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Themenzentrierte Interaktion (TZI)

grundtext

Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist ein (gruppen)didaktisches Konzept aus dem Bereich der humanistischen Psychologie; es wurde seit Mitte der 1950er Jahren in den USA entwickelt von der Psychoanalytikerin und Psychologin Ruth C. Cohn.

Sie stellte sich die Frage, wie Gruppen so geleitet werden können, dass lebendiges Lernen und menschliches Wachstum ermöglicht werden. Zur Themenzentrierten Interaktion gehören eine Hermeneutik, also eine Philosophie des Verstehens, für Gruppenprozesse sowie Vorschläge für die Gruppenleitung.

Das System der Themenzentrierten Interaktion setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen; die grundlegenden Axiome formulieren philosophische Grundsätze, die das Ziel des menschlichen Wachstums proklamieren. Ein Brennpunkt der TZI sind die existenziellen Postulate. Sie benennen zentrale Wachstumsherausforderungen: Sei deine eigene Chairperson – leite dich bewusst selbst, wie du ein Team oder eine Gruppe leiten würdest; Störungen haben Vorrang – nimm sie auf und ernst, damit ihr gut weiterarbeiten könnt. Den zweiten Brennpunkt bilden die Interaktionsmethoden: ein formuliertes Thema, das die vier Faktoren „Ich“, „Wir“, „Es“ und „Globe“ verbindet und hilft, sie auszubalancieren – die sogenannte didaktische Wasserwaage der TZI – und ein partizipativer Leitungsstil, der vom Leiter oder der Leiterin verlangt, sich selbst immer auch als Teilnehmer oder Teilnehmerin zu verstehen.

Die Strukturen, in denen gelernt und gearbeitet wird, sollen dem Gruppenprozess angemessen sein und Vertrauen fördern. Mit den sogenannten Hilfsregeln macht Ruth Cohn konkrete Vorschläge zur Kommunikation.

Chancen und Grenzen beim Leiten von Gruppen erkennen

Man lernt die Themenzentrierte Interaktion, indem man Gruppensituationen erprobt und reflektiert: Wie wirkt welches Thema? Was fördert mich und andere als Gruppenteilnehmer? Wie kann ich meine eigene Chairperson wahrnehmen und ausüben? Wie kann ich Störungen konstruktiv aufnehmen? Wie kann ich Methoden einüben, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ebenso wie mir selbst Wachstum ermöglichen?

In TZI-Seminaren erlernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Leiten von Gruppen: Sie arbeiten an der Klärung von Erfahrungen mit eigener und fremder Leitung, am Erkennen der persönlichen Chancen und Grenzen beim Leiten von Gruppen und an der Verbesserung der Selbstwahrnehmung in der Leitungsfunktion. Mit dem TZI-Modell erlernen sie das Korrelieren von sachlichen Anliegen mit der Gruppensituation, das Setzen und Einführen von herausfordernden und einladenden Themen und das Entwickeln von angemessenen Sozialformen.

In Bezug auf die Gruppe erarbeiten sich die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer die Fähigkeit zur Wahrnehmung und Analyse der Gruppensituation und der verschiedenen Gruppenphasen mit ihren Chancen und Möglichkeiten und den angemessenen und konstruktiven Umgang mit Krisen in der Gruppe; in Bezug auf Einzelne eine verbesserte Wahrnehmung der Individuen in der Gruppe, Kenntnisse von Persönlichkeitsstrukturen und ihre Auswirkung auf das Gruppengeschehen. Ziel ist die Entwicklung von persönlichkeitsspezifischen Herausforderungen und Wachstumsanregungen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Speziell im kirchlichen Kontext geht es darum, die Entwicklung von Glaubensthemen und deren Verbindung mit den persönlichen Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in gemeinschaftlichen Formen zu ermöglichen.

Pastor Ulrich Hahn
Gemeindepastor und graduierter TZI-Lehrer