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Rückblick

Arbeit an Agenden

vergangen

Arbeit am Gottesdienst ist zunächst die Arbeit an Agenden, also an den liturgischen Büchern, nach denen die Gottesdienste gefeiert werden. Diese gottesdienstlichen Bücher werden im Liturgischen Ausschuss der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) erarbeitet und von den Landeskirchen eingeführt. Im Liturgischen Ausschuss der VELKD ist die Landeskirche durch den Referenten für Gottesdienst im Landeskirchenamt, Oberlandeskirchenrat Dr. Klaus Grünwaldt, und Pastorin Uta Junginger (Barsinghausen) vertreten.

Neue Agenden "Berufung - Einführung - Verabschiedung" / "Passion und Ostern" / "Feier des Taufgedächtnisses"

In den vergangenen sechs Jahren wurden drei Agenden erarbeitet. Mit Kirchengesetz eingeführt wurde 2012 die Agende „Berufung – Einführung – Verabschiedung“ als Agende IV/1. Sie löst die alte Ordinationsagende IV/1 aus dem Jahr 1987 ab. Wie das Evangelische Gottesdienstbuch aus dem Jahr 1999 wurde auch diese Agende zusammen mit dem Liturgischen Ausschuss der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) gemeinsam erarbeitet, so dass die neue Agende in den meisten Landeskirchen der EKD gemeinsam gilt. Darüber, ob die Agendenarbeit künftig verstärkt gemeinsam mit der UEK geleistet werden soll, gehen die Meinungen weit auseinander.

Besonderheiten der neuen Agende sind zum einen die weitgehende Angleichung der Beauftragungen mit dem Dienst an Wort und Sakrament, also die Beauftragung von Prädikanten/-innen und das Ordinationsformular, zum anderen etwa die Bereitstellung eines Formulars für Verabschiedungen für Ehrenamtliche. So fördert die Agende die Wahrnehmung und Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit in unserer Kirche.

Die beiden anderen neuen gottesdienstlichen Bücher sind nicht verpflichtend eingeführt, sondern als Hilfen zur Gestaltung von Gottesdiensten zu verstehen.

Im Jahr 2011 wurde die Agende II/1 „Passion und Ostern“ den Gemeinden übergeben. Sie enthält Formulare für Gottesdienste von Aschermittwoch bis Ostermontag. Einen Schwerpunkt bilden die Liturgien für die Osternacht, die in vielen Gemeinden als besonderer Gottesdienst sehr gut angenommen wird. Eine Besonderheit der Agende ist die Möglichkeit, die Feiern vom Gründonnerstag bis zum Osterfest gleichsam als ein zusammenhängendes Gottesdienstgeschehen zu feiern (Triduum sacrum). Dabei fällt z. B. der Segen am Ende der Gottesdienste (bis auf den letzten) weg. Die Agende hat in der Liturgiewissenschaft gute Beachtung gefunden.

Als jüngstes „Kind“ der Agendenarbeit ist 2013 „Die Feier des Taufgedächtnisses“ den Gemeinden übergeben worden. Der schmale Band gibt verschiedene Anregungen, wie z.B. auch ökumenisch das die christlichen Kirchen verbindende Sakrament der Einheit gefeiert werden kann. Denn die Taufe ist das Fundament des christlichen Lebens und daher stets neu zu vergegenwärtigen.

Derzeit werden die Gemeinden und Einrichtungen von der Landeskirche mit den Agenden versorgt, was eine vorausschauende Haushaltsplanung erfordert.

Ausbildung zu Gottesdienstberaterinnen und -beratern

Vom Januar 2010 bis Juni 2011 sind 11 Pastorinnen und 9 Pastoren aus der Landeskirche im Michaeliskloster zu Gottesdienstberatern/-innen ausgebildet worden. Die Leitung der Ausbildung lag bei Pastorin Christine Tergau-Harms und Direktor Dr. Jochen Arnold. Beteiligt waren auch weitere Referenten/ -innen des Michaelisklosters und externe Referenten/-innen.

