegt unter anderem auch daran, dass der bürokratische Aufwand im Zusammenhang mit den humanitären Hilfstransporten sich kontinuierlich erhöht und inzwischen ein Niveau erreicht hat, dass für viele der ehrenamtlich Aktiven eine Grenze der Belastbarkeit darstellt.

Schon in den vergangenen Jahren hat jede Erhöhung des verwaltungsmäßigen Aufwands dazu geführt, dass weniger Menschen humanitäre Hilfe für Belarus leisten, weil sie sich nicht mehr in der Lage sahen, alle Anforderungen zu erfüllen.

Auswertung

In der Auswertung der ersten Ferienaktion in der Herbstsynode 1991 wurde auf die Frage "Warum ist das eine Aktion, die so gut angekommen ist?“ als wesentliche Gründe genannt:

  • Das erfolgreiche Zusammenwirken vieler Ebenen: die Gasteltern, die Kirchenkreise und -gemeinden, das Amt für Gemeindedienst/Haus kirchlicher Dienste, das Landeskirchenamt und staatliche Stellen.
  • In dieser Aktion kommen Hilfe für Menschen in Not und Bewusstseinsbildung bei uns zusammen. Sie ist ein Zeichen praktizierter Nächstenliebe.
  • Es ist eine Hilfsaktion mit einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit, die sich in Bezug auf das Bild von Kirche in der Öffentlichkeit sehr positiv auswirkt.
  • Die Hilfsaktion spricht auch Menschen an, die am Rande ihrer Kirche stehen oder sich ihrer Kirche entfremdet haben oder schon ausgetreten waren.
  • Es ist eine Aktion, die nach den Verheerungen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg Versöhnung praktisch durchgeführt hat.

Diese Argumente sprechen auch heute noch für die landeskirchliche Tschernobyl-Hilfe. Die landeskirchliche Tschernobyl-Aktion ist an vielen Stellen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit im Kirchenkreis und in der Gemeinde geworden.