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Rückblick

Gemeinsamer Auftrag - Eigene Wege

vergangen

Unter einem gemeinsamen Auftrag stehend, beschreitet jede Bibelgesellschaft einen eigenen Weg, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Bibel in die Gesellschaft zu tragen.

So gibt es für die Hannoversche Bibelgesellschaft eine Zuständigkeit für ca. 1,5 Millionen Gemeindeglieder (Sprengel Hannover, Lüneburg und Alt-Sprengel Hildesheim). Im Jahr 1998 wurde am nordwestlichen Stadtrand von Hannover das »Bibelzentrum Marienwerder« eingerichtet. In den 15 Jahren seines Bestehens haben ca. 35.000 Besucher die dortige Dauerausstellung »Lebensreise mit der Bibel« besucht. Angesichts jährlicher Unterhaltungskosten von ca. 18.000 € und einem kontinuierlichen Rückgang der Besucher auf zuletzt ca. 900 im Jahr 2011 hat das Bibelzentrum am 30. Juni 2013 seine Arbeit eingestellt. Mittlerweile wurde die Geschäftsstelle der Bibelgesellschaft ins Haus kirchlicher Dienste nach Hannover verlegt. Mit einem neuen inhaltlichen Konzept soll im Bereich des Sprengels Hannover ab dem 1. Halbjahr 2014 ein neuer Anfang gemacht werden.

Regionale Bibelgesellschaften

Die kleineren, in ihren Sprengeln beheimateten Bibelgesellschaften finden dort überschaubare und handhabbare Verhältnisse für ihr Engagement vor, was sich unmittelbar positiv auswirkt. So betreibt die Stader Bibel- und Missionsgesellschaft im Zentrum von Stade eine auch unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet sehr erfolgreiche »Christliche Buchhandlung«. Dazu hat sie in den vergangenen Jahren u.a. zahlreiche Arztpraxen in der Region mit einer Kinderbibel für die kleinen Patienten bedacht.

Die Osnabrücker Bibelgesellschaft unterhält in bester Citylage unmittelbar an der Marienkirche einen »Erlebnisraum Bibel«, der zur thematischen Arbeit einlädt und Exponate zur Bibel präsentiert. Darüber hinaus bietet sie Studienreisen an.

Die Göttinger Bibelgesellschaft engagierte sich 2012 an der Durchführung des »Göttinger Psalters«, ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), und hat damit eine breite Öffentlichkeit erreicht. Darüber hinaus veranstaltet sie lokale Bibelausstellungen und unterstützt finanziell die Durchführung von Bibelkursen.

Die Ostfriesische Bibelgesellschaft ist öfters Gast in Kindergärten und Grundschulen, wo sie Kinderbibeln verteilt. Außerdem unterstützt sie finanziell die vom Norder Bibelfliesenteam herausgegebene »Fliesenbibel«, die nicht nur in der Region immer mehr Beachtung findet.
 

Formen der Zusammenarbeit

Auch innerhalb der hier skizzierten Selbstständigkeit gab es in den vergangenen Jahren, bzw. gibt es weiterhin Formen einer institutionellen Zusammenarbeit. Diese besteht z.B. in der gemeinsamen Mitgliedschaft im Dachverband der deutschsprachigen Bibelgesellschaften, der »Deutschen Bibelgesellschaft« mit Sitz in Stuttgart. Mit der jährlichen Teilnahme an den Gesamtkonferenzen und Geschäftsstellenkonferenzen war und ist eine Möglichkeit gegeben, sich über die eigene Arbeit auszutauschen und Impulse für die weitere Arbeit aufzunehmen. Auch die individuelle Teilnahme der Mitarbeiter/innen an den jeweiligen Fachkonferenzen (z.B. »Bibel und Archäologie«, »Kinderbibeln« u.a.) dient diesem Zweck. Eine Besonderheit dieser Mitgliedschaft: Während andere Landeskirchen mit nur einer Bibelgesellschaft vertreten sind, sind es für den Bereich der Hannoverschen Landeskirche deren fünf. Der Preis für den damit verbundenen erhöhten Einfluss auf die konzeptionelle Arbeit besteht allerdings in einem fünffachen Mitgliedsbeitrag (zus. 1250,00 € p.a.).

Arbeitsgemeinschaft Nord-West e.V.

