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Rückblick

Renaissance der Mission

vergangen

Wurde der Begriff „Mission“ früher einer bestimmten Frömmigkeitsprägung zugeordnet und oft mit negativen Assoziationen verbunden, steigt seit Jahren seine innerkirchliche Akzeptanz. Hierbei schlägt sich die wachsende Bedeutung des Missionsbegriffes nieder, die seit Mitte der neunziger Jahre des letzen Jahrhunderts begonnen und sich in zahlreichen Erklärungen und Programmen niedergeschlagen hat.

Diese breite Renaissance des Missionsbegriffes reagiert auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und ihre Konsequenzen für die Kirchen. Kirchenmitgliedschaft verliert an Selbstverständlichkeit und wird mehr und mehr zur Sache der persönlichen Wahl. Neben der Vermittlung des Glaubens zwischen den Generationen tritt die Aneignung in verschiedenen Lebensphasen. Die wachsende Zahl von Konfessionslosen und das schwindende Glaubenswissen bei Kirchengliedern rücken die Fragen nach Brückenkontakten und elementaren Bildungsangeboten jenseits der etablierten kirchlichen Handlungsfelder in den Vordergrund.

Wie Menschen heute in ihren unterschiedlichen Lebenswelten und Milieus das Evangelium als lebensverändernde Kraft entdecken können und welche kirchlichen Formen und Formate dabei hilfreich sind, wird zur Kernfrage missionarischen Handelns.

Impulsgeber

Die Missionarischen Dienste arbeiten als Impulsgeber für eine missionarische Kirche. Arbeit für und in Gemeinden und Kirchenkreisen, Fortbildungen für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen, Tagungen und Vernetzungstreffen sowie Angebote in den beiden geistlichen Zentren Kloster Bursfelde und Missionarisches Zentrum Hanstedt ergänzen sich.

Als ortsfremde Mitarbeitende unterstützen die Referentinnen und Referenten in zeitlich begrenzten Projekten die missionarische Ausstrahlungskraft der Gemeinden. Vor Ort begleiten und beraten sie Kirchenvorstände und Kreise, schulen Teams und entwickeln gemeinsam evangelistische Projekte, die dann später in Form von Arbeitshilfen multipliziert werden (z.B. „Liebesbrief von Gott“ – eine Aktion zum Valentinstag und „Vom Glauben reden. Gemeindemission“).

Traditionell verflochten ist die Arbeit der Missionarischen Dienste mit Kirche im Tourismus. Hier bilden das Thema Gastfreundschaft, die Arbeit mit offenen Kirchen und die Bedeutung von „Gemeinden auf Zeit“ wie in der Urlauberarbeit klassische Schnittmengen. Das Pilgern und die Arbeit von Kirche in der Stadt wurden als neue gemeinsame missionarische Handlungsfelder etabliert.

Die Einsicht, dass Mission ein Querschnittsthema kirchlichen Handelns darstellt, führte zu zahlreichen weiteren Kooperationen, z.B. mit dem Arbeitsfeld Ökumene, dem Diakonischen Werk, der Gemeindeberatung/ Organisationsentwicklung und der Fundraisingarbeit des Evangelischen Medien und Servicezentrum (EMSZ).

Glaubenskurse

Schwerpunkte der angefragten Tätigkeit waren in den vergangenen Jahren: Glaubenskurse wie „SPUR 8“, „Emmaus - auf dem Weg des Glaubens“ sowie „Kaum zu glauben“ und „Mehr als ein Spruch“ inklusive der entsprechenden Fortbildung für Kursleitende sowie Schulungen für Mitarbeitendenteams in den Gemeinden. Der kleine Glaubenskurs „Kaum zu glauben“ wird gemeinsam mit der Evangelischen Erwachsenbildung in Niedersachsen als EEB- Arbeitshilfe herausgegeben und über das EKD-Handbuch „Erwachsen glauben“ deutschlandweit beworben. (→ Glaubenskurse)

Das von der EKD installierte Reformprojekt „Kurse zum Glauben“ hat die Arbeit mit Glaubenskursen im Rahmen der Kampagne „Kurse zum Glauben“ innerhalb der Landeskirche zu einem großen Wachstumsfeld werden lassen. Hier koordinieren die Missionarischen Dienste die landeskirchlichen Fortbildungsmaßnahmen, bilden fort, beraten und begleiten Kirchenkreise, Regionen und Gemeinden bei Auswahl und Durchführung von Kursen.

