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Rückblick

Veränderungen seit dem Jahr 2000

vergangen

Immer wieder wurden im Laufe der Jahrhunderte Veränderungen an der Praxis der Visitation vorgenommen, um sie den Herausforderungen der Zeit anzupassen. Letztmalig wurde solch ein Prozess Anfang der 2000 Jahre eingefordert und in Gang gesetzt.
Das Visitationsgeschehen hatte sich überwiegend zu einer Bestandsaufnahme des kirchlichen Lebens entwickelt, das in Fragenbögen abgefragt wurde und sehr stark den Eindruck einer Kontrolle von außen erweckte. Das alte Visitationsverfahren war stark rückwärts gerichtet, in dem es den Schwerpunkt auf die Bilanz des bisher Erreichten legte. Neue Erkenntnisse aus dem Bereich der Gemeinde- und der Personalentwicklung hingegen waren auf eine zukünftige Orientierung hin ausgerichtet. Es erschien sinnvoll, diese Frageperspektive in das neue Verfahren der Visitation mit in den Blick zu nehmen. Wo soll sich die Gemeindearbeit hin entwickeln? Welche inhaltlichen Schwerpunkte möchte ein Kirchenvorstand setzen? Was sind unsere Ziele?

Neues Visitationsgesetz

Außerdem wurde von allen Seiten eine Verschlankung des Verfahrens angestrebt.
Das alte Verfahren führte zu großen Unzufriedenheiten in den Kirchenvorständen, Pfarrämtern und Superintendenturen. In einem breit angelegten Beratungsprozess, an dem Vertreter/Vertreterinnen des Bischofsrates, der Ephoren, der Synode, Juristen und Theologen aus dem Landeskirchenamt und die Gemeindeberatung aus dem Haus kirchlicher Dienste (HkD) beteiligt waren, wurde dieses Verfahren auf den Prüfstand gestellt.
Der Wert und die Bedeutung der Visitation wurden neu entdeckt und in den Zusammenhang von Gemeindeaufbau und – entwicklung gestellt. Daraus ergab sich eine inhaltliche Ausrichtung der Visitation, die zunächst in einer Erprobungsregelung auf ihre Tauglichkeit getestet wurde.

Wesentliche Umstellung in der Praxis bedeutete, dass die Kirchengemeinden bzw. Kirchenkreise im Vorfeld einen Bericht (Gemeindebericht bzw. Kirchenkreisbericht) über Herkunft, Leitbild, Arbeit in ihrer Gemeinde bzw. Kirchenkreis erstellten. Die Rückmeldungen aus den Superintendenturen und Pfarrämtern auf diese Regelung waren überwiegend positiv, so dass seit Oktober 2011 zwei Projektgruppen für die Gemeinde- und die Kirchenkreisvisitation am neuen Visitationsgesetz und der dazugehörigen Rechtsverordnung gearbeitet haben. Am 1. Juli 2013 trat das neue Visitationsgesetz in Kraft.
Im §1 ist die inhaltliche Neuausrichtung wie folgt beschrieben worden:

1. Die Visitation ist ein geschwisterlicher Besuchsdienst. Sie ist durch eine Grundhaltung der Wertschätzung und Ermutigung bestimmt. Für diese Haltung tragen Visitierende und Visitierte gemeinsam die Verantwortung.

2. Die Visitation ist eine Leitungsaufgabe der Kirche. Sie nimmt wahr, wie in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Werken und Einrichtungen das Evangelium von Jesus Christus verkündigt wird und Gestalt gewinnt.

3. Die Visitation ist eine Aufgabe der Kirchenordnung. Sie bringt die Zugehörigkeit der konkreten Gemeinde zur Kirche Jesu Christi zum Ausdruck und stellt die Kirchengemeinde in den regionalen und überregionalen Zusammenhang der Landeskirche.

Neue Haltung gegenüber der Visitation

Daraus ergibt sich eine neue Haltung gegenüber der Visitation, die mit dem Dreiklang „wahrnehmen, würdigen, weitergehen“ beschrieben werden kann. Die Aufgaben der Visitation werden im Visitationsgesetz wie folgt beschrieben:

  • Die Arbeit und das geistliche Leben in Kirchengemeinden und sonstigen Körperschaften wahrzunehmen.
  • Ziele der Arbeit zu formulieren, die vorhandenen Aktivitäten an diesen Zielen zu messen und Planungen an diesen Zielen auszurichten, zu überprüfen und erforderlichenfalls anzupassen.
  • Festzustellen, ob die Kirchengemeinden und sonstigen Körperschaften die in der Landeskirche geltenden Ordnungen beachten.
  • Den kirchenleitenden Organen der Landeskirche einen Überblick über das kirchliche Leben zu verschaffen und ihnen Grundlagen für ihr Planen und Handeln zu geben.

Neu ist auch, dass an den Vorbereitungen der Visitation und an der Erstellung von Gemeinde- bzw. Kirchenkreisbericht möglichst viele beteiligt werden und Visitationen möglichst mit einem Team durchgeführt werden sollten. In der Vorbereitung der Kirchenkreisvisitation soll ein enger Bezug zu den im Kirchenkreis erstellten Grundstandards für die wesentlichen Arbeitsfelder hergestellt werden.

Während das Aufgabenfeld „Visitation“ zunächst der Personalabteilung zugeordnet war, wird es ab 2010 als eigenständiges Referat (24) in der Theologischen Abteilung geführt. Die Einrichtung eines eigenen Referates bringt die veränderte Wahrnehmung und Wertschätzung der Visitation auch auf kirchenleitender Ebene zum Ausdruck. Das Referat 24 betreute die Entstehung des neuen Kirchengesetz über die Visitation (Visitationsgesetz VisG) vom 13.12.2012 (KABl Nr. 8/2012), gibt Auskünfte in allen Fragen der Visitation. Es nimmt die Visitationsunterlagen aus den Superintendenturen und den Landessuperintendenturen entgegen und leitet diese im Landeskirchenamt zur Bearbeitung an die zuständigen Referate weiter. Es arbeitet an einer Auswertung der Visitation, um diese künftig für die gesamte Landeskirche fruchtbar machen zu können.

Besonders sinnvoll erweist sich, dass die Leitung des Referates 24 zugleich die Fachaufsicht über den Fachbereiche1 „Gemeinde“ und Fachbereich 3 „Erwachsene“ im HkD inne hat. Aus dieser Kombination ergeben sich zahlreiche Synergieeffekte im Hinblick auf eine Begleitung und Weiterentwicklung der Visitationspraxis, durch Anstöße aus den Arbeitsfeldern Gemeindeberatung, Qualitätsentwicklung in Kirchengemeinden und Ehrenamt.

Ein jährlicher Austausch der Visitationsbeauftragten der EKD-Gliedkirchen wurde durch das Referat 24 angeregt und wird kontinuierlich fortgeführt.