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Rückblick

Verbindung Diakoniedezernat und Diakoniebüro des Landeskirchenamts (LKA) mit dem Diakonischen Werk (DW)

vergangen

 Diese Zweigliedrigkeit der Diakonie wurde in der hannoverschen Landeskirche seit 1.1.2009 wenn auch nicht aufgehoben, so doch einander erheblich näher zugeordnet. Der zuständige Dezernent für Diakonie im Landeskirchenamt wurde dem Präsidium als Direktor des DW vorgeschlagen und gewählt, ohne dass seine Zugehörigkeit zum Kolleg noch seine Zuständigkeit für die verfasst kirchlichen diakonischen Belange aufgehoben wurde. Im Gefolge dessen siedelte auch das Diakoniebüro des Landeskirchenamts unter Leitung des Büroleiters OKR Arvid Siegmann in das DW Hannovers um. Die Mitarbeitenden des LKA wurden dem DW gestellt und als Bereich 4 „Landeskirche. Rechts und Fachaufsicht“ in die Strukturen des DW eingefügt mit dem vertraglich gesicherten Privileg, nun im und als DW auch – vermittelt über dazu berechtigte Personen – als Landeskirche diakonisch tätig zu werden. Der Direktor des DW blieb Kollegmitglied und der stellvertretende Direktor wurde außerordentliches Kollegmitglied. Der ehemalige Leiter des Diakoniebüros wurde Leiter des Bereichs 4 im DW und ist zugleich Referent für Kindertagesstätten des LKA. Ferner wurden dem DW die bislang in Dezernat und Diakoniebüro verwalteten Finanzmittel der Landeskirche für diakonische Anliegen zur Verwaltung und Vergabe übergeben.

Diese Verbindung zwischen der Diakoniezuständigkeit des Landeskirchenamts mit dem Diakonischen Werk über Personen und vertragliche Regelungen sollte nach drei Jahren evaluiert werden. Das ist in Teilen – mit Unterstützung von Beratern aus dem Kirchenamt der EKD – geschehen, aber noch nicht abgeschlossen. Es ist jedoch schon jetzt klar erkennbar, dass sich dieser Schritt insgesamt bewährt hat, weil
• die wechselseitige Aufmerksamkeit füreinander auf Seiten des DW wie der Landeskirche deutlich gestärkt wurde,
• die Kirchlichkeit der Diakonie wie auch die Diakonie als „Lebens- und Wesensäußerung der Kirche“ (Grundordnung der EKD) trotz unterschiedlicher Organisationsformen gelebt wird,
• die öffentliche Wirksamkeit diakonischer Anliegen aufeinander abgestimmt und deutlich gestärkt werden konnte,
• Abstimmungsprozesse zwischen DW und Landeskirchenamt erheblich vereinfacht und intensiviert werden konnten,
• die Mitarbeitenden des ehemaligen Diakoniebüros erheblichen Einsatz gezeigt haben, die neuen Strukturen und bestehenden Aufgaben gelingend miteinander zu verknüpfen.

Die Ergebnisse der Evaluation und sich daraus ergebende Konsequenzen stehen noch aus. Ihre Ergebnisse werden einfließen in eine überarbeitete Vereinbarung zwischen Landeskirche und DW, die insbesondere die aufgetretenen Rechtsfragen (Beleihung usw.) abschließend klären wird.

Trotz der benannten Vorteile bleibt es Aufgabe sowohl des LKA wie auch des DW, dass über die personellen Verflechtungen von LKA und DW hinaus die Landeskirche in ihren Organen ein Bewusstsein dafür lebendig erhält, dass Diakonie genuine Aufgabe der Kirche ist und bleibt.

Raumbedarf des Diakonischen Werks

 Das DW der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers ist mit seinen Vorgängerorganisationen seit Beginn des 20.Jahhrunderts in der Ebhardstr. zu finden. 2011 erwarb der Verein das Gebäude vom Landesverband der Inneren Mission (LIM) und konnte damit notwendige bauliche Anpassungen an veränderte Bedarfe besser als zuvor umsetzen. Sukzessive werden nunmehr die Stockwerke renoviert und heutigen energetischen und technischen Ausstattungsstandards angepasst.

Die räumlichen Kapazitäten reichen dennoch nicht aus, um den steigenden Anforderungen an das Werk und den damit verbundenen personellen Ausbau gerecht zu werden. Insbesondere durch den Ausbau zum DWiN, die steigende Nachfrage nach Plätzen im FSJ und BFD sowie die Umstrukturierung der Fachberatung der Kindertagesstättenarbeit machten die weitere Anmietung von Räumlichkeiten unumgänglich.

Außerdem zogt 2011 die Geschäftsstelle der LAG FW in die Ebhardstr ein, so dass hier allein schon räumlich bedingt eine bessere Zusammenarbeit ermöglicht wird.
Angesichts eines zunehmenden Bedarfs an arbeitsrechtlicher Beratung und Vertretung von Mitgliedseinrichtungen des DW wurde 2010 die Rechtsanwaltskanzlei IUS|sozial als Mieter gewonnen. Die diaplus GmbH ist eine Beratungsgesellschaft des DW, die diakonischen Einrichtungen insbesondere betriebswirtschaftliche Beratung als entgeltliche Leistung anbietet.