Ein weiteres Forum der Zusammenarbeit, die »Arbeitsgemeinschaft Nord-West e.V.«, ist am 30. Juni 2013 an sein Ende gekommen. Gegründet im Frühjahr 1989 von den neun regionalen Bibelgesellschaften in Niedersachsen und Bremen sowie der Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland, der Norddeutschen Mission und dem Taschenbibelbund für Deutschland e.V., war es das Ziel dieses Zusammenschlusses, als produktive Schnittstelle die regionale Bibelarbeit im Nordwesten zu bündeln und zu vernetzen. Heute muss festgestellt werden, dass bei allem Einsatz dieses Ziel nur in Teilen erreicht wurde. Die Gründe dafür liegen zum einen in der Weite des niedersächsischen Raumes, die nicht mehr als ein einmaliges Treffen im Jahr zugelassen hat. Zum anderen fehlte nach der Streichung der zunächst von der Hannoverschen Landeskirche vollfinanzierten Stelle des Geschäftsführers schon in den 90er-Jahren die entscheidende administrative Kraft.

Ganz auf der Habenseite der Arbeitsgemeinschaft Nord-West als ihr sichtbarster Ausdruck steht die »Bibelscheune Falkenburg«. Über viele Jahre informierte die in einem historischen Fachwerkgebäude eingerichtete Ausstellung über die Entstehung und Verbreitung der Bibel. Ein Angebot, das ca. 50.000 Besucher wahrgenommen haben. Mit dem Ende der evangelischen Bildungsstätte »Lutherstift« (Juni 2012), auf deren Gelände Bibelscheune und Geschäftsstelle ihren Platz hatten, hat auch die Bibelscheune und damit die integrative und sinnstiftende Mitte der AG Nord-West ein Ende gefunden.

Fazit

Der Blick auf die Aktivitäten und Ereignisse der vergangenen Jahre macht deutlich:
1. Die von den regionalen Bibelgesellschaften geleistete Arbeit ist vielfältig und umfangreich (s.o.). Die Inanspruchnahme der Angebote belegt, dass sie bei den Adressaten (hauptsächlich Konfirmandengruppen, Schulklassen, an der Bibelarbeit interessierte Erwachsene) eine positive Aufnahme findet. Für die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen ist dies Anerkennung und Motivation zugleich. Ohne sie gäbe es diese Arbeit nicht.

2. Dort, wo die Verhältnisse überschaubar sind, stimmt das Verhältnis von Aufwand und Ergebnis. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben aber auch gezeigt, dass dieses Verhältnis dort in eine Schieflage gerät, wo mit großen Räumen (Hannoversche Bibelgesellschaft) oder aufwendigen Strukturen (Arbeitsgemeinschaft Nord-West) umgegangen werden muss. Hier kollidiert das Wünschenswerte mit dem Machbaren.

3. Die Erfahrungen mit dem »Bibelzentrum Marienwerder« und der »Bibelscheune Falkenburg« belegen: Die Unterhaltung auch noch so kleiner Bildungseinrichtungen bindet in hohem Maß personelle und finanzielle Mittel. Es sind und bleiben Zuschussbetriebe. Das hier investierte Geld fehlt auf der anderen Seite, um Angebote zu entwickeln, Referenten zu engagieren, Mitarbeiter fortzubilden, die eigene Infrastruktur zu pflegen.

4. Auch ehrenamtliche Arbeit hat ihren Preis – und den Bibelgesellschaften fällt es immer schwerer, diesen Preis zu erwirtschaften, nachdem der Bibelverkauf seine Bedeutung als finanzielles Standbein weitgehend verloren hat. Keine verlässliche Größe ist die Kollekte des Bibelsonntags (letzter Sonntag im Januar), die die Landeskirche in jedem Jahr den Bibelgesellschaften aufgeschlüsselt nach deren Größe zur Verfügung stellt. Sie schwankt von Jahr zu Jahr und wird tendenziell geringer (von ca. 65.000 € in 20008/09 auf ca. 53.700 € in 2011/12). Dies sind keine optimalen Voraussetzungen für eine solide Geschäftsführung.

5. Eine Erfahrung, die alle Bibelgesellschaften machen: Die Entkirchlichung der Gesellschaft betrifft zunehmend auch ihre Arbeit. Sie sind, wie es der Soziologe Thomas Luckmann formuliert, »einer von vielen Anbietern auf dem religiösen Markt«. Sich hier mit einem attraktiven Angebot zur Bibel zu positionieren, ist auch eine Frage der öffentlichen Wahrnehmung. Von daher wurde die Unsicherheit auf EKD-Ebene in Bezug auf die Themenstellung des Dekadejahres 2015 (lange hieß es, der Bestandteil „Bibel“ werde gestrichen), die dazu geführt hat, sich in der Landeskirche auf „Reformation und Bild“ zu konzentrieren, bedauert. Hier ist den Bibelgesellschaften eine Plattform genommen worden, auf der sie in der Vergangenheit ihre Arbeit öffentlichkeitswirksam präsentieren konnten, die ihr neue Impulse gab und die ihr nicht zuletzt die Möglichkeit bot, neue Mitglieder und Mitarbeiter zu gewinnen.