Kursinhalte waren:

  • Arbeit an liturgischen und theologischen Fragen
  • praktische liturgische Arbeit
  • Gestaltung und Einbeziehung des Kirchraums
  • die eigene geistliche Praxis
  • Vermittlungsfragen (wie berate ich richtig)

Den Absolventen/-innen ist ein Zertifikat ausgestellt worden, das die Kursinhalte benennt. Die Gottesdienstberater/-innen sind für 5 Jahre beauftragt. Die Vergütung erfolgt entsprechend dem Verfahren der KU-Beraterinnen: für einen halben Tag kosten sie 100 Euro, für einen ganzen 200. Die Anforderung geschieht über das Michaeliskloster; bei der Auswahl werden fachliche Kompetenzen und regionale Gesichtspunkte berücksichtigt.

Das Honorar kommt nach Abzug eines kleinen Verwaltungsanteils bei Vollzeitbeschäftigten der Gemeinde zugute, die ihre Berater bis zu 2 Tagen pro Monat freistellt. Es ist festzustellen, dass die Gottesdienstberater/ -innen häufiger angefragt werden. Auch die Grundstandards Verkündigung von 2012 haben als Planung für den Zeitraum 2013-16 nicht selten die Konsultation von Gottesdienstberatern benannt. Die Akzeptanz kann aber noch nicht abschließend beurteilt werden.

Ein Ausbildungskurs auf EKD-Ebene, an dem auch einige Pastorinnen aus der Landeskirche Hannovers teilnehmen, findet derzeit in Hildesheim statt.

Feier alternativer Gottesdienste

In zwei großen Projekten sind im Michaeliskloster Gemeinden für die Feier alternativer Gottesdienste geschult worden.

Im Jahr 2008 ist das Projekt „Brannte nicht unser Herz? – Gottesdienste lebendig feiern“ durchgeführt worden. Mit 22 Gemeinden wurde an drei Workshopwochenenden im Kloster sowie bei Gemeindebesuchen durch das Leitungsteam des Projektes Know How vermittelt, Gottesdienste zielgruppengerechter zu gestalten: in Bezug auf die Liturgie oder Dramaturgie, Sprache und Gestik, Licht, Musik und Beteiligung der ganzen Gemeinde.

Das Projekt ist als 13. Band der Reihe „gemeinsam Gottesdienst gestalten“ im Lutherischen Verlagshaus dokumentiert: Jochen Arnold u. a. (Hg.), „Brannte nicht unser Herz?“ Auf dem Weg zu lebendigen Gottesdiensten, Hannover 2010.

War die „Gattung“ bzw. die genaue Zielgruppe der Gottesdienste, die sich um eine Teilnahme an dem Projekt bewerben konnten, bei „Brannte nicht unser Herz?“ noch nicht festgelegt, ging es in dem Nachfolgeprojekt „Nähme ich Flügel der Morgenröte“, das in den Jahren 2011 und 2012 durchgeführt wurde, um „junge Gottesdienste“, also Gottesdienste von und mit Jugendlichen.

An wiederum drei Workshopwochenenden und bei Gemeindebesuchen wurden 18 Gemeinden und Einrichtungen (Schulen!) für die Feier kinder- und jugendgerechter Gottesdienste geschult und miteinander, wenn gewünscht, vernetzt.

Ein Jahr nach Beendigung des Projektes hat eine Auswertung stattgefunden. Die Dokumentation des Projektes ist in Arbeit.

Die (auch finanziell) aufwändigen Fortbildungen reagieren deutlich auf Signale aus den Gemeinden und Kirchenkreisen, dass ein Bedürfnis nach der Feier moderner, zielgruppenspezifischer Gottesdienste besteht und – damit verbunden – der Wunsch nach Kompetenzvermittlung in Bezug auf diese Gottesdienste. Damit wird im Gegenzug die Aufgabe sichtbar, den Gottesdienst als Zentrum der ganzen Gemeinde sichtbar werden oder bleiben zu lassen.