Vom Diakonischen Werk der Ev. - luth. Landeskirche Hannovers zum Diakonischen Werk in Niedersachsen (DWiN)

Die Diakonischen Werke nehmen als Prozessverantwortliche die diakonischen Aufgaben für ihre jeweiligen Landeskirchen wahr, indem sie
• die diakonischen Belange in der Öffentlichkeit, gegenüber Kostenträgern, in der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege und gegenüber der Politik vertreten,
• die privatrechtlichen diakonischen Träger der jeweiligen Landeskirche durch die Mitgliedsaufnahme zuordnen,
• die diakonischen Träger beraten und fördern und sie bei der Entwicklung des kirchlich-diakonischen Profils unterstützen.

In Niedersachsen bedeutete dies über viele Jahre hinweg, dass es fünf Diakonische Werke gab, die jeweils in unterschiedlicher Art und Weise, die o.g. Aufgaben durchgeführt haben. Gerade im Hinblick auf die Interessenvertretung auf Landesebene hat diese diakonische Vielfalt (DW Braunschweig, DW Hannover, DW Oldenburg, Reformiertes DW, DW Schaumburg-Lippe) nicht immer optimale Ergebnisse erzielt.

Bereits seit mehreren Jahren sind daher die Diakonischen Werke der an der Konföderation beteiligten Kirchen auf dem Weg, ihre Zusammenarbeit auf der Ebene des Landes Niedersachsen zu verstärken. Die zunehmende Komplexität der diakonischen Aufgaben, überregionale Ausbreitung der diakonischen Träger, die niedersachsenweite Zusammenarbeit diakonischer Einrichtungen in Fachverbänden und auch die teilweise Reduzierung der finanziellen Unterstützung der Landesverbände durch ihre Landeskirchen haben dazu geführt, dass die Diakonischen Werke seit 2007 ihre Zusammenarbeit schrittweise gestärkt haben:
• Aus der losen Konferenz Diakonischer Werke in Niedersachsen (KDWN) wurde 2007 die „Diakonie in Niedersachsen“ als Arbeitsgemeinschaft mit eigenem Koordinationsbüro.
• 2010 wurde der Verein „Diakonie in Niedersachsen“ gegründet, der für die fünf Diakonischen Werke die spitzenverbandlichen Aufgaben auf Landesebene übernommen hat.

Bereits 2010, bei der Gründung des „Diakonie in Niedersachsen e.V.“, stand fest, dass auch dies nur ein Zwischenschritt sein sollte. Schon zu diesem Zeitpunkt war vereinbart worden, innerhalb von ca. 5 Jahren ein gemeinsames Diakonisches Werk zu gründen.

Ein solches Werk sollte nicht nur die gemeinsame Vertretung diakonischer Interessen auf Landesebene sicherstellen, wie es die Diakonie in Niedersachsen getan hat, es sollte auch die Mitgliedseinrichtungen unter einem gemeinsamen Dach vereinen. So sollte sichergestellt werden, dass die diakonischen Träger in Niedersachsen gemeinsam und einheitlich beraten und begleitet werden.

Nach dreieinhalb Jahren ist nun durch den Zusammenschluss Diakonischen Werke Braunschweigs und Hannovers gemeinsam mit dem Diakonischen Werken Schaumburg-Lippe und dem Diakonischen Werk der Reformierten Kirche zum 1. Januar 2014 das „Diakonische Werk in Niedersachsen“ (DWiN) gegründet worden.
Nach dreijährigen Verhandlungen ist es gelungen, sich zwischen den beteiligten Diakonischen Werken und ihren Landeskirchen auf einen gemeinsamen Rahmen für ein gemeinsames Diakonisches Werk zu einigen. Die Diakonie im Oldenburger Land wird sich nicht am Diakonischen Werk in Niedersachsen beteiligen. Mit ihr soll aber eine Vereinbarung geschlossen werden, die eine Zusammenarbeit in den bisherigen Aufgabengebieten des „Diakonie in Niedersachsen e.V.“ weiterhin sicherstellt.

Die Aufgaben des Diakonischen Werkes in Niedersachsen reichen weit über die reine Spitzenverbandsfunktion hinaus:
• Das Werk ist das alleinige Diakonische Werk der Landeskirchen Braunschweigs und Hannovers und übernimmt Aufgaben der Diakonischen Werke der Landeskirche Schaumburg-Lippe und der Reformierten Kirche und
• Das DWiN ist Mitgliederverband, da alle diakonischen Träger der beteiligten Landeskirchen Mitglied in dem neuen Werk werden.

