kopf

Ausblick

Umsetzung vertiefen

zukunft

In den kommenden Jahren wird es vor allem darauf ankommen, die Umsetzung des jetzt bestehenden Konzepts Schritt für Schritt zu vertiefen und das Konzept gleichzeitig behutsam weiterzuentwickeln. Die Aufgabe braucht Zeit. Denn in der dezentralen Struktur der Landeskirche können sich neue Strukturen und Verfahrensweisen nur langsam durchsetzen.

Analyse

Konkret in Aussicht genommen ist für die nächste Zeit eine genauere Analyse der Risiken, die sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen jenseits der potenziell besonders betroffenen Arbeitsbereiche (Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Evangelische Schulen, Kindertagesstätten) begünstigen können.

Vor allem die Kindergottesdienst-Arbeit und die kirchenmusikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sollen in diesem Zusammenhang in den Blick genommen werden.

Intervention

Im Bereich der Intervention steht zum einen eine Fortentwicklung des landeskirchlichen Krisenplans für Fälle von Pflichtverletzungen durch Mitarbeitende an.

Vor allem ist es erforderlich, die Regelungen über die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden an die Vorgaben anzupassen, die der Runde Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch" der Bundesregierung in seinen Leitlinien für die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden formuliert hat.

Der Krisenplan geht zurzeit davon aus, dass die Staatsanwaltschaft bei Fällen, in denen sie noch nicht ermittelt, parallel zur Einleitung dienst- oder arbeitsrechtlicher Maßnahmen eingeschaltet wird. Die Leitlinien des Runden Tisches betonen demgegenüber die Notwendigkeit, der Staatsanwaltschaft den zeitlichen Vortritt zu lassen und insbesondere eine Befragung von Opfern oder Maßnahmen, die Tatverdächtige zu warnen geeignet sind, zu unterlassen.

Wegen der notwendigen Anpassungen soll das Gespräch mit den niedersächsischen Generalstaatsanwaltschaften in Celle, Braunschweig und Oldenburg gesucht werden.

Zum anderen ist im Bereich der Intervention geplant, in Anknüpfung an Vorlagen der EKD Hinweise für die Aufarbeitung von Erfahrungen sexualisierter Gewalt in betroffenen Kirchengemeinden und Einrichtungen zu entwickeln und auf der Ebene der Landeskirche ein Team geeigneter Personen zusammenzustellen, die im Bedarfsfall für eine Unterstützung zur Verfügung stehen.

Bereich der Hilfen

Im Bereich der Hilfen wird sich das Verfahren zur Gewährung von Leistungen zur Milderung noch andauernder Folgewirkungen sexualisierter Gewalt verändern.

Am 06. Dezember 2013 hat die EKD stellvertretend für ihre Gliedkirchen eine Vereinbarung zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ zu einem Ergänzenden Hilfesystem für Opfer sexualisierter Gewalt unterzeichnet.

Nach dieser Vereinbarung können sich Betroffene bis zum 30. April 2016 an eine neutrale Clearingstelle wenden, die eine Empfehlung zur Begründetheit und zur Höhe von Leistungen abgibt. Die Leistungen selbst zuzüglich einer Pauschale von 100 Euro pro Antrag hat die zuständige Landeskirche zu zahlen.

Der Leistungsumfang des Ergänzenden Hilfesystems entspricht im Wesentlichen dem Umfang der Leistungen, die die Landeskirche zur Milderung noch andauernder Folgewirkungen sexualisierter Gewalt bisher von sich aus gewährt hat. Die Höhe der Leistungen im Einzelfall ist jedoch auf 10.000 Euro begrenzt.

Das Verfahren der Clearingstelle soll Antragsteller schützen, die der Unvoreingenommenheit kirchlicher Stellen misstrauen. Dieser Beweggrund ist verständlich und daher zu akzeptieren. Gemessen an der bisherigen Praxis der Landeskirche, ist aber zu befürchten, dass das Ergänzende Hilfesystem vor allem zu einer Bürokratisierung und Verzögerung von Leistungen an Betroffene führt.

Die Landeskirche wird daher bei Bedarf von der Möglichkeit Gebrauch machen, Leistungen weiter von sich aus zu erbringen und diese Leistungen anschließend auf die Leistungen des ergänzenden Hilfesystems anzurechnen. Die Leistungen in Anerkennung erlittenen Leids sind davon nicht betroffen, weil sie vom Ergänzenden Hilfesystem von vornherein nicht erfasst werden.