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Rückblick

Lokaler Aufbruch

vergangen

Der Ökumenische Kongress Kirche², zu dem das Bistum Hildesheim und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers vom 14.-16.2.2013 in Kooperation mit der ACK Niedersachsen nach Hannover einluden, wuchs aus ökumenischen Begegnungen, die zu einem lokalen Aufbruch führten.

So verkörperte der Kongress bereits in seiner Vorgeschichte das, was er initiiert hat: eine gemeinsame Suche nach einem Bild für die Kirche der Zukunft, das jetzt schon in vielen kleinen Miniaturen aufleuchtet.

Impulse aus England

Am Anfang stand der thematische Austausch von Fachreferentinnen und –referenten aus dem Bistum Hildesheim und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers aus den Arbeitsbereichen Ökumene und Missionarische Dienste bzw. Seelsorge.

Das gemeinsame Anliegen einer Ökumene der Sendung führte an einen dritten Ort: nach England. Dort konnten wir an beeindruckenden Beispielen sehen, wie es einer Großkirche (Church of England) gelingt, mitten in schmerzhaften Abbrüchen dem „management of decline“ ermutigende Impulse entgegen zu setzen. Durch die Rückbesinnung auf die grundlegende Sendung der Kirche hat sich in den vergangenen 20 Jahren eine „mixed economy“ von neuen („fresh expressions of church“) und bewährten Formen von Kirche entwickelt. Auf diese Weise wird das Evangelium auch in Lebenswelten und Milieus hineingetragen und gewinnt dort Gestalt, die über die normale Angebotspalette einer Gemeinde nicht mehr erreicht werden.

Während der intensiven Reflexionsphasen auf drei ökumenischen Studienreisen zwischen 2009 und 2011 und auf den flankierenden Studientagen entwickelte sich nicht nur ein wachsendes ökumenisches Netzwerk in Landeskirche und Bistum, sondern auch eine vertrauensvolle Weggemeinschaft untereinander. Dieses Miteinander wurde zu einem lebendigen Kommentar der ersten vier Artikel der Charta Oecumenica: Gemeinsam im Glauben zur Einheit der Kirche berufen, gehen wir aufeinander zu und handeln mit dem Ziel, das Evangelium miteinander zu verkünden.

Ökumenische Perspektive

Ziel des Kongresses war es, ökumenische Perspektiven aufzuzeigen, wie sich unsere Kirchen vor Ort in bewährten und neuen, innovativen Formen in Zukunft entwickeln können. Über 1.350 Menschen teilten Ideen, Visionen und Erfahrungen und verwandelten das Convention Center in Hannover in ein kleines, ökumenisches Laboratorium für die Zukunft der Kirche. Andere beteiligten sich per Twitter oder schauten im Livestream vorbei.

Fünf große Plenarveranstaltungen, 23 Foren, 69 Workshops und 50 Stände machten den Kongress zu einem großen Forum der Begegnung und Inspiration. Verantwortungsträger in verschiedenen kirchlichen Ebenen wurden motiviert, die unterschiedlichen Facetten einer Ökumene der Sendung in die eigenen kirchlichen Gestaltungsräume vor Ort einzubringen.

Neben den inspirierenden fresh expressions of church in England wurden auch andere weltkirchliche Impulse und vor allem die Dynamik der vielen kleinen Aufbrüche in unseren Volkskirchen und Freikirchen wahrgenommen und miteinander vernetzt. Durch die Programmfülle des Kongresses zogen sich fünf Hauptthemen: Kirchenentwicklung, Leitung, Lebenswelt und Kirche, Glauben entdecken und neue gemeindliche Formen.

Weder Krise noch Mangel war spürbar in Hannover. Eher im Gegenteil: Aufbruch und Geist, Freude und Kreativität. Jenseits von Depressionsschleifen und dem wenig fruchtbaren Strukturfokus konnte Kirche hier erlebt werden als Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die aus einer Leidenschaft für das Evangelium die Welt mit gestalten. Die Kategorien des oben und unten, aber eben auch die Kategorie von Veranstalter und Teilnehmer, von aktiv und passiv wurden überwunden.

Große Resonanz

Die große Resonanz vor – bereits drei Monate vor Kongressbeginn waren die 1.250 Teilnehmenden- und Mitwirkendenplätze ausgebucht – während und nach dem Kongress zeigt das Interesse und den Bedarf an Gemeinde- und Kirchenentwicklung in diesem ökumenischen Horizont.

Der Kongress erregte deutschlandweite Aufmerksamkeit. Bis Sommer 2013 fanden an mehreren Orten Nachtreffen statt. Es wurden weitere ökumenische Kontakte geknüpft und Absprachen getroffen. Kirchenkreise und Dekanate sowie verschiedene lokale ACKs beschäftigen sich mit Kirche²-Themen. Zahlreiche Stimmen, u.a. aus den über 320 digitalen Feedbacks wünschten sich regionale Vernetzungstreffen und weitere Veranstaltungen.

Die Resonanz und die beginnende Wirkungsgeschichte zeigen, dass diese Dynamik über den Kongress hinaus drängt. Ein ökumenisches Projektbüro mit Stellenanteilen aus der Landeskirche Hannover und dem Bistum Hildesheim wurde eingerichtet, das die Impulse von Kirche² durch weitere Informationen und Vernetzung, Veranstaltungen und Fortbildungen verbreitet.

Die Vorgeschichte und der Kongress selbst sind literarisch dokumentiert:

  • Philipp Elhaus, Christian Hennecke (Hg.), Gottes Sehnsucht in der Stadt. Auf der Suche nach Gemeinden von Morgen, Würzburg 2011
  • Philipp Elhaus, Christian Hennecke, Dirk Stelter, Dagmar Stoltmann-Lukas (Hg.), Kirche². Eine ökumenische Vision, Würzburg und Hannover 2013