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Andere Gottesdienstformen

Das "Zweite Programm"

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In Ergänzung zum sonntäglichen Hauptgottesdienst haben sich für verschiedene Zielgruppen andere Gottesdienste etabliert. Das „Zweite Programm“ zieht in manchen Gemeinden mehr Menschen an als das traditionelle Angebot.

„Anders“ sind diese Gottesdienste im Blick auf die Zeit (z.B. Freitag-, Samstag- oder Sonntagabend), auf den Raum (z.B. Kino, Theater, Stadthalle, draußen) und auf die Betonung ästhetischer Dimensionen, nicht nur bei der Musik. Angesprochen werden die kirchlich Distanzierten oder „Zweifelnden“, häufig in der „mittleren Generation“ (30-55). Fast immer gibt es ein gemischtes Vorbereitungsteam aus Haupt- und Ehrenamtlichen. Selten treten die Ordinierten im Talar auf.

ANDERE Gottesdienste folgen in der Regel nicht dem Kirchenjahr, sondern stellen ein relevantes Glaubens- oder Lebensthema in den Vordergrund. Meist erklingt populäre Musik (Pop, Jazz, Gospel).

Die ANDEREN Gottesdienste sind keineswegs homogen. Bilden in der Thomas-Messe die seelsorgliche Zuwendung zum Einzelnen, einschließlich der Möglichkeit zur persönlichen Beichte, und sinnenfällige symbolische Handlungen (Salbung) einen Schwerpunkt, so ist der „Go Special“ und seine Nachahmer durch persönliche Glaubenszeugnisse und ein „Kreuzverhör“ nach der Predigt geprägt. Musik zum Mitsingen steht neben konzertanten Darbietungen. Spielszenen, missionarisches Zeugnis und Lobpreis prägen eine größere Zahl dieser Gottesdienste.

Andere Gottesdienste sind auch Schülergottesdienste. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Schulgottesdiensten, die im Rahmen der Institution Schule verortet sind und Gottesdiensten für Schülerinnen und Schülern, die als kirchliches Angebot einer Kirchengemeinde oder eines Kirchenkreises für eine besondere Zielgruppe zu beschreiben sind.

Typische Anlässe sind hier die Einschulung in Klasse 1 oder Klasse 5, aber auch kirchenjahreszeitlich begründete Gottesdienste zu Erntedank oder Advent. Häufig werden die Kinder und Jugendlichen hier von Geschwistern, Eltern und weiteren Familienangehörigen begleitet.

Besonders die Einschulungsgottesdienste werden inzwischen als biographische Kasualie begangen. Besuch und Reichweite solcher Gottesdienste ist entsprechend hoch. Klassische Anlässe für Schulgottesdienste bieten das Abitur oder schulische Feste und auch Trauergottesdienste. Hier bildet die Schulgemeinschaft die Gottesdienstgemeinde, auch wenn der Besuch eines solchen Gottesdienstes natürlich den Charakter der Freiwilligkeit haben muss.

Agendarisch folgen auch diese Gottesdienste einem klassischen Bogen von Eingangsteil, Verkündigung, Gebet und Segen. Wie bei jugendorientierten Gottesdiensten spielt die musikalische Gestaltung eine prägende Rolle, aber auch die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern ist ein wesentlicher Bestandteil. Zentrales Element ist häufig die - auch persönlich zugesprochene - Segnung.

Die neuen Formen reagieren auf die veränderten Bedingungen im gesellschaftlich-kulturellen Umfeld, in dem durch große Mobilität bei bestimmten Gruppen die Wohnortgemeinde einen Bedeutungsverlust erlebt. Zuweilen werden konkrete Milieus in den Blick genommen.

Ziel all dieser gottesdienstlichen Veranstaltungen ist es, lebensnah und einladend Glauben zu wecken und zu stärken, christliche Gemeinschaft erlebbar zu machen, Gott anzurufen und ihn zu loben.

Andere Gottesdienste folgen demselben Auftrag wie agendarische Gottesdienste, nur in anderer liturgischer und ästhetischer Gestalt.