Damit konnte für den überwiegenden Teil Niedersachsens das Ziel erreicht werden, eine einheitliche Mitgliederberatung sicherzustellen und die Abstimmungsverfahren deutlich zu vereinfachen. Zudem hat die Diakonie die Möglichkeit, trotz sinkender Zuschüsse der Landeskirchen, deutlich an politischem Gewicht zu gewinnen.
Rechtliche Ausgestaltung:

In der rechtlichen Umsetzung ist es gelungen, einen praktikablen und kostgünstigen Weg zu finden und diesen unter den beteiligten Kirchen abzustimmen: Das Diakonische Werk Hannovers hat als größter Verband seine Satzung und seinen Namen in der gemeinsam vereinbarten Form verändert und sich so in das Diakonische Werk in Niedersachsen gewandelt. Das Diakonische Werk in Braunschweig wird sich auflösen und die Aufgaben an das Diakonische Werk in Niedersachsen übergeben. Die bisherigen Mitglieder im Bereich Braunschweig sind dem neuen Werk zum 1. Januar 2014 beigetreten. Gleichzeitig haben die Diakonischen Werke der Landeskirche Schaumburg-Lippe und der reformierten Kirche ihre Satzung bzw. Diakoniegesetze so verändert, dass die jeweiligen Mitglieder im Rahmen einer Doppelmitgliedschaft zugleich Mitglied im Diakonischen Werk in Niedersachsen werden. Diese beiden Werke bleiben fortbestehen, weil sie bestimmte landeskirchliche Aufgaben wahrnehmen, die weiterhin sichergestellt werden müssen. Allerdings verändern sich ihre Aufgaben, da wesentliche Tätigkeiten auf das Diakonische Werk in Niedersachsen übertragen wurden.

Alle am DWiN beteiligten Landeskirchen werden künftig im Aufsichtsrat vertreten sein. Ferner wird es im Diakonischen Werk in Niedersachsen drei Vorstandsmitglieder geben. Diese haben nach Maßgabe der beiden Kirchen zugleich eine Anbindung an die Kollegien der Landeskirchenämter in Braunschweig und Hannover. So ist eine enge Anbindung an und Abstimmung mit den Landeskirchen gewährleistet.

Hinzu kommt ein Diakonischer Rat, in dem gemeinsame Aktivitäten vom Diakonischen Werk in Niedersachsen und den noch bestehenden landeskirchlichen Diakonischen Werken abgestimmt werden.

In den Gremien wird sich künftig die neue Struktur deutlich machen. Der Vorstand besteht aus Dr. Christoph Künkel und Dr. Jörg Antoine, die bereits den Vorstand des Diakonischen Werkes Hannovers gebildet haben, sowie aus Cornelius Hahn, der bisher im Landeskirchenamt der braunschweigischen Kirche tätig war. Vorsitzender des Übergangsaufsichtsrats ist Thomas Hofer, Oberlandeskirchenrat der Landeskirche in Braunschweig. Zudem werden bestimmte Tätigkeiten, etwa die Betreuung von Freiwilligen im Rahmen des FSJ oder des BFD sowie eine zentrale Beratungsstelle (ZBS) künftig in einer Außenstelle in Braunschweig wahrgenommen.

Finanziert wird das Diakonische Werk in Niedersachsen in den Aufgabenbereichen, in denen es niedersachsenweit tätig ist aus Mitgliedsbeiträgen, staatlichen Zuschüssen und Drittmitteln sowie Zuschüssen aller beteiligten Kirchen entsprechend dem Konföderationsschlüssel.
In den Bereichen, in denen das Diakonische Werk in Niedersachsen nur für eine der beteiligten Kirchen Aufgaben wahrnimmt, wird die Finanzierung über die beteiligte Kirche sichergestellt.

Es ist mit diesem Prozess gelungen, zwischen den vier beteiligten Landeskirchen und ihren Diakonischen Werken ein hohes Maß an Vertrauen aufzubauen. So haben alle Synoden und alle Mitgliederversammlungen der Diakonischen Werke nahezu einstimmig der Gründung des Diakonischen Werkes in Niedersachsen zugestimmt. Auf dieser Basis kann das neue Werk seine Arbeit aufnehmen.
Insgesamt startet das neue Werk seine Arbeit mit viel Hoffnung und großer Unterstützung aus den beteiligten Kirchen. 

Das Diakonische Werk auf Bundesebene

Das Diakonische Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V. gehörte bis 2012 mit 21 anderen diakonischen Landesverbänden dem „Diakonischen Werk der EKD“ an. Dort wurden einerseits die Interessen der Landesverbände gebündelt und vertreten wie auch die speziellen Anliegen aus den ca. 70 diakonischen Fachverbänden gesammelt und organisatorisch eingebunden. Ferner gehörte zum DW der EKD das kirchliche Hilfswerk „Brot für die Welt“ mit Sitz in Stuttgart.

Lange und komplizierte Verhandlungen führten 2012 zur Konstituierung des „Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung“ (EWDE) mit Sitz in Berlin. Dieses Werk ist der Zusammenschluss des DW EKD - einschließlich der Aktion „Brot für die Welt“ - und des Evangelischen Entwicklungsdienstes (eed). In der nahe beim Reichstag gelegenen Carolin Mathilde Straße werden damit die Anliegen der ökumenischen Diakonie ebenso gebündelt, fortentwickelt und vertreten wie die der sogenannten blauen und violetten Diakonie. In den Organen des EWDE sind Vertreter der Landeskirche und des DWiN vertreten.