Liturgische Konferenz

Auch die Liturgische Konferenz – ein Arbeitsgremium von Gottesdienstexperten/-innen auf der Ebene der EKD, das nicht Agenden entwickelt, sondern die Gottesdienstlandschaft in Deutschland beobachtet und erforscht – hat sich des Themas „Andere Gottesdienste“ angenommen und eine hilfreiche Publikation erarbeitet, die die neue Gottesdienstlandschaft systematisierend beschreibt: Jochen Arnold (Hg.), Andere Gottesdienste. Erkundungen und Reflexionen zu alternativen Liturgien, Gütersloh 2012.

Ein weiterer von der Liturgischen Konferenz herausgegebener Band betrifft das Singen im Gottesdienst: Klaus Danzeglocke u. a., Singen im Gottesdienst, Gütersloh 2011. Die Studie ist motivierend und stellt dem Singen im Gottesdienst ein gutes, ermutigendes Zeugnis aus (es wird z. B. in der Kirche sehr viel häufiger gesungen als etwa unter der Dusche oder in der Bade- wanne!), gleichwohl ist erkennbar, dass es auch hier neuer Anstrengungen der Förderung des Gesangs bedarf.

Gesangbuchausschuss

Einen kleinen Schritt hierzu geht derzeit der Gesangbuchausschuss. Die Ar- beit an einer „kleinen“ Überarbeitung des Evangelischen Gesangbuches ist abgeschlossen, die Auslieferung für Anfang 2014 geplant.

Neben der bei jedem Neudruck erfolgenden Aktualisierung des Verzeich- nisses der Dichterinnen und Komponisten (Nr. 957) ist eine Fassung in neuer Rechtschreibung erfolgt; hinzu kommt z. B. die Überarbeitung des Gottes- dienstablaufs im Sinne des Ev. Gottesdienstbuches von 1999, die Anpassung der Lesetexte an die gültige Perikopenordnung und die Darbietung aller Wochenpsalmen zum Wechselgebet der Gemeinde.

Eine größere Revision ist evtl. im Anschluss an die Perikopenrevision (s.u.) denkbar, aber noch nicht fest eingeplant.

Zentrum für Qualität im Gottesdienst

Eine große Bereicherung erfährt die gottesdienstliche Arbeit der Landeskirche durch das seit 2009 bestehende Zentrum für Qualität im Gottesdienst.

Das Zentrum ist an das Michaeliskloster Hildesheim angegliedert. Es arbeitet einerseits explorativ, indem es die gegenwärtige Gottesdienstpraxis in der EKD unter bestimmten Fragestellungen erkundet und analysiert. Dabei ist es gelungen, einen Qualitätsbegriff zu etablieren, der dem eigentümlichem Gottesdienstgeschehen angemessen ist.

Die Forschung betrifft nicht allein das operative Gottesdienstgeschehen, sondern bezieht das Umfeld (z. B. Feedbacksystem; Visitation) mit ein.
Es arbeitet andererseits beratend, indem es Gemeinden und Kirchenkreise, aber auch etwa der EKD selbst (in Bezug auf Fernsehgottesdienste) Vorschläge zur Verbesserung von Gottesdiensten macht.

Schließlich ist das Qualitätszentrum auch ins Fortbildungsgeschehen einbezogen und unterstützt die Referenten/-innen des Michaelisklosters, insbesondere bei landeskirchenübergreifenden Veranstaltungen.

Als Antwort auf die Problemlage der vielen Gottesdienststätten angesichts sinkender Pastor/-innenzahlen hat der Sprengel Hildesheim-Göttingen das Programm „einfach gottesdienst feiern“ entwickelt, das heißt Andachten entworfen, die nichtordinierte Ehrenamtliche „einfach feiern“ können – Lied, Lesung, Gebet, Kerzen. So soll in jedem Gottesdienstgebäude wöchentlich Andacht gefeiert werden.

Die Initiative wird gut angenommen. Sie ist ökumenisch vom Bistum Hildesheim aufgegriffen worden, und so ist 2013 das ökumenische Andachtsbuch „Einfach gemeinsam feiern. Kleine ökumenische Andachten“ entstanden, das von der Landeskirche und dem Bistum Hildesheim herausgegeben wird.