Missionarische Gemeindeentwicklung

Zentrale Fragestellung ist hier, wie sich die Einladung des Evangeliums in Kultur und Veranstaltungsformaten von Gemeinden und Regionen widerspiegelt und sich diese auf den lokalen Kontext und die Lebenswelten der Menschen einlassen. Hier bestehen intensive Kooperationen mit der Gemeindeberatung/ Organisationsentwicklung im HkD und der Fundraisingarbeit im EMSZ. Exemplarisch stehen hierfür die Projekte „GET+“ und „Attraktive Gemeinde“.

Das Projekt „Einladende Gemeinde“ nimmt Einsichten der Studie „Wie fin- den Erwachsene zum Glauben“ des Instituts zur Erforschung von Evangeli- sation und Gemeindeentwicklung (IEEG) Greifswald auf und macht sie für die Arbeit in der Kirchengemeinde fruchtbar.

GET+ verbindet ein bewährtes Gemeindeentwicklungskonzept mit strategischem Fundraising und hat dabei die missionarische Dimension des kirchlichen Auftrages im Blick. Im Projektverlauf werden eine ausführliche Gemeindeanalyse durchgeführt, eine Vision und ein Leitbild entwickelt, Grundlagen strategischen Fundraisings vermittelt und praktisch angewandt. GET+ Trainings bieten Gemeindeentwicklungsteams Hilfen für einen durchdachten und selbstverantwortlich gestalteten Veränderungsprozess. Dabei werden in den Trainings Kleingruppen methodisch versiert und praxisbezogen auf die Umsetzung in der Gemeinde vorbereitet. Während des Projektverlaufs stehen den Gemeinden externe Begleiter als Moderatoren zur Verfügung.

Attraktive Gemeinde

Beim Projekt „Attraktive Gemeinde“ haben sich zwölf Kirchengemeinden aus Stadt und Land der Frage gestellt, wie sie für Menschen in ihrem sozialen Umfeld anziehend wirken und sie zur Beteiligung am Leben der Gemeinde motivieren. Entwickelt und begleitet wurde das Projekt vom Haus kirchlicher Dienste (Missionarische Dienste und Gemeindeberatung/Organisationsentwicklung) und dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD.

Die Auswertung der Befragung durch das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD zeigt, das hinter den äußerlich messbaren Faktoren, die zur Attraktivität beitragen, die entscheidende Erkenntnis steht, dass diese Gemeinden etwas wollen. Sie lassen die Dinge nicht treiben, sie unternehmen etwas und machen sich auf einen Weg. Diese Leidenschaft wirkt anziehend.

Dazu gehört eine gute Verortung der Gemeinde (Wahrnehmung des Umfelds, Analyse der Stärken und Schwächen, Vernetzung im Sozialraum) ebenso wie die Entwicklung eines Profils (Leitbild und Ziele). Wichtig ist die Förderung des Ehrenamtes wie das Fundraising und die Kooperation in der Region. Zu beachten ist aber auch, dass Gemeinden sich nicht selbst überfordern und sich in ihrer Arbeit professionelle Unterstützung von außen suchen. Entscheidend wird letztlich bleiben, dass in der Gemeinde die Men- schenfreundlichkeit Gottes sichtbar Gestalt gewinnt. (Vgl. Philipp Elhaus, Matthias Wöhrmann (Hg.), Wie Kirchengemeinden Ausstrahlung gewinnen. Zwölf Erfolgsmodelle, Göttingen 2012).

Einladende Gemeinde

Das Projekt „Einladende Gemeinde“ übersetzt Einsichten der Konversionsforschung in die Gemeindepraxis. Die Vielfalt der Wege zum und im Glauben werden biografisch erhoben, Schlüsselpersonen für die unterschiedlichen Glaubenswege benannt, die Rolle von Veranstaltungsformaten analysiert, die Bedeutung von Ritualen erhoben sowie die Konsequenzen für die Gemeindeentwicklung bedacht. Auf der Basis eigener Erfahrungen und Entdeckungen werden zentrale Einsichten der Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben“ vorgestellt, auf die Situation der eigenen Gemeinde bezogen und mit Impulsen zur Weiterarbeit ergänzt (vgl. Hermann Brünjes und Stefanie Schwenkenberger, Geforscht.Gelebt.Gelaubt: Ein Projekt zur Studie „Wie finden Erwachsene zum Glauben“, Neukirchen 2011.)

