kopf

Ausblick

Weitere Bedarfe

zukunft

RPI und ARO setzen sich zum Ziel, die professionell Handelnden in ihrer Arbeit in unterschiedlichen Bereichen vor Ort zu unterstützen und zur konzeptionellen Entwicklung von Religionsunterricht, zur situationsgerechten Profilierung und Kontextualisierung religions- pädagogischer wie gemeindepädagogischer Hand- lungsfelder beizutragen und zu religions- und gemeindepädagogischer Professionalität zu schärfen.

Die diesbezüglichen Aufgabengebiete wie Adressatenkreise werden größer. Zugleich macht der wachsende Plausibilitätsdruck auf den Religionsunterricht deutlich, dass nicht nur Konzepte für den Religionsunterricht im engeren Sinn zu entwickeln sind, sondern Kirche in einer Komm-Struktur auch personell in den Schulen dort präsent sein sollte, wo Unterstützung gebraucht wird.

Mit perspektivischem Blick auf die Zukunft werden am RPI wie in der ARO daher weitere Bedarfe deutlich.

Ganztagsschulen

Immer mehr Schulen werden zu Ganztagsschulen. Schule ist für viele Kinder und Jugendliche neben der Familie der zentrale Lebensraum geworden. Dies hat Konsequenzen in mehrerlei Hinsicht.

In der Frage der damit verbundenen Konzeptveränderungen von Kinder- und Jugendarbeit für die Kirchengemeinden und Kirchenkreise kommen RPI und ARO wichtige Vermittlungspositionen zu.

Es wird immer wichtiger, dass sich Kirche mit ihren verschiedenen Aufgaben und Erfahrungsräumen als außerschulischer Lernort sichtbar macht. Hier können die religionspädagogischen Einrichtungen mit ihren Veröffentlichungen wichtige Hinweise geben. In der Schule gilt es das Fach Religion zu stärken und Angebote zu entwickeln, die Religion im Schulleben insgesamt aufscheinen lassen.

RPI und ARO können hier eine koordinierende Funktion wahrnehmen, so dass Best-Practise-Modelle ausgetauscht werden können.

Religiöses Lernen

Vom Erfahrungsbezug in der Religionspädagogik her gedacht, findet in vielen Familien längst k(aum)eine bzw. eine veränderte religiöse Sozialisation statt; Glaube und Traditionsvermittlung sind keine selbstverständlichen Elemente des alltäglichen Lebens.

Die Schule bleibt mit der zeitlichen Ausdehnung auf den Ganztag mehr denn je für Kinder und Jugendliche der wichtigste Ort für religiöses Lernen. Lebenswelt- und schulbezogene Weiterentwicklung von Religionsunterricht muss deren Bedingungen mehr daher so genau wie möglich ins Auge fassen: Daher gilt das Augenmerk verstärkt der Beibehaltung und Weiterentwicklung religionspädagogischer Ansätze, die Kindern und Jugendlichen Erfahrungsräume eröffnen, die ihnen die christliche Religion nahebringen und eine Auseinandersetzung mit Religion als Dimension des Lebens ermöglichen.

Das konzeptionelle Weiterentwickeln ist unerlässlich, um den Religionslehrkräften didaktisches Instrumentarium zur Verfügung zu stellen und so die Relevanz gelebter Religion für das Lehren von Religion spürbar werden zu lassen. Darüber hinaus sind auch in der Fortbildungsstruktur Lernformate zu erproben und überprüfen, die sich auf die veränderte Gestaltung von Schule beziehen (Nachmittagsprojekte).

Qualitätssicherung

Im Interesse der Qualitätssicherung des Religionsunterrichts ergibt sich angesichts der zunehmenden Anzahl fachfremd unterrichtender Lehrkräfte eine große Notwendigkeit an theologischer Fortbildung.

Dies betrifft ebenso Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sowie Diakoninnen und Diakone, die in den Schuldienst gehen. Aus der Notwendigkeit fachlich-professioneller Sicherheit für die Lehrkräfte, die im Zuge der Qualitätssicherung des Religionsunterrichts umso deutlicher wird, erwächst ein erhöhter Fortbildungsbedarf für die Erschließung elementarer theologischer Themen und ihrer didaktischen Nahtstellen.

Im Übrigen ist Evangelische Religion in verschiedener Hinsicht nach wie vor ein Mangelfach. Es gilt zu überlegen, inwieweit auch Weiterbildungen des Faches Evangelische Religion für die Sekundarstufe II für bereits schulisch tätige Lehrkräfte geschaffen werden können, deren Motivation und Bindung an den Unterricht oft hoch zu veranschlagen sind.

Konfessionell-kooperatives Lernen

Im Zuge der Verstetigung konfessionell-kooperativen Lernens von Religion werden die religionspädagogischen Einrichtungen daraufhin wirken, um zum einen die unterrichtlichen Praxen und Curricula für den konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts weiterzuentwickeln.

Dazu gilt es zu ermitteln, welche Fortbildungsebenen und –formate die interkonfessionelle Kompetenz der Lehrkräfte und des ökumenischen Miteinanders stärken.

Unterschiedliche Religiositätsformen

Zugleich ändern sich die Lerngruppen und sind geprägt durch unterschied- liche Religiositätsformen. Dialogische Kompetenz und das Wissen um andere Religionen sind nötig, um Diversität und Miteinander im Religionsunterricht adäquat zu transformieren.

