kopf

Ausblick

Hervorragendes kirchliches Angebot

zukunft

Die Kasualien sind ein hervorragendes kirchliches Angebot, und die Pfarrpersonen haben eine hohe Kasualkompetenz. Gelungene Kasualien, bei denen echte Begegnung geschehen ist, sind bleibende gute Erfahrungen. Deswegen muss der Landeskirche daran gelegen sein, dass wieder mehr Menschen die Begleitung an den Lebensschwellen annehmen.

Die allgemeine Herausforderung im Blick auf die Kasualien besteht also darin, die Kasualien wieder so gut im Gemeindeleben zu verankern, dass möglichst alle evangelischen Christenmenschen ihre Kinder zur Taufe (und Konfirmation) bringen, sich kirchlich trauen und am Ende bestatten lassen. Das ist auch die praktisch-theologische Konsequenz aus dem Befehl Christi zu taufen und zu lehren (Matthäus 28,10-20), bzw. dem Verkündigungsauftrag, den die Kirche hat.

Diese Herausforderung so zu formulieren, heißt daran zu erinnern, dass die Kirche in alle Welt gesandt ist und dass Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen (1.Timotheus 2,4). Strategien, diese Herausforderung anzunehmen, sind zum Beispiel:

  • Arbeit an der Qualität der Kasualien – etwa im Zusammenhang mit dem Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst am Michaeliskloster Hildesheim (27.2.-1.3. 2013 fand statt: Qualität im Angesicht des Todes - Die kirchliche Bestattung zwischen „Kundenerwartungen“ und überzeitlichem Ritual);
  • Wahrnehmung der sich verändernden (spätmodernen) Sicht auf Kasualien in den Gemeinden verbunden mit der Akzeptanz der Rolle als Anbieter von Dienstleistungen (Stichwort: „Kundenorientierung“);
  • Wiederaufnahme der Diskussion über den Umgang mit Konfessionslosen im Blick auf kirchliches Handeln

Weitere Zukunfsthemen

Drei weitere Zukunftsthemen sind:

  • Kasualmusik. Zunehmend kommen Menschen mit sehr eigenen Musikwünschen in die Vorbesprechungen von Kasualien. Oft sind die Wünsche sinnvoll und gut zu erfüllen, oft aber auch nicht. Es ist erforderlich, in den Gemeinden und Kirchenkreisen die kulturelle Kompetenz in der Einschätzung und Beurteilung von Musikwünschen zu steigern (was geht und was geht nicht?) und ebenso bei den Musizierenden die Kompetenz in der Aufführung populärer Musik zu fördern. Hinzu kommt: In Kirchen und Kapellen die Möglichkeit zu schaffen, Musik von CD oder MP3 einzuspielen.
  • Neue Kasualien. An erster Stelle sind hier die Schulanfängergottesdienste zu nennen, die mancherorts ähnlich gut besucht sind wie Heiligabend- oder Konfirmationsgottesdienste. Der Eintritt der Kinder in den neuen Status als Schüler/-innen wird in der ganzen Familie gefeiert, vielerorts auch ökumenisch. Es ist gut, wenn die Kirche als Kompetenzträgerin für Rituale hier Gottesdienste anbietet. Die Trauagende der Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck nennt als „casus“ bereits Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare. Die Ev. Kirche in Hessen und Nassau geht noch weiter. Die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers wird vermutlich auch dieses Thema noch einmal auf die Tagesordnung nehmen, da sich gesellschaftlich in der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften in den vergangenen zehn Jahren noch einmal ein Wandel vollzogen und die Politik neue Fakten geschaffen hat.
  • Ökumenische und multireligiöse Kasualien werden vermutlich zunehmen. Die Diskussion um diese Kasualien wird zwischen den Experten für Ökumene, interreligiösen Dialog und Gottesdienstfragen zu führen sein. Wir werden nach Wegen suchen, unsere Gemeindeglieder bei einer solchen Feier zu begleiten und dabei das gemeinsam Mögliche mit dem Unterscheidenden in einen verträglichen und sinnvollen Ausgleich zu bringen.

Arbeit an Agenden

Konkrete Planungen bestehen in Bezug auf die Agendenarbeit, das heißt in Bezug auf die gottesdienstlichen Bücher, mit denen die Kasualien begangen werden. Derzeit ist die Taufagende im Liturgischen Ausschuss der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Bearbeitung (s. Abs. Gottesdienst). Dabei ist in Planung, auch Liturgien für Tauffeste aus der Landeskirche Hannovers aufzunehmen, so dass auch andere Landeskirchen an den guten Erfahrungen und Kompetenzen mit dieser neuen Form der Kasualie partizipieren können.

Nach der Taufagende ist im Liturgischen Ausschuss die Trauagende neu zu bearbeiten. Wann die Arbeit beginnen wird, steht derzeit noch nicht fest und hängt auch mit der Fertigstellung der Taufagende zusammen. Eine Trauagende, die neuere Entwicklungen im Kasualverständnis berücksichtigt, hat jüngst die Ev. Kirche Kurhessen-Waldeck vorgelegt.

Im kommenden Synodalzeitraum wird die „Arbeitsgruppe Kasualien“, die die Broschüren mit den theologischen Texten und den Rechtstexten erarbeitet hat, erneut einberufen. Da die 2008 erschienenen Broschüren zur Neige gehen, soll nicht einfach nachgedruckt, sondern es kann behutsam überarbeitet werden. So kann man die jüngste praktisch-theologische Diskussion aufnehmen und auch die Qualitätsfrage ansprechen.

Auch die letzten ausgelieferten Broschüren aus dem EMSZ sollen, wenn sie vergriffen sind, überarbeitet werden.