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Rückblick

Veränderte Einsatzbereiche

vergangen

Die Einsatzbereiche der Dorfhelferinnen haben sich verändert und werden sich weiter verändern. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft sind Dorfhelferinneneinsätze für die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (seit 01.01.2013 ein Bundesträger, vorher Landwirtschaftliche Sozialversicherung Niedersachsen-Bremen) bis zum Jahr 2007 auf zwei Drittel aller Einsatztage zurück gegangen.

Seit dem wird der Anteil in etwa gehalten. Die Einsätze für die gesetzlichen Krankenkassen betragen in den Jahren von 2007 bis 2012 gleich bleibend ein Fünftel aller Einsatztage. Der Anteil an Einsätzen für das Jugendamt ist von 2,5 % im Jahr 2007 auf 4 % im Jahr 2012 gestiegen. Die übrigen Einsatztage werden für die Deutsche Rentenversicherung und sonstige geleistet.

Einzelfallverhandlungen

Da die gesetzlichen Krankenkassen weiterhin nicht bereit sind, mit dem Ev. Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e.V. einen vergleichbaren Vertrag, wie es ihn mit der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau hat, abzuschließen, bleibt es bei zeitaufwändigen Einzelfallverhandlungen.

Sie basieren auf dem 1998 unter Vermittlung der Landesregierung mit den außerlandwirtschaftlichen Krankenkassen vereinbarten Leistungskatalog, der festgelegt, in welchen Haushaltssituationen eine Dorfhelferin/eine Fachkraft die Haushaltshilfe zu erbringen hat. Für die Umsetzung setzte sich 2003 die damalige Sozialministerin des Landes, Frau von der Leyen, erfolgreich ein.

Es ist wichtig, Familien im Blick auf die Antragstellung zu informieren und für Fragen zur Verfügung zu stehen; denn es gibt keine Beratungsstellen für diese Thematik. Familien fällt es häufig schwer, in einer Notsituation, z. B. wenn die Mutter plötzlich ins Krankenhaus muss, sich mit der Krankenkasse auseinander zu setzen und gegen ein „Nein“ einen Widerspruch einzulegen. Die Krankenkassen sind in der viel stärkeren Position und gehen davon aus, dass der Versicherte eine Ablehnung hinnimmt. Hier ist es wichtig, Familien zu stärken.

Neue Tätigkeitsbereiche

Neue Tätigkeitsbereiche öffnen sich für die Dorfhelferinnen durch vermehrte Anfragen aus den Stadtrand- und städtischen Regionen sowie durch Einsätze in Problemfamilien in Zusammenarbeit mit Jugendämtern.

Die städtisch strukturierten Haushalte sind in der Regel kleiner und weniger arbeitsintensiv als die ländlichen Haushalte, die Anforderungen an die Dorfhelferinnenarbeit liegen dort stärker in den Bereichen Kommunikation und Pädagogik, Begleitung sowie Förderung der Kinder, als in den hauswirtschaftlichen Aufgaben. In Problemfamilien verändert sich letztlich die Zielsetzung der Dorfhelferinnenarbeit, denn in der Regel geht es nicht um die Vertretung der haushaltführenden Person und Weiterführung des Haushalts im bisherigen Maß, sondern das Jugendamt vereinbart mit der Familie Ziele, die sich auf äußere Rahmenbedingungen des Haushalts beziehen können oder auf Verhaltensänderungen.

Die Dorfhelferin muss ihre Arbeit dann den Zielen entsprechend gestalten, den Veränderungsprozess fördern und in der Regel die Mutter in der Haushaltsführung und Erziehung anleiten.

50 Jahre Dorfhelferinnenwerk

2010 wurde aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Ev. Dorfhelferinnenwerkes Niedersachsen e.V. ein Festgottesdienst mit anschließendem Empfang in Hannover begangen und eine Festschrift herausgegeben.

Dadurch wurde die Dorfhelferinnenarbeit, die im Verborgenen und ganz im privaten Bereich geleistet wird, in der Öffentlichkeit Beachtung geschenkt. Es gab eine gute Resonanz in Presse, Funk und Fernsehen.

Zusammenwirken von Ehren- und Hauptamt

Für den diakonischen Dienst ist das Zusammenwirken von Ehren- und Hauptamt unverzichtbar. In den Stationskuratorien, der Mitgliederversammlung und dem Vorstand arbeiten ehrenamtlich Vertreterinnen und Vertreter von Kirchengemeinden, -kreisen und Sprengeln, Kommunen, Landfrauen und Landvolk als berufsständische Vertretungen, Landwirtschaftskammern, Heimvolkshochschulen und sozialen, diakonischen Einrichtungen zusammen.

