kopf

Ausblick Archive

Herausforderungen

zukunft

 

Die kirchliche Archivarbeit steht vor vier Herausforderungen:

 

  • Verringerung der Zahl der kirchlichen Körperschaften und damit Verringerung der vorhandenen Archivräume;
  • Einführung von Datenmanagementsystemen;
  • Digitalisierung von Quellen
  • Rückgang von historischem und theologischem Wissen

 

Da der Konzentrationsprozess bei den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen noch nicht abgeschlossen ist, wird im Landeskirchlichen Archiv der Bedarf an Magazinraum für das Archivgut weiterhin zunehmen, das von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen im Landeskirchlichen Archiv deponiert werden muss, weil es vor Ort nicht mehr angemessen gelagert werden kann. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass der Raum der Ansgarkirche nicht ausreichen wird, dass also zusätzlicher Magazinraum zu schaffen ist.

Die Einführung von Datenmanagementsystemen wirkt sich unmittelbar auf das Archivwesen aus. Zwar können Dokumente fast unbegrenzt gespeichert werden, doch müssen sie in Systemen gespeichert werden, die die Lesbarkeit langfristig garantieren. Das ist angesichts der Halbwertzeit elektronischer Systeme problematisch, auf deren Kompatibilität mit künftig eingesetzten System ist von vornherein zu achten. Gleichzeitig müssen die Dokumente (Vorgänge und Akten) auch bewertet werden, um nicht „Informationsmüll“ zu speichern, der längerfristig keine Bedeutung hat. Diese Probleme sind möglichst schon bei der Einführung neuer EDV-Systeme in Angriff zu nehmen; die langfristige Speicherung kann nur in Zusammenarbeit mit anderen (elektronischen) Archiven gesichert werden. Hier besteht in Zukunft besonderer Handlungsbedarf.

Die elektronische Verfügbarkeit zahlreicher Informationen hat bei Benutzern den Wunsch geweckt, möglichst viele Quellen in digitalisierter Form unmittelbar auf dem heimischen Schreibtisch lesen zu können. Diesen Wunsch wird man nur in Einzelfällen gegen Kostenerstattung erfüllen können. Anders verhält es sich dagegen mit der Digitalisierung der Kirchenbücher. Sie ist im unmittelbaren kirchlichen Interesse, da dadurch die hohen Restaurierungskosten reduziert werden können, die aufgrund der intensiven Nutzung der Originale nötig sind. Die EKD unterstützt dieses Vorhaben durch Bereitstellung eines Servers und Finanzierung der Vorarbeiten, doch muss die Landeskirche die Digitalisierung der Kirchenbücher selbst finanzieren und für die Erstellung der Metadaten sorgen, um die einzelnen Digitalisate eindeutig recherchierbar zu machen. Angesichts der großen Zahl an Kirchenbüchern im Bereich der Landeskirche (knapp 15.000 Bücher) wird dieses Projekt das Landeskirchliche Archiv noch längere Zeit herausfordern.

Bei vielen Benutzern entspricht dem wachsenden Interesse an der Geschichte kein angemessenes Wissen: Ihnen bereitet nicht nur das Lesen früherer Handschriften Schwierigkeiten, oft fehlen ihnen auch Grundkenntnisse über die Arbeit der Kirche, so dass sie kaum angemessen recherchieren können und oft platten Fehlurteilen aufsitzen. Auch wenn in vielen Fällen eine Einzelberatung kaum möglich ist, so kann das Landeskirchliche Archiv aber durch elektronische Nachweise seiner Findmittel – etwa durch eine Beständeübersicht – sowie durch die Publikation zentraler Quellen die Archivarbeit entscheidend verbessern.