kopf

Ausblick

Taufagende erneuern

zukunft

Die Arbeit am Gottesdienst wird auch in den nächsten Jahren mit großem Engagement weitergeführt werden. Dabei stehen zwei Großprojekte im Vordergrund. Der Liturgische Ausschuss der VELKD arbeitet derzeit an der Revision der Taufagende. Die gültige Agende stammt aus dem Jahr 1988, ist in Entwürfen aber älter, was man ihr auch an vielen Stellen anmerkt.

Die Herausforderungen bei der Erarbeitung der neuen Agende sind groß. Es ist zum einen zu beachten, dass die Erwartungen von Eltern und Paten an die Taufe dahin gehen, dass es sich bei der Taufe um ein Familienfest handelt (was auch von der Familie gestaltet wird – einschließlich der Wahl der Paten/-innen), während die christliche Kirche die Taufe als Fest der Eingliederung in den Leib Christi und die konkrete Konfessionskirche versteht und feiert.

Zum anderen hat die neue Agende sprachlich und liturgisch die veränderte Zeit und die veränderten Erwartungen zu berücksichtigen, während gleichzeitig die Tradition und die ökumenischen Belange zu beachten sind.

Wenn der Liturgische Ausschuss seine Arbeit getan hat, wird es vermutlich eine Erprobung geben (wie zuvor z. B. auch bei der Berufungsagende), bevor das neue Werk per Kirchengesetz eingeführt wird.

Revision der Lese- und Predigttexte

Das andere Großprojekt zum Gottesdienst ist die Revision der Lese- und Predigttexte (Perikopenrevision) auf EKD-Ebene. Die Ordnung der Lese- und Predigttexte geht im Grundstock (Episteln und Evangelien) teilweise bis auf die Zeit der Alten Kirche zurück. Die letzte große Reform fand 1977 statt, eine leichte Revision noch einmal 1995 (weswegen an einigen Sonntagen – etwa dem 10. Sonntag nach Trinitatis: Israelsonntag – die im Gesangbuch abgedruckten Texte nicht mit den gültigen Texten im Gottesdienstbuch übereinstimmen).

Die angestrebte Reform soll eine moderate sein. 2010 wurden 2.000 Kirchengemeinden nach ihrer Zufriedenheit mit den gültigen Lese- und Predigttexten gefragt. Es kam heraus, dass eine Reform nicht grundstürzend werden, sondern einige bestehende Defizite beheben soll.

Bleiben sollen die dreijährigen Rhythmen von Lesungen aus den Evangelien, den Episteln und dem Alten Testament (AT) und ebenso das Prinzip der Konsonanz, das heißt des Zusammenklangs von Texten in Bezug auf ein Thema (etwa der erste Sonntag nach Ostern: Gott/Christus als Hirte). Auch die Sechszahl der Reihen soll bleiben.

Wachsen soll die Zahl der alttestamentlichen Texte. Derzeit bilden sie ein Sechstel der Predigttexte, die Zahl soll sich verdoppeln auf ein Drittel (womit das AT immer noch deutlich unterrepräsentiert bliebe). Die zweite größere Neuerung betrifft die geplante Entkoppelung von Lese- und Predigttexten. Die Predigtreihen sollen durchmischt werden; das heißt, es soll keine reinen Evangelien- und Epistelreihen mehr geben. Es ist zu begrüßen, dass das Umfeld der Lese- und Predigttexte, also Wochensprüche, Psalmen und Lieder, in die Revisionsarbeit einbezogen ist.

Eine erste kleine Erprobung hat im Advent 2012 stattgefunden, eine zweite in der Trinitatiszeit 2013. Eine große einjährige Erprobung unter Einbeziehung aller Gemeinden wird im Kirchenjahr 2014/15 stattfinden.
Die Einführung der neuen Perikopenordnung ist für 2017 geplant. Ob sich das Datum halten lässt, bleibt abzuwarten.

Im Kontext der Perikopenrevision wird überlegt, eine Gesangbuchrevision etwa Mitte der 2020er Jahre und eine erneute Agendenrevision Ende der 2020er Jahre folgen zu lassen. Aber das ist Zukunftsmusik.

Größte Herausforderung

Die aus der Sicht der Gemeinden und Kirchenkreise größte Herausforderung in Bezug auf den Gottesdienst ist das zunehmend schwieriger werdende Verhältnis zwischen der Zahl der Gottesdienstorte und der Ordinierten. Immer weniger Ordinierte haben eine nur ganz leicht sinkende Zahl von Sakralbauten oder –räumen mit gottesdienstlichem Leben zu füllen.