Durch den hohen ehrenamtlichen Einsatz kann die hauptberuflich geführte Verwaltung sehr klein gehalten werden (Stellenumfang 3,5 Stellen in der Geschäftsstelle und bezahlte Verwaltungshilfe durch das Haus kirchlicher Dienste mit 0,5 Stellenumfang).

Es ist aber erforderlich, dass das Ehrenamt durch hauptamtliche Kräfte unterstützt wird. Dies erfolgt bisher durch die Geschäftsstelle und wird durch die landeskirchlichen Zuweisungen ermöglicht. Insbesondere die Einzelfallverhandlungen für die Kostenübernahme mit den gesetzlichen Krankenkassen sind für die ehrenamtlichen Einsatzleitungen der Stationen und für die Familien in Notsituationen schwierig. Daher wird immer wieder nach hauptamtlicher Unterstützung in den Regionen gefragt.

Modellprojekt Heideregion

Zur Erprobung wurde 2012 durch Zusammenschluss von acht Stationen die Modellregion Heideregion gebildet. Ihr Gebiet ist deckungsgleich mit dem des Sprengels Lüneburg. In Uelzen wird ein Regionalbüro unterhalten.

Die Arbeiten werden dort von einer hauptamtlichen Einsatzleiterin (0,5 Stelle) und einer Büroangestellten (0,188 Stelle) erledigt, in der Hauptsache werden Einsatzanfragen aufgenommen, die Antragstellungen begleitet, Kostenübernahmen geklärt und die 16 Dorfhelferinnen der Region vermittelt.

In einer dreijährigen Modellphase soll erprobt werden, wie die ehrenamtliche Arbeit der Kuratorien in der Region durch eine hauptamtliche Einsatzleitung unterstützt werden kann. Die acht ehrenamtlichen Kuratorien bleiben erhalten. Zusätzlich wurde ein Regionalkuratorium gebildet, in das jedes Stationskuratorium mindestens zwei Mitglieder entsendet. Das Regionalkuratorium soll die Arbeit des Regionalbüros begleiten, die Informationen an die Stationskuratorien weitergeben und im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten.

Dorfhelferinnenseminar Loccum

Im Ev. Dorfhelferinnenseminar in Loccum wird der Dorfhelferinnennachwuchs ausgebildet. Von November 2010 bis August 2012 ruhte der Seminarbetrieb, weil sich zu wenige Interessentinnen für den Seminarbesuch meldeten.

Die Mitgliederversammlung beschloss im Jahr 2011 nach intensiver Diskussion, zukünftig das Seminar nicht mehr als Vollzeitmaßnahme, sondern in Teilzeit durchzuführen. Durch weniger Unterrichtseinheiten werden die Präsenzzeiten in Loccum reduziert, dafür gibt es Einheiten zum selbständigen Lernen. Die Praktikumszeiten wurden auf insgesamt zehn Wochen Sozialpraktikum in Vollzeit reduziert.

Durch das neue Konzept soll eine berufsbegleitende Fortbildung ermöglicht werden, aber auch eine Qualifizierung während der Familienphase. Der erste Kurs nach dem neuen Konzept wurde durchgeführt vom 03.09.2012 bis zum 02.11.2013.

Von den zehn Kursteilnehmerinnen waren acht während der Qualifizierungsmaßnahme erwerbstätig. Die Prüfung bestanden acht Teilnehmerinnen. Die Auswertung des Zensurendurchschnitts lässt beim Prüfungsergebnis keine wesentliche Veränderung nach der Umstellung auf das berufsbegleitende Konzept feststellen.

Der Folgekurs wird vom 23.09.2013 bis 15.11.2014 durchgeführt. Alle sieben Teilnehmerinnen sind erwerbstätig.

Anstellungsvoraussetzungen

Die erfolgreich abgelegte Prüfung führt zum Abschluss „Geprüfte Fachkraft für Haushaltsführung und Familienbetreuung in Haushalten landwirtschaftlicher Betriebe (Dorfhelferin/Dorfhelfer)“.

Für die Zulassung zur Abschlussprüfung gemäß Berufsbildungsgesetz ist der Seminarbesuch nicht verpflichtend, jedoch erfahrungsgemäß erforderlich. Der Seminarbesuch und die bestandene Abschlussprüfung sind Anstellungsvoraussetzungen beim Ev. Dorfhelferinnenwerk. Eine finanzielle Förderung des Seminarbesuchs können die Teilnehmerinnen bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen bei der Agentur für Arbeit beantragen.

Außer den Teilnehmerinnenbeiträgen und den landeskirchlichen Zuweisungen wird der Seminarbetrieb bisher durch eine Landesförderung, die für jeden neuen Kurs zu beantragen ist, finanziert.