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Vikarinnen und Vikare, Kandidaten/innen des Predigtamtes

Zielbestimmungen

grundtext

Dem kirchlichen Vorbereitungsdienst liegen zehn Zielbestimmungen zugrunde, die von allen an der Ausbildung Beteiligten mitgetragen und seit 2006 erprobt werden:

  • 50% der Ausbildungszeit ist für die Ausbildung in der Gemeinde vorgesehen;
  • für die Qualifizierung und Begleitung der Vikariatsleiterinnen und –leiter ist das Predigerseminar zuständig;
  • im Vorbereitungsdienst werden individuelle Ausbildungsvoraussetzungen und –anforderungen berücksichtigt (zusätzliches Angebot von Wahlkursen und individueller Ausbildungsmaßnahmen, Geistliche Begleitung, coaching);
  • dem Vorbereitungsdienst liegt ein sog. „Brückenmodell“ zugrunde mit einem Schulpraktikum zu Beginn und einer längeren Ausbildungszeit aus Studienwochen, Projekt und examensrelevanten Einheiten am Ende; im Anschluss an das II. theologische Examen ist eine Vorbereitung auf den pfarramtlichen Probedienst vorgesehen;
  • die religionspädagogische Ausbildung findet kontinuierlich während des gesamten Vorbereitungsdienstes statt (Schulpraktikum zu Beginn, Bildungsprojekt in der Mitte, kontinuierliche Unterrichtstätigkeit im Konfirmandenunterricht);
  • an der Seelsorgeausbildung sind neben Ausbildern und Ausbilderinnen der „Klinischen Seelsorgeausbildung“, der „tiefenpsychologisch orientierten Seelsorge“, der „personzentrierten Seelsorge“ auch Ausbilder und Ausbildnerinnen der „systemischen Seelsorge“ beteiligt;
  • Bestandteil des Vorbereitungsdienstes ist „der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus“ (empirische Sicht auf Gemeinde, Kirche und Gesellschaft, Pflichtkurse zu Fragen der Diakonie und der Öffentlichkeitsarbeit, Ökumenisches Lernen, Kirchentheorie);
  • Zukunftsfragen der Kirche sind Teil des Vorbereitungsdienstes (bspw. Gemeindeaufbau durch “Fundraising“ und Förderung des Ehrenamtes);
  • der Ausbildung zur Teamarbeit und Gemeindeleitung wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet,
  • das Predigerseminar kooperiert mit der „Fortbildung in den ersten Amtsjahren“ (Angebot von Beratungsgesprächen durch das Predigerseminar in den ersten Berufsjahren, Fortbildung nach 100 Tagen im Probedienst). 

Reformprogramm

Das Reformprogramm beendet eine Ausbildungsstruktur, die mit der Aufteilung des Vorbereitungsdienstes in Gemeindejahr und Seminarjahr die Vorbereitung auf den pfarramtlichen Dienst in unserer Kirche über lange Zeit geprägt hat.

Die Reform des Vikariates nimmt den mit der Predigerseminarzeit ursprünglich verbundenen Gedanken einer von den Kandidaten und Kandidatinnen selbst verantworteten Ausbildung auf (Wahlkurse) und verbindet ihn mit einer Ausbildungsstruktur, die ihre persönlichen Lebensverhältnisse berücksichtigt. Sie trägt zugleich der den späteren Dienst entscheidend prägenden Person von Vikariatsleiter und Vikariatsleiterin durch stärkere Unterstützung und Qualifizierung Rechnung.

Und sie schafft die Voraussetzungen dafür, intensiv auf die aktuellen Anforderungen an die kirchliche Arbeit wie auch auf die jeweiligen individuellen Ausbildungsbedürfnisse und -notwendigkeiten der Kandidaten und Kandidatinnen einzugehen.

Darüber hinaus macht die Reform den Vorbereitungsdienst in unserer Kirche mit den Ausbildungsstrukturen in den übrigen Gliedkirchen der EKD kompatibel. Sie verliert damit ein Stück unzeitgemäßer Unverwechselbarkeit, gewinnt aber für künftige Kooperationen mit anderen Kirchen Anschlussfähigkeit.

Kooperation mit anderen Landeskirchen

Die Kandidaten und Kandidatinnen erhalten zusätzlich zu einem Zuschuss für die Anschaffung dienstlicher Kleidung seit 2009 eine sog. „Mobilitätszulage“, die einerseits die Durchführung der Ausbildung in ländlichen Regionen mit ungünstigen oder fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglichen, andererseits einen Ausgleich im Blick auf die zunehmend steigenden Wohnungsmieten in städtischen Vikariatsgemeinden schaffen soll.

Zu Beginn des Jahres 2009 wurde das Predigerseminar Celle geschlossen. Mit dem Konvent des Klosters Loccum wurde eine Vereinbarung über die Einrichtung eines Kuratoriums für das Predigerseminar im Kloster Loccum getroffen, das für den Ausbildungsbetrieb verantwortlich sowie bei der Besetzung der Studienleitungsstellen und der Aufstellung des Predigerseminarhaushaltes beteiligt ist.

Seit 2009 werden im Predigerseminar im Kloster Loccum gastweise die Kandidaten und Kandidatinnen des Ev.-luth. Missionswerkes Hermannsburg sowie der Landeskirchen Braunschweig, Bremen, Oldenburg und Schaumburg-Lippe ausgebildet. Zur Zeit der Abfassung dieses Berichts wird eine vertragliche Gestaltung der inzwischen bewährten Kooperation im Vorbereitungsdienst mit den benachbarten Kirchen erarbeitet.

Predigerseminar Loccum

Die Synode hat nach längerer Beratung und Vorplanung im Frühjahr 2013 die Sanierung und die Erweiterung der Unterbringungs- und Ausbildungskapazitäten des Predigerseminars beschlossen. Dieser Beschluss berücksichtigt die aufgrund der Kooperation mit den benachbarten Kirchen gewachsenen Anforderungen an den Ausbildungsbetrieb.

Zugleich ermöglicht er die Eingliederung der Bibliothek des ehemaligen Predigerseminars Celle. Das Sanierungs- und Erweiterungskonzept sieht zugleich eine verstärkte Zusammenarbeit mit den landeskirchlichen Einrichtungen auf dem „Bildungscampus Loccum“ vor.

Im Interesse einer familienfreundlichen Gestaltung des Vorbereitungsdienstes verfügt das Predigerseminar seit 2012 – als bislang einziges Predigerseminar in Deutschland - über eine Kindertagespflegestelle.

Die Studienleitung des Predigerseminars nimmt ggw. der Konventualstudiendirektor gemeinsam mit drei Studieninspektoren und Studieninspektorinnen wahr.