Über die Initiative des Sprengels Hildesheim-Göttingen „einfach gottesdienst feiern“ ist bereits berichtet worden. Das ökumenische Andachtsheft „Einfach gemeinsam feiern – Kleine ökumenische Andachten“ ist in Gebrauch zu nehmen, zu bewerben und durch begleitende Fortbildungen sind weitere Gemeinden in die Lage zu versetzen, mithilfe von Ehrenamtlichen regelmäßig und verlässlich gottesdienstliches Leben in Sakralbauten wachzuhalten.

Zunehmend wichtiger für das gottesdienstliche Leben der Landeskirche sind die Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst: die Lektoren/-innen und Prädikanten/-innen. Zu dieser Gruppe von Ehrenamtlichen gibt es einen eigenen Berichtspunkt in diesem Aktenstück 4. Die Vorgängersynode hat in ihrer letzten Sitzung eine Neufassung des Kirchengesetzes über die Beauftragung von Gemeindegliedern mit Aufgaben der öffentlichen Verkündigung (Lektoren- und Prädikantengesetz - LektPrädG) beschlossen. Hierin ist (u. a.) - abgesehen von der Anhebung der Altersgrenze - die Definition von Prädikanten/-innen neu gefasst worden als Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst, denen auch die Beauftragung für die Feier des Abendmahls übertragen wird. Damit hat der Bischofsrat auf zunehmende Schwierigkeiten reagiert, zu traditionellen Abendmahlsgottesdiensten Ordinierte zu finden, die diese Gottesdienste durchführen dürfen.

Dabei wäre es ein grobes Missverständnis, wenn man den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst als „Lückenbüßerdienst“ angesichts zu weniger Ordinierter verstehen würde. Der Dienst hat seine eigene Bedeutung, seine eigene Würde im allgemeinen Priestertum (Lektorendienst) und einer legitimen evangelischen Pluralität in der Gestaltung des Verkündigungsamtes (Prädikantendienst).

Die zunehmende Nachfrage nach der Ausbildung zum Lektoren und zur Prädikantin lässt die Landeskirche zwei 100 % - Pastorenstellen für diese Aus- und Fortbildung vorhalten, dazu eine 0,75-Stelle im Sekretärinnendienst.

Gemäß den Grundstandards ist neben den Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst das Angebot von Regionsgottesdiensten eine oft gezeigte Reaktion auf die genannte Herausforderung. Von Seiten der Landeskirche, aber auch den Kirchenkreisen ist zu fragen, ob hierzu verstärkt motiviert werden kann. Es ist wichtig zu beobachten, wie solche Regionsgottesdienste in den betreffenden Regionen angenommen werden, bzw. ob viele „auf der Strecke bleiben“. Darüber hinaus sind Modelle zu entwickeln, die auf Partizipation der ganzen Region setzen und damit einheitsstiftend wirken.

Musik

In Bezug auf die Weiterentwicklung des Gottesdienstes ist auf die Initiativen zu den „anderen Gottesdiensten“ oben zu verweisen. Diese Initiativen sind fortzusetzen, um möglichst vielen (interessierten) Gemeinden Kompetenz in der Gestaltung von attraktiven Zielgruppengottesdiensten zu vermitteln.

Damit hängt zusammen, dass auch an der Weiterentwicklung der gottesdienstlichen Musik, bzw. an der Ausbildung der Musiker/-innen für ein breiteres musikalisches Spektrum zu arbeiten ist. Laut Grundstandards wünschen Gemeinden und Kirchenkreise zwar weiterhin qualitätsvolle traditionelle geistliche Musik im Gottesdienst (Chor, Orgel, Posaunen), aber sie wünschen auch Abwechslung, mehr populäre Musik (Neues geistliches Lied, Pop, Gospel). Dieser Wunsch trägt der Einsicht Rechnung, dass die heute in Rente gehenden Jahrgänge mit den Beatles, Stones und Elvis Presley aufgewachsen sind, das heißt: die traditionelle kirchliche Musikkultur ist zunehmend selbst für die Senioren, also eine traditionell große Gottesdienstbesucher-Gruppe, eine spezielle Kultur.

Es muss unser Interesse als Landeskirche sein, den Gottesdienst nicht nur theoretisch, sondern praktisch in die Mitte des Gemeindelebens zu stellen: als einen Ort, in dem sich der Einzelne wie auch die Gemeinde als Gemeinde vor Gott versammelt und mit ihm in Beziehung tritt. Darüber, wie das gelingen kann, ist der Diskurs zwischen den Verantwortlichen für den Gottesdienst engagiert fortzusetzen. Das Qualitätszentrum in Hildesheim und das Zentrum für Predigtkultur in Wittenberg sind - zusammen mit dem Michaeliskloster und der Fakultät in Göttingen - wichtige Gesprächspartner.