kopf

Rückblick

Kark op Platt

vergangen

In den letzten Jahren haben die Verantwortlichen im Bereich der plattdeutschen Verkündigung in der Kirche ein interessantes Phänomen beobachtet: Auf der einen Seite ist ein fortschreitender Rückgang der aktiven und passiven Sprachkompetenz im Bereich des Niederdeutschen zu verzeichnen. Auf der anderen Seite aber hat sich die Einstellung zum Plattdeutschen radikal gewandelt. Niederdeutsch wird mittlerweile als Kulturgut und zusätzliche Kompetenz gewertet und auch im Bereich der Kirchen immer häufiger nachgefragt. So bieten mittlerweile nicht nur Gemeinden in traditionell plattdeutschen Gebieten wie Ostfriesland oder der Heide, sondern z.B. auch die Marktkirche in Hannover regelmäßig plattdeutsche Gottesdienste an.

In vielen Kirchenkreisen - vor allem in Ostfriesland - bilden sich zudem neue Kreise, die gemeinsam mit den Hauptamtlichen plattdeutsche Veranstaltungen vorbereiten und anbieten.

Aktive Predigerinnen und Prediger und die Plattdeutschbeauftragte der Landeskirche haben z. T. Schwierigkeiten, allen Anfragen nachzukommen.

Nachwuchswerbung

Auf diese Entwicklung hat die AG ‚Plattdüütsch in de Kark’ vor allem durch Nachwuchswerbung und die Erweiterung der Hilfsangebote für Predigerinnen und Prediger reagiert. So wurde z. B. 2004 in die Zeitschrift ‚De Kennung’ (Zeitschrift für plattdeutsche Gemeindearbeit) auf Anregung der Plattdeutschbeauftragten eine neue Rubrik eingefügt. Unter dem Titel ‚För de Gemeen’ finden Interessierte nun zu jeweils wechselnden Themen Gottesdienstvorschläge, Texte, Gebete, Lieder und Predigten, die in den Gemeinden verwendet werden können.

Plattdüütsch Sönndag

Für den in vielen Gemeinden regelmäßig begangenen „Plattdüütsch Sönndag“ (regulär der 1. Sonntag nach Trinitatis) werden kleine Vorbereitungshefte mit Predigtvorschlägen herausgegeben, an denen z. T. auch ostfriesische Theologen aus dem Bereich der reformierten Kirche mitarbeiten.

Predigten der Plattdeutschbeauftragten werden außerdem in der Reihe ‚DIE LESEPREDIGT’ und im Internet veröffentlicht.

Gesangbuch "Dor kummt een Schipp"

Nachdem die zweite Auflage des plattdeutschen Gesangbuches ‚Dor kummt een Schipp’ schon im Jahre 2006 vergriffen war, hat die AG durch einen Redaktionskreis 2009 eine dritte, durchgesehene Auflage herausgegeben. 43 neue plattdeutsche Lieder zu modernen und beliebten Melodien wurden in einem auch als Extraheft erhältlichen ‚Anhang’ hinzugefügt.. Um die Verwendung einzelner Gesänge für Liederzettel zu erleichtern, liegen alle Daten neuerdings auch auf einer CD-Rom vor.

Die plattdeutsche Lektoren- und Prädikantenausbildung wurde insofern ausgeweitet und verfeinert, als nun an den entsprechenden Wochenenden gemeinsam ein plattdeutscher Gottesdienst zu einem bestimmten Thema entwickelt und dann auch gleich in einer Kirche am Tagungsort gefeiert und für die dortige Gemeinde angeboten wird. Diese praktisch ausgerichtete inhaltliche Auseinandersetzung mit Bibeltexten wird von allen Beteiligten als fruchtbar und hilfreich erlebt.

Entwickelt werden von vielen einzelnen und Gruppen gemeinsam mit der Plattdeutschbeauftragten auch immer wieder neue Gottesdienstformen. So wird gerne mit Musikgruppen und Künstlern zusammen gearbeitet; Gospelchöre und Folkbands werden beteiligt, Kinder und Jugendliche einbezogen und kleine Anspiele in die Gottesdienste integriert. Gut angenommen werden auch plattdeutsche Andachten zu ungewöhnlichen Themen, z.B. zum Valentinstag, oder an ungewöhnlichen Orten, bei Heideblüten-, Schützen- und Mühlenfesten unter freiem Himmel, im Rahmen der ‚Langen Nacht der Kirchen’, auf Schiffen oder beim ‚Ossi-Lauf’.