Kleingruppen- und Hauskreisarbeit

Darüber hinaus fördern und unterstützen die Missionarischen Dienste die Kleingruppen- und Hauskreisarbeit der Landeskirche. Sie reicht von etablierten Bibelkreisen bis hin zu zeitlich begrenzten Gesprächsgruppen, die oft nach Glaubenskursen entstehen. Im überschaubaren Kreis werden Glauben und Leben miteinander geteilt. Diese Kleingruppen bilden intensive Sprachschulen des Glaubens und bieten für Glaubensanfänger einen Erprobungsraum für die Alltagsrelevanz des Glaubens.

Ökumenische Zusammenarbeit

Mit dem Bistum Hildesheim hat sich eine intensive ökumenische Zusammen- arbeit entwickelt. Die Orientierung an einer Kirche, die ihre Form von ihrer Sendung her entwickelt, hat über einen intensiven Gedankenaustausch zu gemeinsamen Studienreisen, Studientagen, Publikationen und dem (→) ökumenischen Kongress Kirche² im Februar 2013 geführt. Hier besteht eine Zusammenarbeit mit dem Arbeitsfeld Ökumene im Haus kirchlicher Dienste (HkD). Im ökumenischen Horizont gewinnen Beratung und Schulung bei der Entwicklung neuer Formen gemeindlichen Lebens innerhalb und jenseits der bisherigen gemeindlich verfassten Formen an Bedeutung (vgl. Philipp Elhaus und Christian Hennecke, Gottes Sehnsucht in der Stadt. Auf der Suche nach Gemeinden für Morgen, Würzburg 2011).

Kloster Bursfelde und Missionarisches Zentrum Hanstedt

In den letzten Jahren haben die zwei geistlichen Zentren, das Geistliche Zentrum Kloster Bursfelde und das Missionarische Zentrum Hanstedt, wesentliche Bedeutung für die Konzeption der Missionarischen Dienste bekommen. Sie bieten verdichtete Begegnungsräume für geistliche Gemeinschaft und missionarische Spiritualität. Als Zentren mit überregionaler Ausstrahlungskraft werden sie über das HkD hinaus von Freundeskreisen unterstützt.

Das Missionarische Zentrum Hanstedt ist durch eine Hausgemeinde junger Erwachsener besonders für Konfirmanden- und Jugendgruppen attraktiv. Als neuer Arbeitsbereich haben sich unterschiedliche Angebote für Schulklassen etabliert. Aber auch bei Gemeindegruppen und Kirchenvorständen ist das „Tagungshaus mit Herz“ beliebt. Die Referenten bieten eigene Tagungsformate an und begleiten Gruppen mit inhaltlichen Impulsen. In Kooperation mit dem örtlichen Tourismus wurden zwei Besinnungswege – der Auferstehungsweg und der Schöpfungsweg – installiert, auf denen man sich Glaubensthemen persönlich ergehen kann.

Die Trägerschaft des Geistlichen Zentrums Kloster Bursfelde wurde Mitte 2007 durch die Landeskirche übernommen. Diese Entscheidung und die bauliche Erweiterung des Tagungsbereiches durch die Klosterkammer unter- streichen die gesamtkirchliche Bedeutung von Bursfelde. Mit einem neu geschaffenen Oasenbereich wurde die Begleitung von Einzelgästen intensi- viert und 2013 eine Pilgerherberge eingerichtet. Das Kloster bringt das rei- che Erbe der spirituellen Tradition zum Klingen. Fortbildungskurse zu geist- licher Begleitung, unterschiedliche Tagungsangebote zum geistlichen Le- ben und für spezifische Zielgruppen sowie die Begleitung von Pfarrkonven- ten gehören zum Aufgabenprofil der Referentinnen und Referenten.

Halbjährlich geben die Missionarischen Dienste den Veranstaltungskalender mit Angeboten zu Meditation, Einkehr, Exerzitien und Pilgerwegen heraus und veröffentlichen die Hauskreiszeitschrift „Wege“. Die ausleihbaren Ausstel- lungen „Der Auferstehungsweg“ und „Der Schöpfungsweg“ bringen mit um- fangreichen Arbeitshilfen zentrale Grundworte des Glaubens anschaulich ins Gespräch.

Über die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) in Berlin besteht eine aktive Vernetzung zu Initiativen und Projekten anderer EKD-Gliedkirch- en und freien Werken.