Mit der größeren Aufmerksamkeit auf die Heterogenität der Schülerinnen und Schüler ist der Islamische Religionsunterricht in Niedersachsen im Aufbau. Damit es in der Zeit, in der konzeptionellen Ausgestaltung und in der Ausformung einer Begegnungskultur zu sinnvollem Dialog und Begegnung zu kommen. Als Voraussetzung hat der gezielte, an Religion wie an schulischer und lebensweltlicher Praxis orientierte Aufbau von interreligiöser Kompetenz bei den Lehrkräften des christlichen Religionsunterrichts hohe Priorität.

Die derzeit eingeschränkten Möglichkeiten der Unterstützung in der Lehrerfort- und Weiterbildung müssen ausgebaut werden, um die schulischen Möglichkeiten der Begegnung mit dem Islamischen Religionsunterricht, orientiert an verschiedenen Schulformen, Religionen und ggf. Regionen, auszuloten und zu fördern.

Medienkompetenz

Medienkompetenz ist in den neuen Kerncurricula durchgängig eine wichtige Zieldimension. In ihr liegen Chancen, religiöses Lernen mit instrumentellen Kompetenzen und mit Gegenwartskultur zu verbinden. Auch die ästhetische Dimension kommt dabei zum Tragen.

Es ist eine wichtige Aufgabe zu konzipieren, sich wie Medienkompetenz verstärkt mit den curricularen Kompetenzfeldern verknüpft, so dass ein gezielter Aufbau von Medienkompetenz bei Schülerinnen und Schülern durch Religionslehrkräfte gefördert werden kann.

Lehrerprofessionalität

Die Arbeit an der Ausgestaltung von (Religions-)Lehrerprofessionalität wird auch in der dritten Phase der Lehrerinnen- und Lehrerbildung notwendiger.

Durch immer mehr Erwartungen an die Leistungen der Schule im erzieherischen Bereich steigt mit der Komplexität des inneren Schulsystems auch die Belastung der Lehrkräfte. Auch gibt es Rollenunklarheiten, die es schwierig machen, sich von unberechtigten Erwartungen zu distanzieren.

Wofür sind Lehrerinnen und Lehrer zuständig, wofür nicht? Wie werden schulische und außerschulische Kontakte erzieherisch sorgsam gestaltet? Hier gilt es, auf den verschiedenen Ebenen Klarheit zu schaffen.

Neben den gesellschaftlichen Klärungen bedarf es der persönlichen Verge- wisserung, Rollenfindung und Auslotung von Öffnungen und Grenzziehungen angesichts ihres mehrdimensionalen fachlichen, pädagogischen und auch seelsorgerlichen Handelns.

RPI und ARO werden ihre Angebote diesbezüglich verstärken müssen. Damit verbunden ist das immense Ausmaß der Nachfrage nach dem Weiterbildungsangebot Schulseelsorge.

Inklusion

Inklusion wird auch in den kommenden Jahren ein brennendes Thema sein. Hier wird es wichtig sein, die Lehrkräfte bei der Entwicklung inklusiver pädagogischer Ansätze mehrdimensional zu unterstützen: auf der Ebene der Unterrichtsmaterialien, durch supervisorische Begleitung in den veränderten Unterrichtsstrukturen und durch bessere Nutzung von Raum als drittem Pädagogen in Überlegungen zur architektonischen Gestaltung der Schulen.

Insgesamt wird das Thema alle Arbeitsbereiche des RPI in den nächsten Jahren betreffen und entsprechend verändern.

Religionssensible Schulkultur

Hinsichtlich der Schulentwicklung ist die Förderung religionssensibler Schul- kultur verstärkt als religionspädagogischer Aufgabenbereich wahrzunehmen.

Dies betrifft zum einen den Ausbau interreligiöser und interkultureller Kom- petenzen, aber auch eine Antwortkultur auf Ereignisse und Erfahrungen des Pathischen. In diesem Setting bekommen der Ausbau der im Schulalltags- kontext deutlicher zu profilierenden Schulseelsorgearbeit (Klärung und Gestaltung der Kooperation mit Beratungslehrkräften, Notfallplanarbeit etc.) ein noch größeres Gewicht.

Evangelische Schulen

Die Landeskirche hat in den letzten Jahren den Aufbau und die Gründung und die Entwicklung evangelischer Schulen dankbar propagiert, geschaffen und gefördert.

Evangelische Schulen sind nicht nur Modelle für Lern- sondern auch für Lebensorte. Insofern stehen sie allgemeinbildenden staatlichen Schulen, auch gerade in ihren unterschiedlichen Schulformen, Modell. Es kristallisieren sich diesbezüglich neue Bedarfe an Bildung dieser Evangelischen Schulen heraus (z.B. Schulleitungsfortbildungen, schulinterne Fortbildungen, Elternräte, Schülerräte), deren eigene Strukturen eigene Formate fordern, in denen Evangelisch-Sein als profiliertes und kontextualisierte Lebens- und Glaubensform pädagogisch entwickelt wird.

Regionale Formate

Langfristig bedacht werden auch stärkere regionale Formate verschiedenen Ausmaßes wie die Zusammenarbeit mit den Kompetenzzentren (Universitäten etc.).