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Ausblick

zukunft

Die demographische Entwicklung führt dazu, dass viele Kirchengemeinden tendenziell kleiner werden. Auf der anderen Seite bleiben die Erwartungen an die Ortsgemeinde erhalten oder nehmen sogar zu. Viele Gemeinden werden sich deshalb zunehmend in der Situation wiederfinden, dass sie nicht alle Arbeitsfelder von der Kinder- und Jugendarbeit, über die Kirchenmusik, die Erwachsenenbildung, die Seniorenarbeit, den Besuchsdienst, etc. gleichermaßen bedienen können. Der Weg, die Gemeinden dadurch zu vergrößern, indem sie sich mit Nachbargemeinden zu einer neuen Kirchengemeinde zusammenschließen, begegnet häufig zunächst einiger Zurückhaltung, da die Identität örtlicher Einheiten oft mit der Kirchengemeinde als selbständiger Körperschaft verbunden ist. Die Lösung ist in vielen Fällen eine Kooperation mit benachbarten Kirchengemeinden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es bei solchen Regionalisierungsprozessen nicht nur darum gehen kann, arbeitseffiziente und ressourcenorientierte Lösungen zu finden. Derartige rein mechanische Ansätze scheitern in vielen Fällen. Zu Beginn jedes Regionalisierungsprozesses müssen sich die Beteiligten deshalb zunächst über sich selber klar werden. Wo stehen wir? Welches Profil haben wir? Es sind diese Überlegungen, die klassischerweise als Leitbildprozess beschrieben werden. Erst wenn eine Kirchengemeinde sich selbst wahrgenommen und beschrieben hat, kann in einem zweiten Schritt überlegt werden, welche Schnittmengen es mit benachbarten Kirchengemeinden schon gibt oder welche noch entwickelt werden können. Der Abschluss von rechtlichen Vereinbarungen zur Kooperation steht dann am Ende eines solchen Prozesses.

Die rechtlichen Regelungen sind zurzeit über eine Vielzahl von Gesetzen verstreut. Es ist deshalb geplant, der 25. Landessynode ein „Regionalisierungsgesetz“ vorzulegen, das die pfarramtliche Verbindung, die Arbeitsgemeinschaft aufgrund schriftlicher Vereinbarung und den Kirchengemeindeverband einheitlich und in einem Gesetz regelt. Die Arbeitsgemeinschaft in Verbandsform spielt schon jetzt praktisch keine Rolle mehr, seit auch die Arbeitsgemeinschaft aufgrund schriftlicher Vereinbarung eine gemeinsame Stelle, ähnlich einem Regionalvorstand, haben kann. Bei den Kirchengemeindeverbänden wird differenziert werden müssen zwischen Zweckverbänden, die einen speziellen Arbeitsbereich des Kirchengemeindelebens abdecken, wie etwa Friedhofszweckverbände, Kindertagesstättenverbände, etc. Daneben gibt es Kirchengemeindeverbände, die eine Vielzahl von Aufgaben einer Kirchengemeinde abdecken und in die gemeinsame Verantwortung des Verbandes geben, von Arbeitsfeldern wie Jugendarbeit, Kirchenmusik, etc. über Fragen der Pfarrstellenbesetzung, der Mitwirkung bei der Visitation bis hin zu Fragen der Anstellungsträgerschaft von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und der Aufgabenverteilung in der Kirchengemeinde. Darüber hinaus wird zu überlegen sein, ob die rechtlichen Regelungen noch einen Schritt weiter gehen sollten und auch einen Kirchengemeindeverband ermöglichen, der von Gesetzes wegen grundsätzlich für alle Aufgaben kirchengemeindlicher Art in seinem Bereich zuständig ist, aber örtliche Untergliederungen belässt, die jedoch nur noch für die Aufgaben zuständig sind, die ihnen vom Verband zugewiesen werden und die besser auf der unteren örtlichen Ebene erledigt werden können.

Es wird jedoch wichtig sein, mit der Region keine verbindliche weitere Ebene kirchlichen Handelns in die Strukturen einzufügen. Es wird vielmehr nur darum gehen müssen, Freiräume zu schaffen, damit dort, wo vor Ort der Eindruck gewonnen worden ist, dass mit bestimmten Formen der Zusammenarbeit der kirchliche Auftrag zur Zeit besser erfüllt werden kann, dem rechtliche Regelungen nicht entgegen stehen dürfen. Auf der anderen Seite darf die Struktur nicht der völligen Beliebigkeit anheim gegeben werden, sondern es müssen transparente Entscheidungsvorgänge und nach außen gegenüber staatlichen und kommunalen Stellen ein Mindestmaß an Verlässlichkeit der möglichen Rechtsformen gewährleistet bleiben. Die Einheitlichkeit der kirchlichen Organisationsformen wird jedoch ein Stück weit aufzugeben sein. Die Region entzieht sich letztlich einer abschließenden Definition, so das Fazit im Bericht des Querschnittausschusses der Landessynode im Herbst 2012.