Kinder- und Familienarbeit

Um mit dazu beizutragen, dass die plattdeutsche Sprache nicht verloren geht und zugleich deutlich zu machen, welch wertvollen Beitrag sie leistet für Verkündigung und Seelsorge, haben wir in den letzten Jahren den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit stark ausgeweitet.

Die Reaktionen auf die im Februar 2007 erschienene plattdeutsche Kinderbibel unter dem Titel „Dat groote Bibel-Billerbook up Platt" waren überwältigend. Die erste Auflage war schnell vergriffen. Das Buch wird in Schulen, Kindergottesdiensten und Kindergärten eingesetzt und auch privat und bei plattdeutschen Vorlesewettbewerben genutzt, um auf Plattdeutsch anschaulich vom Glauben zu erzählen. Weil die Nachfrage nach der Bibel ungebrochen blieb, entschloss sich die AG 2012 zur Herausgabe einer zweiten Auflage. Sie ist im August 2013 erschienen.

In der Zwischenzeit hatten zwei weitere Projekte für Kinder Gestalt angenommen. In Zusammenarbeit mit dem Autor und Fernsehmoderator Yared Dibaba wurde 2011 ein Hörbuch mit Bibelgeschichten erstellt. Außerdem wurde die Weihnachtsgeschichte auf Plattdeutsch für Kinder herausgegeben.

Nachdem die AG 16 Jahre lang jedes Jahr eine ‚Plattdüütsche Kinnerfreetied’ angeboten hatte, kam aus den Reihen der Elternschaft die Anregung, das Angebot auf die ganze Familie auszuweiten. Strukturelle Veränderungen in der Heimvolkshochschule Hermannsburg führten außerdem dazu, dass das dort ansässige jährliche Seminar ‚Oma, Opa, snack mit mi mal Platt’ nicht mehr ins Programm aufgenommen werden konnte. Auf diese Veränderungen reagierte die AG mit einem neuen Angebot: Die ‚Plattdüütsche Familienfreetied’, zu der neben Eltern und ihren Kindern auch Großeltern mit ihren Enkeln eingeladen wurden. Die Familienfreizeiten, bei der jeweils eine biblische Geschichte oder Figur im Mittelpunkt steht und viel gesungen und musiziert wird, werden sehr gut angenommen. Eine stetig wachsende Gruppe von Jugendlichen ist als ‚Teamer-Kring’ im Einsatz, und die plattdeutsche Sprache erweist sich einmal mehr als tragfähige Verbindung sowohl zwischen den verschiedenen Generationen als auch zwischen der biblischen Botschaft und der Alltagswelt der Teilnehmer.

Plattdeutsche Tagung im Pastoralkolleg

Die plattdeutsche Tagung im Pastoralkolleg verzeichnet steigende Besucherzahlen. Zwischen 50 und 70 Interessierte versammeln sich einmal im Jahr, um gemeinsam ein Thema zu bearbeiten und sich dadurch für ihre Arbeit in den Gemeinden anregen zu lassen. Unter den Tagungsteilnehmern finden sich neben Lektoren und Prädikanten allerdings auch zahlreiche Pastoren im Ruhestand. Plattdeutsche Gottesdienste werden durchaus auch von jüngeren und noch aktiven Kolleginnen und Kollegen angeboten; allerdings finden sie – obwohl sie die Inhalte der Tagung positiv bewerten - aufgrund der hohen Belastung in den Gemeinden nur selten Zeit, an der plattdeutschen Fortbildung teilzunehmen.

Auch in einzelnen Regionen ist es manchmal schwer, Menschen zu finden, die im Bereich der plattdeutschen Verkündigung übergemeindlich Verantwortung übernehmen. So hat z.B. der gesamte Bereich Ostfriesland im plattdeutschen Bereich zurzeit kein Leitungsteam, nachdem ein Kollege durch Erkrankung und eine Kollegin durch Arbeitsüberlastung ausgefallen sind. Im Moment ist auch hier die Plattdeutschbeauftragte Ansprechpartnerin.

Kirchentage

Eine große Rolle spielt ‚Plattdüütsch in de Kark’ mittlerweile auf den Kirchentagen. Auf jedem der Kirchentage hat die AG neben einem Stand auf dem ‚Markt der Möglichkeiten’ auch immer ein ‚Plattdüütsch Zentrum’ mit Gottesdiensten, Andachten, Worksops, Vorträgen, Feierabendmahlen und Konzerten angeboten. Besonders in Bremen (2009) und Hamburg (2013) war die Resonanz sowohl von den Zahlen als auch von den Reaktionen der Besucher her überwältigend. Auch Landesbischof Ralf Meister begeisterte die Teilnehmer bei einem Open-Air-Gottesdienst in der Hafencity in Hamburg mit einer plattdeutschen Predigt.

Auch auf diversen regionalen Kirchentagen ist ‚Plattdüütsch in de Kark’ vertreten, so z. B. unter dem Motto „Ein Stück vom Himmel - Lücht in mien Leven“ auf dem 5. Ostfriesischen Kirchentag in Norden (2010) oder unter der Überschrift ‚Vertrauen wagen – Du büst bi mi’ auf dem 6. Ostfriesischen Kirchentag in Aurich (2012). Hier enthielten die Eröffnungsgottesdienste plattdeutsche Elementen, und die Predigten in den Abschlussgottesdiensten wurden vom ev.-ref. Kirchenpräsidenten Jann Schmidt in plattdeutscher Sprache gehalten.

Stetig intensiviert wurde in den letzten Jahren auch die Zusammenarbeit mit den katholischen Plattdeutschen. So wurden auch auf den Katholikentagen in den letzen Jahren regelmäßig ökumenische plattdeutsche Angebote gemacht und gut angenommen.

Radioandachten

Durch die gute Zusammenarbeit mit dem NDR und dem Evangelischen Pressedienst (epd) wird die Arbeit von ‚Plattdüütsch in de Kark’ stets von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen und gewürdigt.

Auch die werktäglichen plattdeutschen Andachten auf NDR 1 Niedersachsen (‚Dat kannst mi grlöven!’) erfreuen sich bei den Hörern nach wie vor großer Beliebtheit. Die in Zusammenarbeit mit dem Verlag ‚lagoline’ entstandene CD ‚Land in Sicht’ mit plattdeutscher Musik und plattdeutschen Andachten wurde deshalb 2010 ebenfalls neu aufgelegt.

Plattform

Wichtig ist außerdem die Vernetzung der AG mit den plattdeutschen Arbeitskreisen außerhalb unserer Landeskirche. Gemeinsame Projekte koordiniert die 1990 als gemeinsamer Dachverband aller organisierten Kirchen-Plattdeutschen gegründete „Plattform Plattdüütsch in de Kark“. Sie reicht von Westfalen bis Vorpommern, von Brandenburg bis Schleswig-Holstein. Im Rahmen der „Plattform“ beteiligt sich die AG an Treffen in Barth und in Ratzeburg und organisiert in jedem Sommer ein „Veerlännerdreepen“ der Plattdeutschen aus Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

2008 haben in diesem Rahmen im Niederdeutschen Bibelzentrum in Barth z. B. ein Symposium zum 450. Todestag von Johannes Bugenhagen und in der Theologischen Fakultät Greifswald eine Bugenhagen-Konferenz stattgefunden. Wissenschaftliche Themen werden darüber hinaus regelmäßig in der Zeitschrift DE KENNUNG bearbeitet.

Die Arbeitgemeinschaft ‚Plattdüütsch in de Kark’ Niedersachen / Bremen wird sich gemeinsam mit der Plattdeutschbeauftragten der Landeskirche Hannovers auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Chancen, die die plattdeutsche Sprache für den Verkündigungsauftrag der Kirchen bietet, genutzt werden. Immer mehr Menschen lassen sich die Botschaft der Bibel gerne auf Platt erzählen und nehmen sie dadurch ganz neu wahr.

Beispiele:

Uns' Vader in den Himmel...

laat hillig warden dien Naam,
laat kaamen dien Riek.
Wat du wullt, schall warden
in’n Himmel un op de Eer.
Giff uns Broot dissen Dag,
un reken uns nich to,
wat wi unrecht daan hebbt,
so as wi nich toreken willt,
wat uns andaan is.
Laat uns nich afkaamen
von dien Recht,
un maak uns free von all,
wat uns drifft.
Du wullt dat,
du kannst dat,
du deist dat ok.
Amen.
 

Plattdüütsch

  • „Selig sünd de Minschen, de sacht un sinnig mit de annern umgaht.“ („Selig sind die Sanftmütigen.“, Mt. 5,5)
  • „Koomt all bi mi! Well sük ofrackern un ’n swoore Last mit sük rumschlepen mutt - ik will jo helpen, dat ji jo verpusten köönt.“ („Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“, Mt. 11, 28)
  • „Gott hett uns doch sien Geist wohrhaftig nich dorto geven, dat wi bang wesen sulln. Nee, mit Gott sien Geist sünd wi stark, köönt Minschen leev hebben un klook hanneln.“ („Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“, 2. Tim. 1,7)